Freitag, 31. Oktober 2014

Buch des Monats

Das Rosie-Projekt von Graeme Simsion

Wie perfekt muss der Partner für das Leben eigentlich sein? Sollte er gewisse Kriterien auf jeden Fall erfüllen? Ich denke, viele Menschen, die länger auf Partnersuche sind, haben insgeheim ihre kleine Liste im Kopf, mit Punkten, die sie innerlich abhaken. Ist er groß genug? Will sie Kinder haben? Mag er Musik? Liest sie gerne? Doch nicht selten hat das Leben einen anderen Plan für uns in petto.

Das Buch Rosie-Projekt widmet sich auf lustig-skurrile Weise diesem Thema. Es handelt von Don, einem Genetiker, der höchstintelligent und wahrscheinlich autistisch veranlagt ist. Letzteres scheint er selbst gar nicht zu wissen, obwohl er sogar vor einer Gruppe Autisten über das Thema referiert. Seiner eingeschränkten sozialen Kompetenz ist er sich aber durchaus bewusst.

Don möchte gerne heiraten und erstellt dazu einen Fragebogen, der ihm die Richtige offenbaren soll. Derweil trifft er Rosie, bei der er sich außergewöhnlich wohl fühlt und mit der er ganz neue Dinge erlebt.
Doch Rosie erfüllt den Fragebogen leider so gar nicht. Trotzdem will Don gerne Zeit mit ihr verbringen und hilft ihr schließlich bei ihrem ganz eigenen Projekt: Sie sucht ihren biologischen Vater. Entgegen jeder Logik...

Obwohl das Ende für den Leser sehr viel weniger überraschend ist als für Don, ist der Weg dorthin durchaus unterhaltsam geschrieben. Der Autor zeichnet sympathische Figuren und führt die Protagonisten in komödiantische Szenen. Die Ordnung auf der einen und das Chaos auf der anderen Seite ziehen sich magisch an, erschrecken einander aber auch.

Gerade für den Herbst eine schöne, kurzweilige, wenn auch seichte Lektüre.

Eure Julia aus der guten Kinderstube



Donnerstag, 30. Oktober 2014

Bedürfnisorientiertes Familienleben: zweiter Teil

Werte, Grenzen und Konsequenz

Man
Das Man ist überall dabei, doch so, dass es sich auch schon immer davongeschlichen hat, wo das Dasein auf Entscheidung drängt. Weil das Man jedoch alles Urteilen und Entscheiden vorgibt, nimmt es dem jeweiligen Dasein die Verantwortlichkeit ab.
Das Man kann es sich gleichsam leisten, dass sich ständig auf es beruft. Es kann am leichtesten alles verantworten, weil keiner es ist, der für etwas einzustehen braucht. (...) – Martin Heidegger

Werte

Erst seit ich Mutter bin, ist mir so richtig klar geworden, welch große Rolle das Man in unser aller Leben spielt. "Das macht man nicht!", "Man spielt nicht mit dem Essen!", "Man ist nicht laut und unbequem (schon gar nicht als Frau)!", "Man muss Danke sagen."
Das Man hat uns alle erzogen und es erzieht noch immer mit. Die Man-Regeln gründeten sich auf allgemeine Werte, die in unserer Gesellschaft vertreten werden oder wurden. Ordnung, Disziplin, Sauberkeit, Respekt fallen mir da spontan ein.

Bis zu einem gewissen Grad haben diese Man-Regeln sicher ihre Berechtigung. Schließlich ist es für das Zusammenleben der Menschen wichtig, dass sich alle an grundsätzliche Regeln halten. Im Gegensatz zu unseren Gesetzen, die ja ebenfalls Grundwerte schützen, sind Konventionen und Werte aber nicht fest, sondern individuell und ständigem Wandel unterworfen. Einen Konsens über Werte, und vor allem zur Umsetzung dieser durch Regeln, gibt es meines Erachtens nach nicht mehr. Und das finde ich persönlich auch völlig in Ordnung und gut so.

Zwar ist es vielleicht manchmal einfacher, die bestehenden Regeln unreflektiert anzuerkennen und umzusetzen, aber - wie Heidegger es oben auf den Punkt bringt - es entmündigt auch und schiebt die Verantwortung weg.

Eltern sein hat für mich aber so viel mit Verantwortung zu tun. Mit Liebe, Glück, Nähe, Spaß, Konflikten, Reibereien, Zusammenraufen, Verlässlichkeit und Geborgenheit - aber eben auch mit Verantwortung auf Seiten der Eltern. Für mich ist Eigenverantwortung sehr wichtig, so wichtig, dass ich sie meiner Tochter vorleben möchte und hoffe, dass auch sie sie erlernt. Für das eigene Handeln, die eigenen Worte und Taten Verantwortung zu übernehmen, das heißt auch, seinen Lebensweg in die Hand zu nehmen, ihn aktiv zu gestalten.

Als Mutter versuche ich daher, alle Regeln einem Familien- und Alltagstauglichkeits-Check zu unterziehen. Finde ich wirklich, dass man jemandem die Hand geben muss? Oder finde ich es wichtiger, das nur zu tun, wenn man den anderen auch anfassen will? Finde ich es wichtiger, dass mein Kind ordentlich aussieht oder soll es selbst entscheiden können, was es anziehen will und ob die Haare frisiert werden? Muss mein Kind teilen oder darf es auch nein sagen, wenn ein anderes Kind seine Spielsachen haben will?
Darf man auf dem Tisch tanzen? Bei uns schon, aber nicht während der Mahlzeiten. Darf man Bohnen im Wohnzimmer verteilen? Ja, denn ich muss so oder so aufräumen und was ich aufräume ist letztlich Wurscht.

Ich gebe zu, dass das nicht immer so einfach ist. Schließlich habe ich selbst viele "Mans" in meinem Denken und nicht alle sind so einfach abzulegen. Es ist mir zum Beispiel peinlich, wenn unser Haus unordentlich oder noch schlimmer dreckig ist, wenn Besuch kommt. Ich finde es unangenehm, wenn mein Kind zu anderen sagt: "Nein, Du sollst weggehen!" Sowas macht man doch nicht, oder? Aber ich lerne täglich dazu und ordne meine Werte neu.

Grenzen


Kinder brauchen Grenzen. Aber welche?
Durch das Überdenken unserer Werte, haben sich auch die Grenzen in unserer Familie geändert. Wir setzen nur unsere eignen, persönlichen Grenzen, da all die Regeln wegfallen, die das Man vorschreiben würde.
Ich bin fest davon überzeugt, dass es für Kinder, ebenso wie für jeden Menschen, wichtig ist, die Grenzen des Gegenübers deutlich zu spüren, um sich sicher zu fühlen und sich in der Situation orientieren zu können. Setze ich meine Grenzen, dann gebe ich meiner Tochter Sicherheit, Verlässlichkeit und bin authentisch. Gleichzeitig lebe ich ihr vor, wie wichtig es ist, seine Grenzen zu spüren, ernst zu nehmen und sie zu setzen.

Wenn ich ehrlich bin, schaffe ich das noch nicht immer. Ich merke immer mal wieder, dass ich schon weit über meine Grenze gegangen bin und darunter leidet dann die ganze Familie. Manchmal lässt sich das nicht verhindern, z. B. wenn mein Bedürfnis nach Zeit für mich auf der Strecke bleibt, weil mein Mann viel arbeiten muss. Aber es gibt auch Situationen, in denen ich meine Grenzen nicht spüre. Daran arbeite ich derzeit.
Meiner Tochter kann ihre Grenzen meist schon recht gut setzen, braucht mich aber vor allem Fremden gegenüber noch als Hilfe, z. B. wenn sie ungefragt und ungewollt angefasst wird.

Konsequenz


Noch vor zwei Jahren hätte ich eindringlich betont, wie wichtig es ist, in der Erziehung konsequent zu sein, das heißt, eine aufgestellte Regel immer durchzusetzen. Wird die Regel nicht beachtet, hat das Konsequenzen. Wenn man das Gemüse nicht isst, dann bekommt man keinen Nachtisch. Ausnahmen sind nur selten zugelassen.

Mittlerweile halte ich nicht mehr allzu viel von dem Wort Erziehung und sehe Konsequenz vor allem als Folge einer Handlung. Wenn ich mich fallen lasse, plumpse ich auf den Boden. Wenn meine Tochter auf dem Stuhl hampelt, fällt sie herunter und tut sich weh. Wenn ich kein Gemüse esse, ist kein Gemüse in meinem Bauch. Punkt. Mit Nachtisch hat das erst einmal nichts zu tun.
Denn keinen Nachtisch zu bekommen, wäre eine Strafe und die lehne ich ab. Meine Tochter darf demnach beim Essen auch nur Nachtisch essen, wenn sie das will. Es gibt bei uns ohnehin nicht so viel Süßes, dass ich mir da Sorgen machen müsste und der Nachtisch ist meist Obst. Schließlich entscheiden wir, welche Nahrungsmittel es in unserem Haushalt überhaupt gibt.

Und doch gibt es bei uns auch Regeln, die eingehalten werden sollen. Ich will nicht, dass irgendwo gemalt wird außer auf dafür vorgesehenem Papier. Das sehe ich jeden Tag so. Genauso verhält es sich mit Regeln wie, niemandem weh zu tun und nichts absichtlich kaputt zu machen. Andere Dinge wiederum hängen von äußeren Faktoren ab. Meine Tochter kann beispielsweise lauter sein, wenn ich ausgeschlafen und gut gelaunt bin, dagegen zeige ich bei Krach meine Grenze recht schnell, wenn ich müde bin und Kopfschmerzen habe.

Bisher fahren wir damit als Familie sehr gut. Ich habe nicht den Eindruck, dass wir mehr Regeln und Gehorsam brauchen, irgendwer ohne Grenzen und unzufrieden, außer Rand und Band oder tyrannisch ist. Ich empfinde unseren Umgang miteinander als respektvoll und einfühlsam und genieße das sehr.

In der kommenden Woche erzähle ich euch dann aber auch mehr darüber, wie wir mit Konflikten umgehen, die es bei uns wie in allen Familien selbstverständlich auch gibt.

Eure Julia aus der guten Kinderstube



Donnerstag, 23. Oktober 2014

Blogreihe: Bedürfnisorientiertes Familienleben: erster Teil

Was bedeutet bedürfnisorientiertes Familienleben für uns?


Obwohl ich zu den Menschen gehöre, die sehr viel lesen, recherchieren und sich informieren, kam ich vor der Geburt meiner Tochter nie mit den Begriffen Attachment Parenting oder Bedürfnisorientierung, unerzogen oder bindungsorientiert in Berührung.
Wir lebten einfach und reagierten auf die neue Realität in der wir uns befanden. Wir wägten in vielen Situationen ab und trafen Entscheidungen, die wieder andere (sinnvolle) Entscheidungen nach sich zogen. Wir wuchsen zu einer Familie zusammen, ich wurde Mutter, mein Mann wurde Vater, wir lernten uns selbst und uns gegenseitig als Paar und Eltern neu kennen. Wie wohl bei den meisten Paaren, die zu Familien werden, war das eine sehr intensive, anstrengende, aber auch schöne Zeit. Jetzt, nach gut zwei Jahren stellt sich so langsam das Gefühl ein, unseren Weg gefunden zu haben und wir werden damit endlich auch wieder selbstsicherer. Das sah zwischenzeitlich zugegebener Maßen ganz anders aus.


Der erste Schritt: Zuhause bleiben.


Beginnen wir am Anfang. Bereits im ersten Gespräch über das Kinderkriegen, waren wir uns einig, dass ich das erste Jahr nach der Geburt unseres Kindes zuhause bleiben würde. Dabei spielte nicht das Geld die entscheidende Rolle – zumal ich damals voll arbeitete, mein Mann dagegen noch im Studium war – sondern es war mein Herzenswunsch. Ich bin so froh und dankbar, dass wir mir diesen erfüllen.
Da mein Arbeitgeber dann während meines Mutterschutzes Insolvenz anmeldete, öffnete sich dieses Jahr zu einem noch nicht bestimmten Zeitraum. Mein Mann arbeitet mittlerweile und kann uns damit glücklicher Weise unterhalten, so dass wir keinen (großen) Druck haben, unsere Tochter durch Fremde betreuen zu lassen.


Der zweite Schritt: Das Stillen


Ein wichtiger Schritt auf unserem Weg war mit Sicherheit das Stillen, das bei uns von Anfang an ganz problemlos klappte. Mein Vorsatz war: Ich werde ein halbes Jahr lang stillen, wie es empfohlen wird. Doch als das halbe Jahr um war, gab es schlicht keinen Grund, aufzuhören. Auch nach zehn Monaten als die anderen stillenden Frauen, die ich kannte, abstillten, weil sie sich auf die Fremdbetreuung und das Arbeiten vorbereiteten, gab es bei uns keinen Grund dazu. Im Gegenteil: Genau zu dieser Zeit verweigerte das Tochterkind jeglichen Brei, so dass wir ihr einfach alles vom Familientisch anboten, wobei das Stillen weiter eine wichtige Nahrungsquelle war. Ich hatte auch bereits so viel über die Vorteile des Stillens gelernt, dass ich mir sicher war, meiner Tochter damit das Beste zu geben.


Der dritte Schritt: Das Familienbett


Das Stillen nach Bedarf verträgt sich nicht gut mit dem Schlafen in getrennten Zimmern. Das kann ich aus eigener Erfahrung sagen, denn wir haben es sogar versucht. Schließlich hatten wir ja ein Babybett im Kinderzimmer und da sollte das Kind irgendwann doch hin, nicht wahr? Leider fand das meiner Tochter so gar nicht. War sie zuvor immer lachend und brabbelnd wach geworden, so weinte sie jetzt tags wie nachts immer sofort. Nach einigen sehr anstrengenden, kräftezehrenden Nächten war es mein Mann der sagte: „Hol sie doch einfach wieder zu uns!“ Schon zwei Tage später wachte unser Kind wieder lachend auf.
Unser Kind weinen zu lassen kam uns zum Glück niemals auch nur für Sekunden in den Sinn. Genauso hatten wir nie den Anspruch, dass sie Durchschlafen können oder allein in den Schlaf finden muss.


Schritt vier: Hintergrundinformationen


Ich begann einschlägige Literatur zu lesen, da wir sehr überrascht davon waren, dass unsere Tochter sich nicht mehr von meinem Mann ins Bett bringen ließ. Sie war damals zehn Monate alt und hatte gerade nach „Da!“ ihr erstes Wort „Papa“ gelernt. Den ganzen Tag fand sie es toll, mit ihrem Papa, doch sobald sie müde wurde wollte sie nur zu mir. Auf diese Weise brachte sie mir etwas über Bindungstheorie und Urvertrauen, Loslösung und Wiederannäherungskrise bei.  Was sie mir mit ihrem Verhalten sagte, las ich zuerst im Buch von Dr. Rüdiger Posth: Vom Urvertrauen zum Selbstvertrauen. Er bestätigte das, was wir fühlten und so waren wir beruhigt und verließen wir uns wieter auf unser Bauchgefühl.

Einige Zeit später las ich das erste Buch von Jesper Juul. Schon seit meinem abgebrochenen Heilpädagogikstudium hatte ich vor, mal ein Buch von ihm zu lesen. Also lieh ich es aus, als ich es durch Zufall in der Stadtbücherei entdeckte. Was soll ich sagen? Ich war wirklich geflasht, weil da so viel stand, was ich auch empfand. Gleichzeitig gab es mir noch einige Denkanstöße und ich las in den darauffolgenden zwei Wochen noch drei weitere Bücher von ihm. Zwar gibt es durchaus auch Aussagen Juuls, die ich nicht unterstütze, im Großen und Ganzen aber spricht er mir aus der Seele. Weiter Bücher anderer Autoren wie Gerald Hüther, William und Martha Sears, Marshall B. Rosenberg u.s.w. folgten. Auch Blogs, allen voran geborgen-wachsen.de, waren für mich wichtig, weil sie mir zeigten, dass wir mit unseren Entscheidungen nicht allein sind.


Schritt fünf: Die bewusste Haltung


Unsere Art, mit dem Tochterkind umzugehen, unsere Haltung hat also Begriffe bekommen und wurde uns dadurch bewusst. Wie sieht diese Haltung aus?
Wir gehen davon aus, dass unsere Tochter uns gleichwürdig ist und dass sie sehr viele Dinge, die sie selbst betreffen gut einschätzen und mitteilen kann. Sie weiß, wann sie Hunger hat, ob ihr kalt ist und ob sie müde ist. Ihre Wünsche werden in unsere Entscheidungsprozesse immer mit einbezogen. Wir sprechen mit ihr nicht viel anders, als wir miteinander sprechen. Zumindest versuchen wir das, auch wenn es (noch) nicht immer klappt. Gleichzeitig übernehmen wir da die Verantwortung oder „Führung“, wo wir merken, dass sie es noch nicht kann. Das heißt nicht, dass sie alles darf – die größte Befürchtung Außenstehender. Natürlich haben wir unsere persönlichen Grenzen und auch Bedürfnisse, die sie achten soll. Genauso versuchen wir aber, ihre Grenzen zu achten. Dazu gehört auch, dass sie Nein sagen darf und wir das, wenn möglich, respektieren.

In der nächsten Woche erzähle ich euch mehr zu unseren Werten, Grenzen und dem Thema Konsequenz aus meiner Sicht.


Eure Julia aus der guten Kinderstube



Sonntag, 19. Oktober 2014

Wochenende in Bildern 18./19. Oktober 2014

Der Samstag fing wie viele Tage mit dem Gang zum Bäcker an.























Zum Frühstück waren wir bei ehemaligen Nachbarn in Wiesbaden eingeladen.
























Nach der Mittagspause wollte ich noch ein paar liegen gebliebene Dinge erledigen. Daher fuhren Mann und Kind allein mit dem Fahrrad zum Einkauf.
























Während ich versuchte zu lernen...
























...hatten meine Lieben Spaß im Supermarkt.
























Nach einem kleinen Nachmittagssnack zogen die Beiden weiter zum Spielplatz, während ich das schöne Wetter voll guter Vorsätze von drinnen betrachtete. Leider wurde ich auch ein wenig abgelenkt.
























Beim Aufräumen entdeckte ich dies und musste etwas schmunzeln. Schön, was meiner Tochter immer so einfällt.







Zum Abendessen gab es einen herbstlichen Feldsalat mit Apfel und Maronen. Sehr lecker! Ein schöner, wenn auch nicht ganz so effektiver Tag, den wir mit ein Couchgegammel ausklingen ließen.
























Am Sonntagmorgen fuhren wir nach unserem üblichen Morgengekuschel nach Mainz, um dort mit einer Freundin und ihrem Sohn zu frühstücken. Im Anschluss trafen wir auch die Patentante und gemeinsam ging es auf den Spielplatz.
























Da sich der zähe Nebel so langsam verzog, machte es sich das Tochterkind zum Mittagsschlaf im Kinderwagen bequem und wir liefen am Rhein entlang.
























Zwischendurch eine kleine Erfrischung.
























Und dann, mit der inzwischen wieder wachen Tochter, weiter durch die Heimatstadt. Vom Liebfrauenplatz...
























...über den Marktplatz...



















...Richtung Theater...

























...vorbei am Dom.
























Auf dem Rückweg zum Auto habe ich in der christlichen Buchhandlung Werke von Conny Wenk entdeckt. Den Kalender hätte ich gerne für das kommende Jahr.
























Mit einem Zwischenstopp bei Freunden in Gonsenheim fuhren wir schließlich im Sonnenuntergang nach Hause. (Leider ließ sich das vom Auto aus nicht so toll einfangen.)
























Nach dem gemeinsamen Abendessen, haben meine beiden Schätze noch ausgelassen zusammen gespielt und getobt. Da mein Mann derzeit so viel arbeitet, ist diese Zeit besonders kostbar und wichtig.























Ein tolles Herbstwochenende voll Sonne, Treffen mit Freunden und Familienzeit liegt hinter uns. Ich hoffe, die gewonnene Energie hilft uns über die nächste - wohl eher graue - Zeit durchzustehen.

Weiter Wochenenden in Bildern findet ihr wie jede Woche in der Sammlung von Susanne.

Eure Julia aus der guten Kinderstube



Donnerstag, 16. Oktober 2014

Meine Blog-Reihe: Bedürnisorientiertes Familienleben

Bereits seit zwei Jahren überlege ich immer wieder, ein Blog zu starten. Die Fragen, ob ich das überhaupt kann, ich die Zeit dafür finde und auch, ob ich mit eventuellen Anfeindungen umgehen kann, haben mich lange beschäftigt. Dann dachte ich wieder, dass das ohnehin niemand liest, weil mich ja niemand kennt. Warum sich also die Arbeit machen?

Den endgültigen Anstoß zum Start dieses Blogs hat ein Gespräch mit einer Freundin gegeben, in dem wir uns über das Attachment Parenting und bedürfnisorientiertes Familienleben unterhielten.
Wir empfanden es beide so, dass unsere Art, Familie zu leben in unserem Familien- und Bekanntenkreis sehr unbekannt ist und argwöhnisch beobachtet oder kritisiert wird. Vielleicht ist das anders, wenn man in einer Großstadt wie Berlin lebt, aber hier wird man schnell als antiautoritär oder Laisser-faire eingestuft.
Wir unterscheiden uns von den meisten Familien durch Merkmale wie langes Stillen, über das erste Lebensjahr hinaus, das Tragen der Kinder, das Schlafen im Familienbett, den Verzicht auf Fremdbetreuung und den insgesamt nicht oder wenig "erziehenden" Umgang mit unseren Kindern. Glücklicher Weise kann ich mittlerweile "wir" schreiben und meine damit nicht nur meinen Mann und mich. Wir kennen seit einigen Monaten tatsächlich noch ein paar andere Familien, denen es sehr ähnlich ergeht wie uns.

Dieses Blog ist für mich also auch eine Möglichkeit, unser Familienleben zu beschreiben, es zu erläutern und das ganze Thema auch für mich immer mal wieder zu ordnen. Schließlich hatte ich das so gar nicht geplant und bin auch manchmal noch verunsichert und überfordert. Die erlernten Muster, die immer auch ein hierarchisches Vorgehen in sich tragen, das ich nun aber ablehne, sind vor allem in Stresssituationen da. Hierzu aber später mehr, denn:

Jeden Donnerstag wird es hier ab heute einen Artikel aus der Reihe "Bedürfnisorientiertes Familienleben" geben, in dem ich einen Teilaspekt beleuchte und unseren persönlichen Weg beschreibe. Dazu gehört zum Beispiel neben dem Langzeitstillen, dem gemeinsamen Schlafen, der Auseinandersetzung mit Windelfrei etc. vor allem die Haltung, die wir unserer Tochter gegenüber einnehmen. Was ist Erziehung? Was ist Führung? Wie erkennt man Bedürfnisse und welche Grenzen gibt es? Ganz sicher wird es auch Artikel geben, die sich mit den Herausforderungen beschäftigen, die diese Lebensweise für uns als Eltern bringt.

Wenn das dann auch noch jemand liest und sich eventuell hier und da ein konstruktiver Austausch ergibt, wäre das das Sahnehäubchen. Ich möchte auch noch mal klar stellen, dass ich in dem ganzen Feld (noch) kein Experte bin und es allein um unseren sehr persönlichen Weg geht. Ich will niemanden belehren oder missionieren. Wenn überhaupt, möchte ich zum Nachdenken anregen und alle Eltern bestärken, ihren eigenen Weg zu finden, auch dann, wenn er nicht zum Mainstream gehört. Und mir ist auch klar, dass es für einige Leser keine neuen Erkenntnisse sind. Für mich waren sie das aber zum Teil vor Kurzem noch. Für andere vielleicht auch.

Voller Spannung
Eure Julia aus der guten Kinderstube




Montag, 13. Oktober 2014

Wochenende in Bildern 11./12. Oktober 2014

Auch wenn ich heute schon etwas spät dran bin und der Sonntag nicht lief wie geplant, gibt es hier noch mein WiB.
Am Samstag schliefen meine Tochter und ich bis kurz nach neun aus, während mein armer Mann schon früh zur Arbeit aufbrechen musste. Wie jeden morgen haben wir erst einmal ausgiebig gekuschelt, gestillt, gekichert und gehüpft bevor ich duschen ging. Danach schnell angezogen und ein kleines aber feines Frühstück gezaubert.



Danach fuhren wir nach Rüsselsheim, um den Papa bei der Arbeit zu besuchen. Da es ein öffentliches Event war, ging das und wir trafen uns zur gemeinsamen Mittagspause. Trotz morgendlichem Ausschlafen machte meine Tochter einen halbstündigen Powernap im Auto.



"Party, Party!" rufend saß unsere Kleine in der RingSling und freute sich über die Musik und die vielen Autos. Natürlich mussten die ja auch gefahren werden!



Nach einem kleinen Snack, wurde an der frischen Luft gespielt. Steine stapeln ist ein Spiel, das sie sehr oft von allein anfängt. Sie freut sich sichtbar, wenn sie welche entdeckt und ist dann ganz emsig bei der Sache.



Aber ein wenig mit dem Papa kuscheln musste auch sein. Schließlich wird der sehr vermisst, wenn er solche arbeitsintensiven Zeiten hat.



Als sich die Mittagspause dem Ende zuneigt, ziehen verdächtige Wolken auf. Zum Glück schaffen wir es noch rechtzeitig ins Auto, bevor der Regen beginnt.



Nach einem kurzen aber nötigen Stopp im Supermarkt, fuhren wir weiter zur Ingelheimer Kinder- und Jugendfarm. Wie so oft in den letzten Wochen, wollte mein Tochterkind gerne auf dem Pony reiten.


Dass zum Reiten auch die Pflege der Tiere gehört, bekommt auch meine Zweijährige auf der Farm schon vermittelt. So hilft sie beim Striegeln und füttert "ihre" Blacky auch gerne mit Heu.




In der Abendsonne machen wir uns auf den Heimweg.



Zuhause angekommen geht bereits die Sonne unter. Schnell geht das jetzt im Herbst.
Wir essen alle zusammen zu Abend und nach dem Abendritual mit Papa - baden und Buch lesen - schläft unsere Tochter schnell ein. Wir gönnen uns noch ein paar Folgen Big Bang Theory.
























Als ich am Sonntagmorgen aus dem Bad komme, backen meine zwei Liebsten bereits Croissants für ein großes Frühstück.

























Und so sieht Völlerei bei uns aus.























Nach dem Frühstück möchte meine Tochter ein wenig lesen und kramt mal wieder ein lange ungelesenes "Hör mal"-Buch aus.


















Von Renz-Polster konnte ich sie gerade noch abhalten. 
























Da ich dann leider ziemlich fiese Kopfschmerzen bekam, machten Mann und Kind einen Besuch bei der Oma, während ich frustriert auf der Couch lag. Ich hatte mir doch so viel vorgenommen.
Stattdessen kam noch ein lieber Freund mit seiner Tochter spontan zu Besuch und halfen mir so unbewusst über den Frust. Und so kam es, dass ich nur noch ein Bild vom Kochen machte. Zum Abendessen gab es Reis und Wirsing. Um 20.13 Uhr schlief mein braves Kind und wir schauten den wirklich tollen Tatort.
























Die Wochenenden vieler anderer Blogger findet ihr wie immer gesammelt bei Geborgen-wachsen.de

Eure Julia aus der guten Kinderstube






Freitag, 10. Oktober 2014

Blogparade #familiedigital von scoyo und berlinmittemom

Noch gehe ich nicht wie Anna von berlinmittemom zu Elternabenden - weder realen noch virtuellen-, da mein Tochterkind mit ihren zwei Jahren noch nicht einmal in den Kindergarten geht. Dennoch ist das Thema Medienkompetenz omnipräsent und auch in unserer Familie schon heiß diskutiert worden. Daher finde ich die Blogparade von scoyo und Anna extrem interessant und kann auch den diesbezüglichen Podcast zum Elternabend nur empfehlen.

Wir sind Eltern der medienaffinen Gruppe und schon seit Jahren vergeht kein Tag, an dem wir uns nicht mit Geräten, die ein angebissener Apfel ziert, beschäftigen. Während meiner achtjährigen Agenturerfahrung mit Homeoffice und der Leitung großer Internetprojekte, habe ich mir das ständige Online-sein angewöhnt. Auch im privaten Bereich gehören Suchmaschinen, Blogs und verschiedene Websites zur normalen Problemlösung oder Unterhaltung. Mit dem Start des eigenen Blog ist meine Zeit am Computer nun auch nicht weniger geworden.

Ich finde es normal, dass unsere Tochter dies mitbekommt und sie Interesse an den Geräten und deren Möglichkeiten hat. Sie mag ja auch Geschirr abspülen, fegen oder putzen, wenn ich es tue. So kommt es durchaus vor, dass sie bei langen Autofahrten oder an Tagen, an denen ich einfach mal in Ruhe duschen will, mit meinem Handy spielen darf. Es gibt dort vier Apps für Kinder: Eine befasst sich mit Geräuschen von Tieren und Fahrzeugen und drei sind von der Aktion Lesestart des Bildungsministeriums und der Stiftung Lesen. Auch "Fotos gucken" steht bei ihr sehr hoch im Trend, wobei sie das nur mit mir zusammen darf, da sie die Fotos und Videos leider aus Versehen löscht und ich noch keinen Weg gefunden habe, das zu blockieren ohne die komplette Foto-App zu blockieren.

Es ist wirklich erstaunlich, wie schnell sie den Umgang mit unseren Smartphones gelernt hat und meine Schwiegermutter ist sich jetzt schon sicher, dass sie in ein, zwei Jahren mit allen Problemen bezüglich Technik zu ihrer Enkelin gehen kann. Ich persönlich finde es gut, dass sie das alles so früh lernt und als normal wahrnimmt. Genauso wichtig finde ich aber, dass es zum Umgang nach und nach sinnvolle Regeln gibt - wie in allen anderen Bereichen des Familienlebens auch. Dazu gehören bei uns bis jetzt:
  1. Morgens im Bett werden noch keine E-Mails, Twitter- oder Facebook-Accounts gecheckt.
  2. Beim Essen wird nicht gesurft oder telefoniert. 
  3. Die meiste Zeit, die wir vorm PC verbringen liegt in den Schlafenszeiten unseres Mädchens.
  4. Gemeinsame Aktivitäten wie Lesen, Spielplatz, Kochen, Spielen, Toben haben immer Vorrang.
Wichtig ist, dass wir zwar gerne und im Vergleich mit anderen Eltern auch viel mit dem Internet beschäftigt sind, aber unserer Tochter auch anderes vorleben. Wir sind alle drei Leseratten und das Tochterkind findet sich in der örtlichen Bücherei bereits noch besser zurecht als auf meinem Smartphone. Wir gehen jeden Tag raus an die frische Luft und treffen uns gerne und oft mit Freunden. Dabei kann das Handy auch mal für Stunden zuhause bleiben oder aus sein. 
Interessant ist auch, dass wir quasi nie fernsehen. Ganz selten schauen mein Mann und ich abends mal den Tatort und mit unserer Tochter haben wir bisher nur zweimal ferngesehen: die Fussballspiele der Deutschen während der WM, bei denen sie noch nicht im Bett war.

Ich weiß noch nicht, welche Regeln wir im Laufe der Jahre noch brauchen werden, aber wir bleiben für das Thema sensibel, reflektieren unser eigenes Verhalten und dann werden wir sehen. Ich fände das schwieriger, wenn wir keine Ahnung von all dem hätten. Wie sollten wir dann unserem Nachwuchs einen sinnvollen Umgang vermitteln? Wie sollten wir später nachvollziehen, was die Kinder im Netz tun?

Eure Julia aus der guten Kinderstube




Mittwoch, 8. Oktober 2014

One lovely Blog Award

Die liebe Tanja von Tafjora hat mich für den One lovely Blog Award nominiert. Ich habe mich wirklich sehr darüber gefreut, dass sie an mich gedacht hat - und gleichzeitig kam mir der Gedanke: "Wie soll ich 15 Blogs nominieren?" Das kann ich gar nicht.
Wildfremde Menschen raussuchen und anschreiben mag ich nicht und die, die ich kenne haben wohl schon mitgemacht. Aber Fakten verrate ich sehr gerne! Ich hoffe, liebe Tanja, Du verzeihst den Regelbruch.

Denn die Regeln lauten:

  • Verlinke die Person, die Dich nominiert hat.
  • Blogge die Regeln und zeige den Award.
  • Veröffentliche 7 Fakten über Dich.
  • Nominiere 15 Blogger und teile Ihnen deine Nominierung mit.














  1. Ich bin farbenblind. Also ich sehe manche Farben nicht richtig. Bei Frauen ist das wohl sehr selten.
  2. Ich mag keine Lakritze, kein Süßholz, kein Anis und kein Fenchel und kann daher kaum noch irgendwo Tee trinken. Das nervt.
  3. Ich mag alle Jahreszeiten gleich gern und bin trotzdem immer traurig, wenn sie vorbei sind und die neuen anfangen.
  4. Ich wollte als Kind immer Hirnchirurgin werden und habe mir im Dritten Dokumentationen von Operationen angeschaut.
  5. Ich empfinde mich als Feministin, obwohl ich derzeit als Hausfrau und Mutter lebe und tatsächlich auch gerne nähe.
  6. Ich lese unheimlich gerne und liebe Sprache genauso wie Musik (ist ja auch nur eine Sprache).
  7. Ich bin nur 1,55 m groß.
So ihr Lieben, ich hoffe, ich werde wegen des Regelbruchs nicht verdammt. Aber das war für mich schon immer die Schwierigkeit an Kettenbriefen. Also seid mir nicht bös.

Eure Julia aus der guten Kinderstube


Dienstag, 7. Oktober 2014

Blogparade #ichbingutso

Als ich auf Twitter gelesen habe, dass Nessa vonWundertolles eine Blogparade zum Hashtag #ichbingutso startet und ihren wirklich beängstigenden Artikel zum Thema las, wurde mir ganz schlecht. Ist es wirklich immer noch so schlimm? Danach habe ich den wunderschönen Artikel von Berlinmittemom Anna gelesen. Sie verweist auf ein ähnliches Projekt unter #ifeelbeautifulfor.

Auch für mich ist das ein sehr schweres Thema. Aber lest selbst:


5 Jahre alt
Meine erste Erinnerung an das Gefühl „Ich bin nicht gut so wie ich bin“ stammt aus der Kindergartenzeit. Damals stelle ich zum ersten Mal fest, dass meine Cousine sehr schlank ist, ich dagegen eher moppelig bin. Zumindest in meinen Augen, denn ich bin vielleicht kein spindeldürres Kind, aber auch weit weg von Gewichtsproblemen.

Das Gefühl jedoch bleibt und steigert sich im Laufe der Jahre immer mehr. Meine Eltern versuchen, mir zu erklären, dass ich einfach einen anderen Körper habe als meine Cousine und dieser auch durch abnehmen nicht auf diese Art dünn sein würde. Sie sagen mir, dass zu dünn nicht schön sei und ich völlig in Ordnung. Geholfen hat das nur kurzfristig.

11 Jahre alt
Meine Mutter macht eine Vierjahreszeiten-Kur, da sie sich zu dick findet. Sie kocht für sich immer völlig anderes Essen als für meinen Vater, meinen Bruder und für mich, wiegt sich täglich und trägt die Werte in ein Diagramm ein, das in unserem Badezimmer hängt. Gleichzeitig bin ich auf dem Gymnasium von Mädchen umgeben, die gegenseitig den Oberschenkelumfang kontrollieren und sich zum Sport verabreden.
Um mitzuhalten, versuche ich bei der Diät meiner Mutter mitzumachen, doch schon am ersten Tag nachmittags habe ich das vergessen und frage in der Stadt nach einer Brezel. Meine Mutter lacht und meint, dass das so halt auch nicht funktioniert. Sie kauft mir die Brezel trotzdem. Ich glaube, das war das erste Lebensmittel, das ich am liebsten wieder ausgespuckt hätte.

13 Jahre alt
Ich gebe meinen Lieblingssport, das Schwimmen, auf, weil ich mich unmöglich mit einem Badeanzug vor anderen Menschen zeigen kann. Wohl fühle ich mich nur an Tagen, an denen ich so gut wie nichts gegessen oder wenn ich abgenommen habe.

15 Jahre alt
In der Schule laufen die Intrigen und Abwertungen unter den Mädchen zur Hochform auf. Nur wer dünn ist wird akzeptiert. Meine Tante sagt zu mir: „Du bist ja so ein hübsches Mädchen, wenn Du bloß nicht so dicke Beine hättest!“ Ich starte die nächste Diät und esse nur noch jeden zweiten Tag.

16 Jahre alt
Ich gehe zur Frauenärztin und werde zu meiner Anamnese befragt. Ich fühle mich sehr unsicher und die Frage nach meinem Gewicht beantworte ich kleinlaut mit: 51,5 kg. Darauf die Ärztin: „Echt, so viel??“ Ich lasse die Untersuchung über mich ergehen, fahre nach Hause und weine. Die Praxis betrete ich nie wieder.

19 Jahre alt
Ich verbringe nach dem Abitur 3 Monate in den USA und nehme zum ersten Mal trotz täglichem Sport deutlich zu. Auf dem Heimflug habe ich schon Angst vor den Reaktionen.

20 Jahre alt
In der Ausbildung machen wieder mehrere Freundinnen zusammen Diäten und Sport. Das Thema ist allgegenwärtig. Wenigstens ist es dort wesentlich entspannter und wertschätzender als in der Schulzeit.

21 Jahre alt
Ich mache einen Ausflug mit einer Freundin nach Köln. Wir essen bis um 17 Uhr nur ein paar Karotten und bestellen uns dann einen Salat in einem Bistro. Ich schaffe es nicht, die große Scheibe Knoblauchbrot, die dabei liegt, nicht zu essen und übergebe mich im Anschluss auf der Toilette.
Sofort wird mir klar: Das darf nie wieder sein, sonst bin ich verloren. Zum Glück habe ich diese Grenze nie wieder überschritten.

In den darauffolgenden 10 Jahren habe ich durch Diäten und den Jo-Jo-Effekt immer weiter zugenommen.

31 Jahre alt
Ich beschließe, in diesem Leben keine Diät mehr zu machen. Ich bin gut so, wie ich bin? Davon versuche ich mich täglich selbst zu überzeugen.

33 Jahre alt
Bedingt durch mein PCO Syndrom werde ich nicht schwanger. Leicht übergewichtig starte ich die Kinderwunschbehandlung. Durch die Hormone habe ich quasi kein Sättigungsgefühl mehr. Ich nehme immer weiter zu. Zum ersten Mal in meinem Leben bin ich wirklich richtig dick. Trotzdem schaffe ich es, meinem Vorsatz treu zu sein und keine Diät zu machen. Die Behandlung hat Erfolg: Ich bin schwanger.
In der 36 SSW habe ich einen Magen-Darm-Infekt. Meine Ärztin freut sich darüber, da ich dadurch bis zum Ende der Schwangerschaft nur 11 statt 13 Kilo zugenommen habe. Zum Glück kann ich mich darüber mittlerweile amüsieren.

35 Jahre alt
Ich beschließe, dass ich schön bin. Für mich, aber auch für meine wundervolle Tochter, das Mädchen, dem ich vorleben will, dass ich mich gut finde. An den meisten Tagen klappt das sehr gut. Da geht es mir wie Anna.

36 Jahre alt
Jetzt bin ich seit zwei Jahren Mutter einer wundervollen Tochter und versuche, ihr nichts von all dem mitzugeben. Ich gehe mit ihr Schwimmen, laufe zuhause nackt herum und mache alles, was ich mich früher nicht mehr getraut habe. Wir bewegen uns viel, essen ausgewogen und sie darf alles essen, was sie mag – auch Zucker und Fett!

Trotzdem habe ich große Angst, dass sie auch schon bald entdeckt, dass es in dieser Welt Ideale gibt, denen sie vielleicht nicht entspricht. Schon jetzt gibt es immer wieder Leute, die kommentieren, dass sie eher propper ist und wohl gerne isst. Ich habe Angst vor dem Tag, an dem sie zum ersten Mal das Gefühl hat, zu dick oder nicht hübsch genug zu sein. Und ich habe Angst, dass ich ihr dann nicht helfen kann. Doch alles, was in meiner Macht steht, werde ich tun um in ihr den Gedanken zu festigen: #ichbingutso


 Eure Julia aus der guten Kinderstube