Donnerstag, 20. November 2014

Bedürfnisorientiertes Familienleben: fünfter Teil

Eltern werden, Paar bleiben

Kindern kann es immer nur so gut in der Familie gehen, wie es den Eltern miteinander geht und jedem Elternteil für sich. Jesper Juul

Ich höre immer wieder von Kinderlosen und werdenden Eltern, dass sich nach der Geburt eines Kindes nicht zu viel ändern sollte. Das Kind sollte am Besten nebenher mitlaufen und sich an das Leben der Eltern anpassen. Die wiederum sollten ihr eigenes Leben nicht vergessen, nur weil ein Kind da ist. Und so wurde ich recht schnell gefragt, ob wir schon einen Babysitter und eine feste Datenight haben, damit wir auch Paar bleiben und nicht nur Mama und Papa sind. Andere fragten mich, ob ich nicht mal abends „was trinken gehen“ wollte und fanden es geradezu befremdlich, dass ich daran so gar kein Interesse hatte.

Im Prinzip kann ich das nachvollziehen, denn es geht darum, sich selbst nicht zu verlieren und auch die Partnerschaft weiter wichtig zu nehmen und sie nicht soweit zu vernachlässigen, dass sie Schaden nimmt. Gleichzeitig habe ich aber das Gefühl, dass dahinter bei manchen auch eine große Angst steckt. Die Angst, zu kurz zu kommen, vom Partner übervorteilt zu werden und vielleicht die Angst, die Kontrolle über das eigene Leben zu verlieren? Und diese Angst hält den einen oder die andere vielleicht davon ab, sich auf das neue Leben, nämlich das als Eltern, als Familie wirklich einzulassen und es auch zu genießen. Manche scheinen so damit beschäftigt zu sein, ihren Freiraum schnellstmöglich wiederzuerlangen und gewohnte Aktivitäten wieder aufzunehmen, dass sie gar nicht spüren können wie wunderschön es mit einem Baby (und Kind) sein kann, wenn man das Tempo, die Ansprüche und sich selbst eine zeitlang zurücknimmt.

In unserem ganzen Leben zusammen sind die Babyjahre unserer Kinder nur ein kurzer Moment.
Für meinen Mann und mich war klar, dass die erste Zeit mit unserem Kind nicht die Zeit in unserer Beziehung sein würde, in der es vorrangig um uns als Paar geht. Darüber haben wir auch gesprochen und uns damit den Druck genommen, finde ich. Wir hatten mehr als sechs Jahre Zeit für uns, Zeit verliebt zu sein, uns kennenzulernen, im Alltag miteinander auszukommen und aus Verliebtheit Liebe werden zu lassen. Dieser tiefen Liebe entspringt unsere Tochter. Und diese Liebe trägt uns als Paar weiter, auch wenn wir für einige Zeit nicht allein ausgehen und kein Kino von innen sehen.

Viel wichtiger als das war für uns, Zeit zu haben, um Mutter und Vater zu werden und um als Eltern zu funktionieren. Wir mussten unseren Rhythmus, unseren Weg für unsere Familie finden und uns dazu mit sehr vielen unterschiedlichen Themen auseinandersetzen. Wir mussten lernen, mit der riesigen Verantwortung umzugehen und zu vertrauen, in uns und unser Kind. Das alles, gepaart mit einer großen Portion Schlafmangel, kostete Zeit und Energie und führte sicher auch zu manch unnötiger Streiterei.

Um wieder Kraft zu tanken, haben wir uns deshalb gegenseitig Freiräume für „Just-for-me-moments“, wie Mama Miez sie nennt, geschaffen. Wir haben darauf geachtet, uns immer wieder wohlwollend zu begegnen, mitfühlend miteinander zu sprechen und den jeweils anderen für das was er tut wertzuschätzen. Wir haben alle wichtigen Entscheidungen gemeinsam getroffen, egal ob es ums Stillen oder das Familienbett, das Loben oder den Umgang mit Konflikten ging.
Dass wir diesen Weg gemeinsam so gegangen sind, schweißt uns zusammen. Wir sehen unsere Tochter an, unser Wunder, und sind glücklich. Und sie scheint es auch zu sein. Wir haben also nicht unsere Bedürfnisse unterdrückt und uns nur nach unserer Tochter gerichtet, sondern Prioritäten gesetzt, die uns wichtig waren. Ich frage mich auch, ob wir nicht viele Chancen, uns als Personen  und Paar weiterzuentwickeln, verpasst hätten, wenn wir uns zu sehr darum bemüht hätten, dass möglichst viel so bleibt wie es vorher war.

Eure Julia aus der guten Kinderstube




Sonntag, 16. November 2014

Wochenende in Bildern 15./16. November 2014

Ein Wochenende voll schlechter Laune und - teilweise geglückten - Rettungsversuchen.
Mein Mann ist zur Zeit für insgesamt drei Wochen auf Geschäftsreise in Monaco, was ich nicht als "schwere Zeiten" beschreiben will, aber einfach ist es auch nicht für uns. Rund um die Uhr mit meiner Tochter allein zu sein ist schön, jedoch auch viel anstrengender als sonst. Ich bin auch einfach nicht gerne von meinem Mann getrennt. Nicht, weil ich das alles nicht alleine kann, sondern weil es mit ihm zusammen so viel schöner ist.

Am Samstag startete unser Tag wie üblich im Familienbett, mit Kuschelei, einem Buch und anschließendem Duschen. Eigentlich wollte ich danach zu unserem Bäcker, aber das Tochterkind wünschte sich ein Frühstück im Bioladen. Ich weiß nicht, ob es am Zahnen, am Frühstückshunger oder am Papa-Vermissen lag, aber sie hatte ziemlich schlechte Laune. Da ist es meist besser, wenn wir raus gehen und nicht allein zuhause sitzen.






















Nachdem wir etwas eingekauft hatten, gab es endlich Frühstück. Wir spielten im Kaufladen und meine Tochter malte ein Bild für den Papa. Unsere Laune war schon deutlich besser.






















Schon fast am Auto trafen wir noch meine Freundin und ihre Tochter, die wir dann noch wenigstens bis zur Eingangstür des Bioladens begleiten mussten.






















In der örtlichen Bücherei liehen wir noch einige neue Weihnachtsbücher und Hörspiele aus. Das wichtigste Buch für meine Tochter hat aber nichts mit Weihnachten zu tun - es sei denn der Baum brennt.






















Dank unserer Freunde, die uns für den Nachmittag Asyl gewährten, hatten wir einen wunderschönen Nachmittag und Abend. So vergeht die Zeit an regnerischen, papalosen Tagen viel schneller und fröhlicher.






















Sonntagsfrühstück mit mäßiger Laune bei der jüngsten Teilnehmerin und daher großem Kaffee für mich.






















Statt wie geplant für den Nachmittag zu backen, machten wir am Vormittag einen Regenspaziergang. Da unser Besuch leider wegen Krankheit absagen musste, hätte ein Kuchen für uns beide keinen Sinn gemacht. Außerdem erhoffte ich mir, dass die frische Luft die Laune verbessern würde. Das klappte auch vorübergehend.






















Auf dem Spielplatz waren wir selbstverständlich allein.












































Meine Tochter hatte trotzdem Spaß bis wir mittags wieder nach Hause liefen. Dort verlangte sie müde nach ihrem Kinderwagen und schlief bei einer kurzen Runde ums Haus fast sofort ein. Leider wachte sie auch durch Lärm wieder auf und schlief dann auf mir weiter. Wieder nix mit Zeit für mich. Aber kuscheln ist auch schön.






















Nach einem kurzen Mittagssnack gingen wir noch einmal raus, zum Pfützen patschen.






















Später versuchte ich ein wenig aufzuräumen. Währenddessen wurde mein Handy gemopst. Wenigstens habe ich so noch ein letztes Bild des Tages für euch.






















Als ich es zurückforderte war es mit der guten Laune gänzlich vorbei. Wir eierten noch durch den Rest des Tages, da meine Laune so langsam auch am Tiefpunkt angelangt war, und lediglich das Abendessen vom Griechen rettete Töchterchens Stimmung noch mal so einigermaßen. Trotz anschließendem Planschen in der Badewanne dauerte es eine volle Stunde bis sie heute einschlafen konnte.
Mein Fazit: Novembergraue Bilder mit novembergrauer Stimmung. Wäre ich tatsächlich alleinerziehend, müsste ich mich ganz anders organisieren, um unseren Bedürfnissen gerecht zu werden. Aber morgen wird es sicher wieder besser.

Viele weitere, facettenreiche Wochenenden in Bildern findet ihr hier. Viel Spaß beim Stöbern.

Eure Julia aus der guten Kinderstube






Donnerstag, 13. November 2014

Bedürfnisorientiertes Familienleben: vierter Teil

Meine Zwischenbilanz

In den Kindern erlebt man sein ganzes eigenes Leben noch einmal, und erst jetzt versteht man es ganz.
Søren Aabye Kierkegaard
Obwohl ich schon immer ein Mensch war, der versucht, sich selbst zu hinterfragen, habe ich, seit  meine Tochter auf der Welt ist, mehr über mich selbst gelernt als in den zehn Jahren davor. Sie inspiriert mich immer wieder neu dazu, Bestehendes zu überdenken, mich und mein Verhalten zu reflektieren und unseren gemeinsamen Weg bewusst zu gestalten. Sie motiviert mich, Bücher zu lesen, neue Gedanken zuzulassen und meine eigenen Erfahrungen neu zu bewerten.

Das bedürfnisorientierte Zusammenleben stellt mich täglich vor die verschiedensten Herausforderungen. Die größte davon ist wohl, nicht einfach aus dem Bauch heraus zu handeln. Denn eigentlich war das vorher immer mein Idealbild einer Mutter: nicht zu pädagogisch wertvoll, nicht zu verunsichert, "einfach" intuitiv und ganz pragmatisch. Doch dann stellte ich fest, dass ich "aus dem Bauch heraus" ganz anders reagiere als ich es mir wünsche. Was konnte ich also tun?

Ich konnte und kann an mir arbeiten und genau dafür habe ich mich entschieden. Und ich kann nur feststellen: Es lohnt sich!

Meine zehn wichtigsten Erkenntnisse bisher sind:


  • Meine Tochter ist eine vollwertige Person, die nicht von mir erzogen und gut gemacht werden muss. Sie ist gut. 
Solch ein Chaos hätte ich früher verhindert.
  • Ich muss nicht perfekt sein. Weder muss mein Haus immer sauber und ordentlich sein, noch muss ich immer alle Punkte auf meiner To-Do-Liste abhaken. Ich muss nicht immer ruhig, nett und beherrscht sein, solange ich bei mir bleibe und die Integrität meiner Mitmenschen wahre. Ich darf Fehler machen und mich entschuldigen - auch und gerade bei meinem Tochterkind.
  • Alle Emotionen sind erlaubt und haben ihre Wichtigkeit im Leben, auch die vermeintlich schlechten, wie z. B. Aggressionen. 
  • Was andere, fremde Menschen über mich denken, ist mir nicht völlig egal, aber es wird mir immer gleichgültiger. Ich ziehe mir den lila Hut immer öfter auf.
  • Das was Man macht, müssen wir nicht machen. Können wir aber, wenn wir es gut finden.
  • Ich darf meine Meinung ändern, im Großen wie im Kleinen. Ich darf mich verändern und entwickeln. Früher dachte ich beispielsweise, dass es wichtig sei, konsequent zu sein, also Regeln immer durchzusetzen. Heute denke ich, dass es viel wichtiger ist, in Beziehung zu gehen, emphatisch zu sein und eine gute Lösung für die Situation zu finden, so dass alle Beteiligten ihre Integrität wahren. 
  • Worte haben Macht und können auch eine Art von Gewalt sein. Allerdings ist der Weg zur gewaltfreien Kommunikation gar nicht so einfach. Ich bin dran.
  • Ein wertschätzender Umgang mit dem Kind setzt voraus, dass ich ebenso wertschätzend mit mir selbst und anderen Menschen umgehe. Denn das, was ich meinem Kind vorlebe ist noch viel wichtiger als das, was ich sage. 
  • Konflikte gehören zu jeder Beziehung, denn Wärme entsteht nicht nur beim Kuscheln, sondern auch bei Reibereien. Und eine aufgesetzt, unehrliche Harmonie ist eben keine.
  • Meine Eltern haben sehr viel richtig gemacht und vor allem haben sie mir gezeigt, was Liebe ist. Dafür bin ich dankbar. Und auch wenn ich jetzt viele Dinge anders mache, finde ich, dass sie es zu ihrer Zeit, mit ihren Möglichkeiten einfach gut gemacht haben.
Und je mehr ich lerne, desto öfter reagiere ich auch wieder aus dem Bauch heraus - aus meinem neuen Bauch, dem runden, dem mit der Narbe und den Schwangerschaftsstreifen, dem, in dem mein Kind gewachsen ist.

Eure Julia aus der guten Kinderstube








Sonntag, 9. November 2014

Wochenende in Bildern 8./9. November 2014

Am Samstag wachte ich auf und stellte fest, dass mein Tochterkind zum dritten Mal in Folge durchgeschlafen hatte. Ich stand also ausgeschlafen auf und machte mich fertig für einen Shopping-Tag mit meiner Mutter. Los ging´s bei schönstem Wetter.






















In Wiesbaden angekommen gab es erst einmal Kaffe to go.























Nach dem wir erfolgreich die ersten Läden durchforstet hatten, gab es von mir lange ersehntes Suhsi zum Mittagessen.






















Unterdessen wurde zuhause der Hof für die Lichtblicke auf Vordermann gebracht. Bei den Lichtblicken in Ingelheim öffnen Höfe ihre Tore für Besucher. Neben Wein, verschiedenen kulinarischen Genüssen und Blicken in alte Häuser, stellen auch Kleinkünstler ihre Werke aus. Die Anwohner schmücken ihre Häuser mit Kerzen. Eine wunderbare Atmosphäre!

















Stiefel, Duffle Coat, Pullis, Stillshirt, Schal... Äh, wir waren wirklich erfolgreich.

















Bei meiner Rückkehr waren die Lichtblicke schon voll im Gange. Der Blick aus unserem Wohnzimmerfenster:






















Am Sonntag feierten wir den Geburtstag meiner Mutter. Gegen zehn Uhr machten wir uns auf den Weg zum nahegelegenen Kloster Engelthal, um dort zu brunchen.






















Es war soo lecker.






















Das Tochterkind spielte zwischendurch draußen und schlief dann im Kinderwagen bis wir aufbrachen.






















Gemeinsam mit meinen Eltern machten wir uns auf den Weg, die offenen Höfe zu erkunden. Unter anderem durften wir in die Backstube unseres Bäckers schauen und sahen zu wie Messer geschmiedet wurden. Auf unserem Hof stellte Sonja von Bonmot ihre Werke aus. Solltet ihr noch schöne Karten für die Feiertage oder andere Anlässe brauchen, schaut mal bei ihr vorbei.






















Zum Abendessen machte das Tochterkind Pizza. "Aber der Papa durfte mithelfen, Mama."






















Sie hat aber auch wirklich fast alles selbst gemacht.






















Und nun sitze ich mit meinem Mann zusammen, der morgen für drei Wochen auf Geschäftsreise fahren muss und bekomme diesen Post viel zu spät fertig.
Die Sammlung der Wochenenden in Bildern findet ihr wie immer bei geborgen-wachsen.de.


Eure Julia aus der guten Kinderstube




Donnerstag, 6. November 2014

Bedürfnisorientiertes Familienleben: dritter Teil

Konflikte


Hallo, meine Name ist Julia und ich bin harmoniebedürftig. So, jetzt ist es raus!
Ich gebe zu, bisher habe ich Konflikte oft und gerne gemieden. Nicht mit Fremden, aber mit den Menschen, die mir nah und wichtig sind. Schließlich gibt es da so viel zu verlieren, eine Erfahrung, die ich leider schon schmerzhaft machen musste. Doch je mehr ich mich mit dem Thema beschäftige, desto klarer wird, dass echte Nähe und Harmonie ohne das ehrliche Austragen von Konflikten gar nicht möglich ist. Die Angst vor den Konsequenzen darf uns nicht davon abhalten, authentisch, ehrlich und  eben auch unterschiedlicher Meinung zu sein.

Wann immer Menschen miteinander umgehen, treffen verschiedene Bedürfnisse aufeinander. Sind diese auf wundersame Weise im Einklang, fühlen wir uns wohl und empfinden Harmonie, alles ist im Fluss. Auch unterschiedliche Bedürfnisse, die sich gegenseitig nicht beeinflussen, also parallel erfüllbar sind, stellen kein Hindernis dar. Schließlich kann einer Hunger haben und essen, während der andere satt ist und nichts isst. Sind zwei Bedürfnisse allerdings nicht so einfach zu vereinbaren ist er da: der Konflikt. Kommt dann noch Zeitmangel, Schlafentzug und Stress hinzu, entsteht manchmal eine explosive Mischung.
Vergegenwärtigt man sich das, so ist die Tatsache, dass es in einer Familie täglich dutzende von kleinen und größeren Konflikten gibt ganz logisch und gar nicht beängstigend. Die entscheidende Frage ist, wie man mit den Konflikten umgeht. Duckt man sich weg, um des lieben Friedens Willen? Oder stürmt man in die Konfrontation? Spricht man ruhig und sachlich bis man einen Kompromiss gefunden hat? Wie geht man mit der entstehenden Aggression um? Und was tun, wenn man keinen gescheiten Kompromiss findet?

Tatsächlich lebten mein Mann und ich rund sechseinhalb Jahre sehr harmonisch. Streit gab es nur sehr selten und angezickt haben wir uns nie. Dies änderte sich mit der Geburt unserer Tochter im September 2012. Unser Rhythmus war unterbrochen, wir mussten uns neu aufeinander und die Situation einstellen. Immerhin war ich zuvor Vollzeitarbeitnehmerin gewesen und nun mit Baby zuhause, während mein Mann erst seine Abschlussprüfung und Magisterarbeit hinter sich brachte und dann voll arbeiten ging. Der totale Rollentausch also. Der vom Stillen unterbrochene Schlaf machte vor allem mich zusätzlich reizbar.

Glücklicher Weise maßen wir den kleinen Alltagsstreitereien nur wenig Bedeutung bei, da uns die Gründe offensichtlich waren. Bei anderen Konflikten waren wir aber durchaus überfordert und als unsere Tochter älter wurde und das Thema Aggression und Konflikte auch bei ihr präsent wurde, war mir klar: Da muss ich noch eine Menge lernen! Ich bin noch auf dem Weg dahin, aber die folgenden Punkte versuche ich bereits umzusetzen:

Emotionen annehmen


Ich bemühe mich zuallererst mal, die Emotionen nicht zu unterdrücken: nicht meine, nicht die der Anderen. Das geschieht nämlich viel öfter als es mir vorher bewusst war. Emotionen sind in unserer Gesellschaft nicht besonders beliebt. Gerade Kinder sollen nicht "rumheulen", aggressiv, jähzornig, nölig oder "aufmüpfig" sein. Dafür wird so wenig Verständnis aufgebracht, dass es sogar bei vielen Eltern verpönt ist, das Kind in diesen Momenten zu trösten. Wir fordern von Kindern Frustrationstoleranz während wir Erwachsenen selbst meist keinen Weg erlernt haben, mit unserem Frust und unserer Aggression sinnvoll umzugehen.

Grenzen spüren


Ein weiterer Schritt im Umgang mit Konflikten ist, die eigenen Grenzen zu spüren und sie auch zeigen zu dürfen und zu können. Wenn nämlich klar ist, dass jeder seine Grenzen hat und haben darf, muss man diese gar nicht so aggressiv verteidigen, wie das vorher vielleicht unbewusst der Fall war.

Bedürfnisse erkennen und erfüllen


Wir alle haben wichtige Bedürfnisse wie beispielsweise Ruhe, Nähe, Anerkennung und Selbstbestimmung, aber auch Hunger, Durst oder Müdigkeit. Nicht immer erkennen wir selbst, welches unserer Bedürfnisse gerade nicht erfüllt ist und weswegen wir unzufrieden, aggressiv, gereizt oder traurig sind. Bedürfnisorientiertes Familienleben bedeutet aber, dass wir uns anstrengen, diesen Bedürfnissen nachzuspüren, unseren eigenen und denen unserer Kinder. Nur dann können wir entscheiden, welche Bedürfnisbefriedigung gerade Vorrang hat und wie wir einen Konflikt lösen.

Gerade Eltern wollen und müssen ihre Bedürfnisse oft hintanstellen. Schließlich kann ein Baby das noch nicht und auch Kleinkinder lernen es erst nach und nach. Trotzdem ist es meiner Meinung nach enorm wichtig, dass wir, wenn unsere Kinder dem Babyalter entwachsen sind, anfangen, uns auch wieder wahrzunehmen und eigene Bedürfnisse zumindest teilweise zu erfüllen. Donald Winnicott prägte dafür den Begriff der ausreichend guten Mutter.
Klar wäge ich als Mama immer wieder meine Bedürfnisse gleichwertig gegen die meine Tochter ab und ja: Ich stecke oft zurück. Aber immer öfter eben auch nicht. Denn ich finde es wichtig, authentisch zu sein und glaube, dass ich meiner Tochter damit einen Gefallen tue, wenn ich auf mich achte und sie nicht zur "Schuldigen" an meiner Situation mache. Damit übernehme ich die "Führung, die Verantwortung.

Wie läuft der Konflikt also bei uns ab?



  1. Ich gestehe mir meine emotionale Reaktion zu, d. h. ich tue nicht so als wäre alles in Ordnung, wenn es das nicht ist. Es kommt auch vor, dass ich laut werde, ich übe aber, dabei nur über mich zu sprechen und mein Gegenüber nicht zu beschuldigen.
  2. Ich gestehe auch meinem Gegenüber seine Emotionen zu. Auch wenn ich es vielleicht nicht angenehm finde, wenn meine Tochter in der Öffentlichkeit laut losheult.
  3. Ich atme tief durch und spüre in mich hinein, frage mich, was hat mich so aufgebracht, was brauche ich eigentlich gerade? 
  4. Ich überlege, was mein Gegenüber wohl gerade braucht, welches Bedürfnis nicht erfüllt ist und verbalisiere das auch. An der Reaktion kann ich dann oft sehen, ob ich richtig liege. Ich biete Trost an.
  5. Ich überlege, wie ich die Situation lösen kann. Wenn mein Bedürfnis (z. B. nach Ruhe) dabei auf der Strecke bleibt, sorge ich dafür, dass ich es in naher Zukunft erfüllen kann und plane eine Auszeit für mich ein.


Das alles klappt noch nicht immer reibungslos, aber ich werde darin besser. Ich lese seit einiger Zeit  die Bücher von Marshall B. Rosenberg zur Gewaltfreien Kommunikation und kann sie sehr empfehlen. Mein Traum wäre es, meiner Tochter schon beizubringen, was ich erst durch sie lernen darf: Konflikte gewaltfrei zu lösen.

Eure Julia aus der guten Kinderstube









Sonntag, 2. November 2014

Wochenende in Bildern 1./2. November 2014

Unser Wochenende war eher ruhig und herbstlich. Nachdem wir am Samstag gemeinsam in Mainz frühstücken waren, musste mein Mann arbeiten. Auf der Fahrt nach Hause schlief das Tochterkind im Auto ein. Nach einem kleinen Mittagssnack spielten wir erst einmal ein wenig Ball im Hof.


















Am Nachmittag kamen meine Eltern zu Besuch. Gemeinsam gingen wir zum Saisonabschluss der Kinder- und Jugendfarm, wo es Ponyreiten, Stockbrot, Würstchen, selbstgemachte Brennesseltee, Maronen und sogar eine Feuershow gab.













































Am Sonntag war das erste Wort meiner Tochter beim Augenaufschlag: "Wochenende!" und dann "Papa auch da Mama?"
Also gingen die beiden erst einmal etwas spielen, duschen und Brötchen holen, während ich noch im Bett bleiben durfte. Anschließend wartete ein leckeres Zimtcroissant und Kaffee auf mich. Hm...
























Nach dem Frühstück wurde gearbeitet. Mein Mann und meine Tochter kümmerten sich um die Winterreifen für unser Auto...

















...während ich den dringend anstehenden Hausputz erledigte.























Mittagsschlaf - derzeit am liebsten im Kinderwagen an der frischen Luft.























Es ist selten, aber leider war die Laune des Tochterkinds beim Aufwachen nicht besonders gut. Sie verschmähte sogar die leckere Lasagne.
















Erst als wir Besuch von einer lieben Freundin und ihrer Tochter bekamen, stand wieder Spaß und gute Laune auf dem Programm. Es wurde, gespielt, geschwatzt und sogar gebastelt.
























Jetzt sind wir für den Martinsumzug gewappnet. Zum Abendessen haben meine Liebsten dann noch frischen Apfelmost gemacht.


Schaut doch auch mal bei Susanne von geborgen-wachsen.de rein. Da gibt es weitere Wochenenden in Bildern zum Stöbern.

Eure Julia aus der guten Kinderstube