Dienstag, 30. Dezember 2014

An die Mutter auf dem Rasthof

Nachdem ich gestern meinen Artikel über die Mommy Wars gebloggt habe, begegnete mir direkt im Anschluss ein wunderschöner Post in der unerzogen-Facebookgruppe, den ich hier, auch auf Wunsch einiger Gruppenmitglieder, teilen möchte. Eine der Mütter dort schrieb folgende Zeilen (Originalpost von Sarah H.) : 

Ich habe gestern so etwas schönes beobachten können und seitdem überlegt, ob ich diesen Post erstelle oder nicht. Und weil's mich nicht loslässt tu ich es einfach: 
An die liebe Mama, die gestern Abend auf dem Rasthof Lehrte mit ihrer kleinen, blondgelockten Tochter war. 
Die Geduld und Liebe, die zu spüren sind, wenn Du mit Deiner kleinen Tochter umgehst, haben mein Herz erwärmt und mich tief beeindruckt. Ehrlich gesagt bin ich noch zweimal wieder in das Gebäude des Rastplatzes hineingelaufen um zu schauen, ob ich eine kleine Karte für Dich finde oder irgendetwas, auf dem steht "Für eine tolle Mama" oder so ähnlich. Meine Frage, ob ich helfen kann, hat Dich glaube ich irritiert, was ich auch verstehen kann. 
Situation: die Kleine (ich bin echt schlecht im Schätzen - vielleicht 3 Jahre alt?) wollte nicht auf die Toilette, nicht die Treppe hoch, nicht die Treppe hinunter. Sie weinte und schrie. Möglicherweise war sie sehr müde? Über zwanzig Minuten ist die Mama unglaublich liebevoll und geduldig geblieben. Trotz des regen Verkehrs anderer Personen im Treppenhaus und auf den Toiletten. Mit ruhiger Stimme und bewundernswert positiver Ausstrahlung hat sie die Emotionen ihrer kleinen Maus aufgefangen. Irgendwann schaffte die Mutter es völlig unaufdringlich, die Aufmerksameit der süßen kleinen Maus mit in einer Vitrine ausgestellten Dingen zu fesseln und sie so aus ihrer Wut herauszuholen. 
So häufig sehe ich grobe, ungeduldige Eltern, die kein großes Verständnis/Gespür für ihre Kleinen aufzubringen vermögen. Das Erlebnis gestern war umso wundervoller. 
Ganz liebe Grüße an Dich, liebe Mama, falls Du hier zufällig mitliest.

Ich war davon sehr berührt. Zum einen, weil diese Situationen so unheimlich anstrengend sein können und es schön ist, indirekt mitzuerleben wie liebevoll diese Mutter war. Zum anderen, weil hier eine Mutter eine andere Mutter gesehen und anerkannt hat, aber nichts sagte. Die Mommy Wars sind in aller Munde. Aber vielleicht gibt es genauso oft Mütter, die anerkennend schauen und wir wissen es gar nicht?
Ich nehme mir vor, in Zukunft etwas zu sagen, wenn eine Mutter es in meinen Augen toll macht - egal, ob sie es so macht wie ich es machen würde. 

Eure Julia aus der guten Kinderstube



Montag, 29. Dezember 2014

Mommy Wars - oder die Sache mit der Erziehung

Kampf an allen Fronten?


Überall und immer wieder hört man von den Mommy Wars, die in Deutschland herrschen. Mütter bekriegen sich, kritisieren sich gegenseitig, sind verunsichert oder bekommen harmlose Kritik in den falschen Hals. Es gibt Fronten und doch scheint jede Mutter allein zu kämpfen. Dazu kommen viele Artikel in der Presse, die uns Labels verpassen: Working Mom in der Vollzeit-Rabenmutter-Variante oder in der Teilzeit-Falle, Stay-At-Home-Mom mit Latte Macchiato und Schneewittchenkomplex oder Helikopter-Eltern. Bei letzterem Stempel werden wenigstens auch die Väter mal miteinbezogen.

Meine Erfahrung


Ich wurde schon recht offen kritisiert, habe mich manchmal sehr beäugt gefühlt und sicher auch manches Interesse als Bewertung missinterpretiert. Ich persönlich war auch streckenweise sehr unsicher und musste meinen Weg erst finden. Seit mir das gelungen ist, bin ich wesentlich gelassener. In dieser Zeit aber hätte ich mir mehr Rückhalt gewünscht. Dennoch muss ich mich fragen, ob ich den Müttern, die alles so ganz anders machen als ich, bisher Rückhalt gegeben habe? Ich habe nämlich auch schon oft Kritik geübt, im Stillen, vielleicht unbewusst mit Blicken oder auch ganz offen.

Die Zusamamas auf Facebook kämpfen für mehr Respekt und weniger Krieg.

Es gibt Mütter, die früh abgestillt haben, wieder arbeiten gingen und auch wesentlich autoritärer mit ihren Kindern umgehen als ich, die ich in ihrem Weg bestärkt habe. In diesen Fällen war (und ist) mir bewusst, dass sie einfach ihren Weg gehen. Und seien wir mal ehrlich: Egal welchen Weg man mit Kindern wählt, es gibt immer anstrengende Tage, an denen man zweifelt und Bestärkung brauchen kann. Bei diesen Familien hatte und habe ich aber auch den Eindruck, dass es allen Beteiligten miteinander gut geht und sie liebevoll sind.
Bei anderen Familien habe ich ganz andere Situationen bezeugt. Da wurden Kinder gedemütigt und grob behandelt. Die Eltern waren dauernd genervt und unzufrieden, weil das Kind nicht funktionierte und die Kinder quengelig und traurig, weil es ihnen einfach nicht gut ging. In diesen Fällen fällt es mir sehr schwer, nicht zu kritisieren, sondern offen zu bleiben. Einige Bekanntschaften sind diesem Dilemma ehrlich gesagt ein Stück weit zum Opfer gefallen.

Gibt es eine Lösung?

Für mich liegt die Lösung in meinem eingeschlagenen Weg. Ich habe mich bewusst entschieden, meine Tochter nicht im traditionellen Sinn zu erziehen. Erziehung heißt für mich, dass Person A etwas bewusst tut, um Person B, die Defizite hat, zu berichtigen und zu manipulieren. Erziehung, das liegt in der Natur jeder Methode, macht aber immer eine Person zum Machthaber und eine zum Objekt von Erziehung. Im bedürfnisorientierten Familienleben geht es also nicht um Erziehung, sondern um Beziehung.

Unerzogen?


Es gibt sehr viele Menschen, die das als unerzogen bezeichnen. Ich mag diesen Begriff aber nicht. Versteht mich nicht falsch: Ich bin in einer tollen Facebook-Gruppe, die sich unerzogen nennt und habe auch die gleichnamige Zeitschrift abonniert (sehr empfehlenswert!). Trotzdem habe ich zwei Probleme mit diesem Begriff.
Erstens geht die Unerzogen-Bewegung in manchen Bereichen weiter als ich es derzeit gut finde. Während ich nämlich davon überzeugt bin, dass kleine Kinder in manchen Bereichen Führung brauchen und "reguliert" werden müssen, gehört zum unerzogen in den meisten Familien auch die Selbstregulation. Ich lehne das auch nicht grundsätzlich und in allen Fällen ab, aber für meinen Bauch geht es ab und an zu weit. 
Zweitens wird der Begriff von außen fast umgehend mit der antiautoritären Erziehung oder gar dem laissez-faire gleichgesetzt. Das ist zwar falsch, da ja beides eine Art der Erziehung ist, aber unheimlich schwer zu erklären. Die Missverständnisse sind meiner Erfahrung nach kleiner, wenn man von Bedürfnisorientiertheit spricht.

Beziehung geht vor Recht haben


Bedürfnisorientiert oder unerzogen zu leben ist eine Haltung und keine Methode. Deshalb hat sich in mir nicht nur etwas gegenüber meiner Tochter verändert. Ich habe eine ganz neue Haltung gegenüber Menschen entwickelt. Das fängt bei mir selbst an, geht mit meiner Familie weiter und dehnt sich in die Außenwelt aus. Ich bin grundsätzlich respektvoller und erkenne die Würde jedes einzelnen stärker an. Bei den Menschen, die mir wichtig sind, geht mir die Beziehung jetzt immer vor. Das heißt, es ist mir wichtiger, dass man sich gegenseitig versteht und achtet als Recht zu haben und den Anderen zu überzeugen - oder eben zu erziehen.
Mir gelingt das noch nicht immer so wie ich es für ideal halte, aber ich arbeite weiter daran, reflektiere mein Verhalten und übernehme Verantwortung. 

Wenn ich aber Zeuge bin, wie ein Kind klein gemacht und verletzt wird (seelisch oder körperlich), dann bin ich oft noch immer ratlos. Aber ich habe schon lange aufgehört, liebevolle Menschen zu verurteilen, weil sie nicht mit ihrem Kind in einem Bett schlafen, einen Kinderwagen haben, arbeiten oder zuhause bleiben, weil sie ihrem Kind Zucker oder nur veganes Essen geben, den Rucksack bis in den Klassenraum tragen oder auf dem Spielplatz in ihr Smartphone starren. Das alles sind nur oberflächliche Symptome und mit liebevollem Verhalten durchaus vereinbar.

Und die Anderen?

Tja, die anderen Eltern kann ich auch nicht ändern. Im Zweifel halten sie ihren Weg für genauso richtig wie ich meinen. Und das ist ihr gutes Recht. Erst, wenn das Kindeswohl tatsächlich gefährdet ist, würde ich einschreiten. Ansonsten meide ich solche Familien oder wenn sie mir sehr wichtig sind, hoffe ich, durch Vorleben, Gespräche und Empathie zu einer guten Beziehung zu finden.

Denn Jean-Jaques Rousseau sagte mal: "Viele Kinder haben schwer erziehbare Eltern!" Und wir wollen ja nicht erziehen sondern in Beziehung sein.

Für alle die bei Facebook sind und sich gegen Mommy Wars aussprechen, empfehle ich die Gruppe der Zusamamas mit dem Leitspruch: Love more - judge less! 

Eure Julia aus der guten Kinderstube









Sonntag, 28. Dezember 2014

Wochenende in Bildern 27./28. Dezember 2014

Erst einmal bin ich froh, dass ich das Wochenende nicht verpasst habe. Denn ganz ehrlich, ich komme da "zwischen den Jahren" immer total durcheinander. Von dieser zeitlosen Entspannung sind unsere Urlaubstage ebenso geprägt wie vom ersten Schnee. Denn mit diesem startete das Wochenende am Samstagvormittag gleich beim Aufwachen.






















Wie ich gestern schon schrieb, war das Tochterkind von ihrem ersten Schnee sehr begeistert, ebenso wie ich.























Da mein Mann uns bis halb elf ausschlafen ließ, klingelte es dann auch schon an der Tür. Der Patenonkel und seine Freundin kamen, um uns zum gemeinsamen Frühstück im Café abzuholen. Wir beeilten uns also und liefen in die Stadtmitte. Natürlich habe ich vergessen, das Frühstück rechtzeitig zu fotografieren. Aber hier könnt ihr sehen wie gut es uns geschmeckt hat.






















Während wir uns unterhielten spielte unsere Tochter in der Spielecke.






















Gemeinsam liefen wir wieder nach Hause - leider im grauen Schneeregen, der das ganze schöne Weiß schmelzen ließ. Das mit der Schlittenfahrt würde wohl nichts mehr werden.























Bevor wir Freunde besuchten, bereiteten mein Mann und meine Tochter schon mal die Lasagne für das Abendessen vor.






















Am Nachmittag gingen wir mit Freunden spazieren und entdeckten die Werke anderer Kinder. Wahrscheinlich hatten die nicht so lange geschlafen wie wir *hust*.






















Zum Aufwärmen gab es Tee und Kaffee bei unseren Freunden. Später holten wir Salat und Lasagne von zuhause und aßen alle gemeinsam. Für das Tochterkind ging es dann verhältnismäßig früh ins Bett, da sie keinen Mittagsschlaf gemacht hatte. Dafür ging ich mal wieder viel zu spät schlafen.

Am Sonntagmorgen strahlte die Sonne über frisch gefallenem Schnee. Ein Traum!






















Diesmal hatte mein Mann mich geweckt, so dass ich duschen konnte, während er mit dem Tochterkind Brötchen holte. Welch eine Aussicht beim Duschen!






















Nach dem Duschen musste ich erst einmal raus, den Schnee beschnuppern und mich freuen.






















Weiter ging es zum Frühstück bei Freunden. Sehr sehr lecker!






















Die Kinder spielten zusammen mit Knete und Werkzeug.






















Auch heute gab es keinen Mittagsschlaf. So beschlossen wir auf dem Heimweg, am Nachmittag den neuen Schlitten auszuprobieren.






















Erst musste aber noch der Weg vor dem Haus gefegt werden. Tochterkind machte derweil einen Schneespaziergang. Leider rutschte sie irgendwann ziemlich blöd aus und hatte ab da keine rechte Lust mehr.






















Und nachdem mein Mann den Weg vor dem Haus frei gefegt hatte, war es unserem Mädchen schon zu kalt. So gingen wir wieder ins Haus, wo sie mit ihrer Puppe spielte. Die kleine AP-Puppenmama (leider etwas unscharf).






















Freunde kamen noch zum Kaffee vorbei und dann gab es Maiskolben, Tomatensalat und Forellenfilets zum Abendessen. Während ich diesen Post vorbereite, baden meine zwei Liebsten und dann geht es für das müde Kind ins Bett.

Weitere Wochenenden findet ihr bei Susanne von geborgen-wachsen.de.

Eure Julia aus der guten Kinderstube























Der erste Schnee

Es gibt so wunderweiße Nächte 
Es gibt so wunderweiße Nächte,
drin alle Dinge Silber sind.
Da schimmert mancher Stern so lind,
als ob er fromme Hirten brächte
zu einem neuen Jesuskind.

Weit wie mit dichtem Diamantstaube
bestreut, erscheinen Flur und Flut,
und in die Herzen, traumgemut,
steigt ein kapellenloser Glaube,
der leise seine Wunder tut.

Rainer Maria Rilke
(1875-1926)
Ich liebe den Schnee. Vor einigen Jahren war ich am Tag des ersten Schnees in Mainz verabredet. Es war ein Abend zwischen Weihnachten und Silvester, in dieser zeitlosen Zeit zwischen den Jahren. Ich fuhr damals mit dem Bus in die Stadt, stieg an der ersten Haltestelle am Schloss aus und lief weiter, da der Bus, in dem ich saß, kein Durchkommen sah und  seine Fahrt beenden musste. Wenige Autos fuhren sehr langsam weiter.

Ich hingegen war voller Energie, genoss es, den flauschigen Flocken zuzusehen, die im Schein der Laternen auf den Weg vor mir rieselten und fühlte mich kurz wieder wie ein Kind. Dieser Spaziergang durch die Nacht, mit seinem Duft nach Schnee, dem Knarzen unter meinen Schuhen und der Klarheit der Kälte ist mir ebenso präsent wie das Gefühl, morgens aus meinem Kinderzimmerfenster auf das erste Weiß zu schauen und mit dem Schlitten den kleinen Hügel in der Nähe meines Elternhauses hinunter zu rauschen.

Heute morgen war es wieder soweit. Mein Tochterkind und ich schliefen bis halb elf und kuschelten und stillten noch ein paar Minuten im Bett. Die Fensterläden waren geschlossen, aber ich war mir ziemlich sicher, dass es geschneit hatte - endlich auch bei uns.

Als mein Mann kam, uns einen guten Morgen wünschte und sagte: "Ich habe schon mal rausgeschaut.", stand ich schon mit meiner Tochter auf dem Arm im Flur. Der erste Schnee des Jahres und der erste bewusst wahrgenommene Schnee für meine Tochter überhaupt. Denn ich nehme mal an, dass sie sich an den vom vorletzten Jahr nicht mehr erinnern kann. Im letzten Jahr hatten wir hier keinen.

Sie stand also am Fenster und staunte mit großen Augen. "Mama, die Baumäste sind auch verschneet! Und die Autos, auch verschneet." Sofort wollte sie mit ihrem neuen Schlitten raus und war etwas enttäuscht, als wir ihr erklärten, dass es dazu noch etwas mehr schneien muss. Doch die Aufregung war spürbar, genau so wie ich sie aus Kindertagen erinnere.

Ich hoffe also, dass es die nächsten Tage noch viel mehr Schnee geben wird - auch wenn viele Autofahrer fluchen und es zwischendurch matschig wird und nasskalt. Das ist mir alles egal. Ich freue mich darauf, mit meiner Tochter Schlitten zu fahren, ihr das Knarzen zu zeigen, den Schnee zu schmecken und hoffe, das auch sie diese Magie spüren kann.

Eure Julia aus der guten Kinderstube






Mittwoch, 24. Dezember 2014

Achtsamkeit statt Stress

Vielleicht kennt ihr das: Jedes Jahr nehme ich mir vor, mir frühzeitig Geschenke für Weihnachten zu überlegen, zu basteln und zu kaufen. Ich will das Haus vor dem ersten Advent geputzt und geschmückt haben, Weihnachtspost an alle verschicken und kleine Aufmerksamkeiten an Nachbarn und Bekannte verteilen. Im Sommer träumte ich sogar davon, Adventssingen in unserem Hof zu organisieren, da mir da in den letzen Jahren in Wiesbaden so gut gefallen hat.

Tja, und dann ist da die Realität. Und die sieht nunmal so aus, dass ich so perfekt nicht bin. Ich frage mich tatsächlich, wie andere Familien das schaffen, bei denen sogar beide arbeiten und die noch zwei Kinder mehr haben? Haben die wirklich soviel mehr Energie? Die schummeln doch! Oder - sie haben eine Menge mehr Stress als ich?

In diesem Jahr habe ich bereits Anfang Dezember beschlossen, die Weihnachtszeit zu genießen und den Stress einfach nicht einzuladen in unser Heim. Achtsamkeit ist ein Schlagwort, das man derzeit sehr oft hört und liest. Ich habe mich ehrlich gesagt noch nicht tiefer gehend damit beschäftigt. Das hielt mich aber nicht davon ab, auf meine Art mit meiner Vorstellung von Achtsamkeit zu beginnen.
Ich nahm mir vor, mehr auf die Stimmung als auf die To-Do-Liste zu achten. Aber wie konnte ich das schaffen? Ich überlegte mir Folgendes:

Was ist mir wirklich wichtig?


Es gibt einige Dinge, ohne die ich mir die Weihnachtszeit nicht vorstellen kann. Dazu gehört ein Adventskranz, etwas Schmuck, Plätzchen und allem voran der Weihnachtsbaum. Ich machte mir also eine kleinere Liste der absoluten Weihnachts-must-haves. Der Rest war optional.

Was heißt perfekt?


Natürlich würde es mir noch immer gefallen, ALLE oben aufgezählten Punkte (und mehr) zu schaffen. Aber zu welchem Preis? Ich habe in mich reingehört und festgestellt, dass viel davon damit zu tun hat, von anderen Menschen Anerkennung zu bekommen, zu zeigen, wie gut man das alles schafft. Also habe ich kurzerhand perfekt für mich umdefiniert in "voller Weihnachtszauber".

Den Moment leben!


Wenn ich so viele Anforderungen an mich selbst stelle und dadurch in Stress gerate, dann verpasse ich all die schönen, wertvollen Momente, die diese magische Zeit des Jahres für mich bereit hält. Das Leuchten der Kerzen, der Duft der frischen gebrannten Mandeln, den Stolz in den Augen meiner Tochter, wenn sie die Bratäpfel allein gefüllt hat.

Traditionen schaffen Zeit und Ruhe!


In diesem Jahr feiern wir zum ersten Mal Weihnachten bei uns. Mein Mann und ich haben uns deshalb überlegt, welche Traditionen wir für unsere Familie schaffen wollen und festgestellt, das Vieles so bleiben soll, wie es bisher war. Jeder bringt etwas zu essen mit, wir trinken Tee, gehen in die Kirche, essen, bescheren und schwatzen bis wir müde werden. Zusätzlich werden wir selbst Weihnachtsmusik machen und auch etwas vorlesen oder vortragen.
Das alles ist nicht mit viel Aufwand, dafür aber mit viel Gemeinsamkeit verbunden.

Geschenke sind nicht so wichtig.


Schon oft habe ich mich davon anstecken lassen, nach den perfekten und bloß nicht zu günstigen Geschenken zu jagen. Das wollte ich in diesem Jahr vermeiden. Deshalb gibt es für alle nur selbstgemachte Kleinigkeiten, die allerdings von Herzen kommen.

Zeit für mich!


Als ich hörte, dass mein Mann ab Mitte Dezember Urlaub nehmen kann, war ich schon in Versuchung, doch Gas zu geben. Denn zu zweit müsste das alles doch zu wuppen sein. Aber dann wurde mir klar, dass ich dringend Zeit für mich braucht, um zu entspannen, abzuhängen, Serien zu gucken und zu bloggen.
Deshalb nahm und nehme ich mir diese Zeit. Ich liege morgens einfach mal länger im Bett. Ich trinke noch einen zweiten Kaffee und ich bleibe viel zu lange wach und genieße die Ruhe der Nacht. Herrlich!

Mein Fazit


Ich muss sagen, insgesamt hat es gut geklappt. Ich hatte keinen Stress und freue mich sehr auf die kommenden Tage. Natürlich habe ich Punkte vernachlässigt, die mir vorher wichtig erschienen. Das Adventssingen wurde als erstes gestrichen und auch gekaufte Geschenke gibt es von mir in diesem Jahr nicht. Der Adventskalender war etwas zu spät fertig und wir haben - so leid es mir tut - keine Weihnachtspost verschickt. Stattdessen genossen wir als Familie die gemeinsame Zeit. Und was soll ich sagen: So entspannt und weihnachtlich habe ich mich schon lange nicht mehr gefühlt.















Wir haben in Ruhe das Haus geschmückt und den Adventskranz hergerichtet. Wenn Zeit und Ruhe da war, haben wir die Kerzen angezündet und gemeinsam Weihnachtslieder gesungen. Wir haben Pfefferkuchen und Stempelkekse gebacken und für den Nikolaus Schuhe geputzt. Wir haben viele Weihnachtsbücher gelesen und bunte Sterne gebastelt. Und mit jedem Tag kam ich mehr im Weihnachtszauber an.

Euch allen wünsche ich ein besinnliches, magisches und unvergessliches Weihnachtsfest im Kreise der Menschen, die euch wichtig sind.

Eure weihnachtsflauschige Julia aus der guten Kinderstube




Montag, 22. Dezember 2014

Die Sache mit der Autonomie - Brief an meine Tochter

Mein geliebtes Tochterkind,


vor unserem Urlaub war ich oft sehr ungeduldig mit Dir. Du bekamst Deinen letzten Backenzahn, hattest dabei wie immer eine kleine Schnoddernase, warst kränklich und einfach nicht gut drauf. Dadurch fühlte ich mich zunehmend fremdbestimmt.

Wenn Du Dich nicht anziehst und stattdessen auf dem Boden vor der Tür liegst, dann komme ich nicht los zum Einkaufen oder zum Treffen mit Freunden. Wenn Du "noch wach" bist, habe ich abends keine Zeit für mich. Wenn Du erst nicht ins Auto einsteigen, dann nicht aus dem Auto aussteigen willst und laut schreist sobald das Hörspiel angeht, weil Du ein anderes hören willst, dann habe ich überhaupt keine Ruhe.
Wir haben ziemlich viel gestritten, waren genervt, mehr als einmal wurde ich laut. Und fühlte mich schlecht. Dann saß ich an einem Abend auf dem Boden neben Dir und folgendes Gespräch fand statt:

Ich: "Das ist mir einfach im Moment alles zuviel. Ich will gar nicht rumschreien, aber ich kann nicht mehr ruhig sein."
Du: "Bist Du ungeduldig Mama?"
Ich: "Ja, Tochterkind, ich bin ungeduldig. Es tut mir leid, dass ich geschrien habe. Was machen wir denn jetzt?"
Du: "Kuscheln!"
Also setzten wir uns auf die Couch und kuschelten, Du hast an meiner Brust getrunken und wir haben dabei Quatsch gemacht, so dass Du beim Trinken kichern musstest. Dann hast Du Dich auf meinen Schoss gesetzt, mein Gesicht in Deine Hände genommen und liebevoll gesagt: "Meine Mama!"

In dieser Situation hast DU mir geholfen mit meinem Frust umzugehen. Verkehrte Welt! Du hast mir zugehört und mich getröstet, so wie ich Dich immer tröste, wenn Du traurig und gefrustet bist.

Ich wünsche mir für Dich (und alle Kinder), dass die Erwachsenen sehen, wie kompetent Du bist. Sie sollten anerkennen wie stark Du fremdbestimmt wirst in Deinem Alltag und wie gut Du meist damit zurechtkommst.
Sie nennen es Trotzphase, wenn Du mal laut schreist oder in die andere Richtung läufst als ich es will. Sie finden Dich vielleicht ungezogen, wenn Du Sachen im Supermarkt in Deinen Wagen packst und sie nicht zurückstellen willst. Sie denken, weil Du "nur ein Kind" bist, müsstest Du "funktionieren" und man müsse Dir Grenzen setzen und zeigen, wer die Regeln macht. Sie fassen Dich ungefragt an und zeigen damit, dass sie Dich nicht respektieren. Dabei meinen sie das nicht mal böse. Sie haben diese Haltung gegenüber Kinder so gelernt und nie hinterfragt. Ich selbst habe auch mal so gedacht.

Ich bin froh, dass ich gelernt habe, Dich als gleichwürdige Person zu sehen. Mit Dir gemeinsam zu wachsen und zu lernen - zum Beispiel mit Fremdbestimmung und Frust umzugehen - ist unbezahlbar. Ich danke Dir dafür.

Deine Mama aus der guten Kinderstube





Sonntag, 21. Dezember 2014

Wochenende in Bildern 20./21. Dezember 2014

Ein wunderschönes Wochenende liegt hinter uns und ich habe leider nicht so viele Bilder gemacht wie ich es eigentlich wollte. Trotzdem zeige ich euch ein paar und freue mich selbst auch auf die Einblicke beim Wochenende in Bildern bei Susanne.

Wir haben derzeit Besuch von der Schwester meines Mannes und ihrer Freundin. Beide leben in Dänemark und wir sind sehr froh, dass wir gemeinsame Zeit verbringen können. Am Samstagmorgen starteten wir zu einem großen Frühstück bei meiner Schwiegermutter. Danach fuhren mein Mann, meine Tochter und ich los, um den Weihnachtsbaum im Forstamt zu holen. Das Wohnzimmer wurde umgeräumt und der Baum aufgestellt.






















Als Snack zwischendurch gab es eine Kokosnuss. Das Tochterkind findet es so spannend, sie durchzusägen und isst das Kokosfleisch auch sehr gerne. Das Wasser findet hier allerdings keinen Abnehmer. Gestärkt gingen wir noch ein letztes Mal auf unseren Weihnachtsmarkt. Zum Abendessen suchte sich jeder etwas aus: Veganer Burger für mich, Spezialitäten aus Kamerun für meinen Mann und Pommer für unsere Tochter.






















Am vierten Dezember waren wir spazieren und schnitten gemeinsam mit Freunden Barbarazweige von unterschiedlichsten Bäumen. Wie man sieht, wird uns das Glück im nächsten Jahr weiter hold sein. Ein Dank ans gut geheizte Zuhause.




















Auch vom Sonntag gibt es nicht allzu viele Bilder. Nicht zuletzt deshalb, weil das Tochterkind die meiste Zeit nackig verbringen wollte. Den Vormittag haben wir verbummelt und verfrühstückt. Danach ging es ans Schmücken unseres Baumes.























Unser erstes Weihnachten im neuen Heim, der erste Heilige Abend, an dem die Familie zu uns kommt. Das weckte auch Erinnerungen an das letzte Jahr als wir zum ersten Mal mit unserer Tochter den Baum schmückten, damals noch in Wiesbaden.













Damit ich fröhlich bloggen, den Podcast von Mutterskuchen hören und das Wohnzimmer saugen kann, gingen mein Mann und die Tanten mit meiner Tochter noch mal auf den Spielplatz. Frische Luft tanken bevor es zur Schwiegermutter geht. Dort gibt es heute Abendessen.























Ich hoffe, euer Adventswochenende war auch entspannt und ihr freut euch genauso doll wie ich auf das Weihnachtsfest. Ich wünsche euch dazu viel Weihnachtsplüsch, glänzende Kinderaugen, leckeres Essen und Gemütlichkeit.

Eure Julia aus der guten Kinderstube




Donnerstag, 18. Dezember 2014

Bedürfnisorientiertes Familienleben: siebter Teil

Ressourcenknappheit 


In letzter Zeit stoße ich mit meiner Geduld leider sehr oft an meine Grenzen. Ich weiß noch nicht genau, woran das liegt. Aber ich habe in meiner Zeit als Mutter gelernt, dass ich die Ursache bei mir suchen muss. Denn wenn ich es nicht schaffe meinem geliebten Kind gegenüber emphatisch zu sein, dann liegt das wahrscheinlich daran, dass eines meiner wichtigen Bedürfnisse zu kurz kommt oder dass ich ihre Bedürfnisse nicht richtig erkenne und sie folglich ungewollt zu kurz kommt.

Dies wurde mir wieder klar als ich am Montag mit einem guten Freund über die Schwierigkeiten des bedürfnisorientierten Familienlebens sprach. Dabei klingt es in der Theorie gar nicht so schwer: Man nehme die Bedürfnisse aller Familienmitglieder wahr, überlege, wie sie erfüllt werden können und wäge ab, welche im Konfliktfall zurückstehen müssen.
In der Praxis muss ich aber gleich mehrere Hürden nehmen.

Bedürfnis oder Lust?


Zeit für mich! Manchmal ein dringendes Bedürfnis.
Nicht jeder geäußerte Wunsch entspringt einem echten Bedürfnis. Manche Dinge brauchen wir. Dazu gehören: Schlaf, Essen, Bewegung, Lernen, Geborgenheit, Sicherheit, Zärtlichkeit, Selbstverwirklichung. Dann gibt es Dinge auf die wir Lust haben, wie: Schokolade, Spielen, Nähen, Matschen oder alles auf den Boden pfeffern.

Allerdings kann etwa auch Matschen ein Bedürfnis sein, denn wir brauchen es vielleicht als Erfahrung, um zu lernen oder uns als Person weiterzuentwickeln. Auf der anderen Seite kann ich Lust haben, zu kuscheln, aber es ist in diesem Moment kein dringendes Bedürfnis.

Es ist also unter Umständen gar nicht so leicht, zu erkennen, was gerade gebraucht und was gewollt wird. Trotzdem klappt das in den meisten Fällen ziemlich gut. Ich habe mittlerweile Übung darin und kann mich zunehmend auf mein Bauchgefühl verlassen.

Die eigenen Ressourcen


Mein Bauchgefühl leidet allerdings, wenn meine Ressourcen knapp werden. Denn ganz ehrlich: Meine Empathiefähigkeit nimmt einfach ab, wenn ich zu wenig schlafe, kränklich bin und viel Stress habe. Wenn ich mit meinen Bedürfnissen zu oft auf der Strecke bleibe, dann kann ich auch für mein Kind nicht mehr so da sein wie ich es mir wünsche. Frust kann ich dann auch schlechter ertragen - egal, ob meinen oder ihren.

Wer leidet mehr?


Nehmen wir an, ich habe erkannt, welche Bedürfnisse gerade erfüllt werden wollen. Dann muss ich entscheiden, wer mehr leidet, wenn sein Bedürfnis nicht oder erst später erfüllt wird. Bei einem Baby ist das noch leicht, da es noch keine Bedürfnisse aufschieben kann. Es wird also immer stärker leiden als der Erwachsene. Mit diesem Wissen konnte ich ganz leicht ein hohes Maß an Empathie aufbringen und mich ohne allzu großen Frust zurücknehmen. Jetzt ist meine Tochter aber schon zwei und ich bin nicht bereit, meine Bedürfnisse immer hintanzustellen. Und das ist auch gut so, da sie dadurch langsam und dosiert lernt, mit Frust umzugehen. Wir unterstützen sie natürlich dabei, indem wir sie trösten und sie ernst nehmen.

Mehr Bedürfnisse als Ressourcen?


Nun ist es gemeiner Weise so, dass gerade in den Zeiten, wenn die Bedürfnisse meiner Tochter sehr stark sind, meine Ressourcen abnehmen. Wenn sie gerade einen Entwicklungsschub hat, dann schlafen wir unter Umständen schlecht oder wenn sie krank ist, bin ich eventuell auch angeschlagen. Mein Mann, der ein ganz toller Papa ist, fängt da trotz Vollzeitarbeit sehr viel auf. Manchmal so viel, dass ich wieder Angst bekomme, dass er sich dabei vergisst. Und doch es gibt Phasen, da scheint es viel mehr Bedürfnisse als Ressourcen zu geben. Das führt zu Frust auf allen Seiten. Dabei hätte mein harmoniesüchtiges Ich doch genau dann so gerne ganz viel Flausch!

Wie komme ich zurück zum Flausch?


Mir hilft es, die Situation anzunehmen wie sie ist, statt mir noch mehr Stress zu machen, weil ich vielleicht falsch reagiert habe. Ich denke, dass meine Tochter keine schönere Kindheit hat, wenn ich sie mit Schuldgefühlen fülle. Ich finde, ich mache ganz viel richtig, lerne dazu und übernehme Verantwortung. Manchmal sieht das so aus, dass ich alle To-Dos streiche und zu einer Freundin zum Kaffee gehe. Denn Fakt ist: Manchmal geht es nicht ohne Hilfe von außen, ohne unsere Freunde, die uns mit Rat und Tat unterstützen, die Anlaufstelle für uns sind, wenn wir raus müssen und die Ohr und Herz leihen. Und natürlich ohne unsere Familie, die uns ebenfalls nach ihren Möglichkeiten unterstützt.


Ist das alles nicht zu anstrengend?


Es ist anstrengend, ja, aber zeigt mir eine Familie, unerzogen oder autoritär, bedürfnisorientiert oder hierarchisch, in der es nicht anstrengend ist. Die gibt es nicht! Das Leben, unsere Beziehung, die Entwicklung unseres Selbst ist anstrengend. Nur weil wir versuchen, unseren Weg friedvoll und mit Respekt füreinander zu beschreiten, haben wir es nicht schwerer als andere. Ich persönlich denke sogar, dass wir es am Ende leichter haben und es vor allem mehr genießen.

Jetzt genießen wir zusammen drei Wochen Urlaub, mit Weihnachtsflausch, Familienbesuch und viel Zeit zum Auftanken.

Eure Julia aus der guten Kinderstube



Donnerstag, 11. Dezember 2014

Bedürfnisorientiertes Familienleben: sechster Teil

AP in der Gesellschaft


Ich bin kein Mensch, der gerne anders ist und auffällt. Ich bin kein Paradiesvogel und auch kein Revoluzzer. Ein Duckmäuser bin ich allerdings auch nicht und ich würde behaupten, dass ich durchaus selbstbewusst auftrete. Ich habe meine eigene Meinung und kann diese auch vertreten, wenn ich es wichtig finde.

Seit ich Mutter bin, befinde ich mich allerdings gefühlt in der Lage, ungewollt durch meine Entscheidungen aufzufallen. Denn obwohl Attachment Parenting  und bedürfnisorientiertes Familienleben immer stärker in der Gesellschaft ankommen, ist man oft noch sehr allein damit. Und da Vieles für mich selbst noch so neu war, war ich auch verunsichert. Gerade dann falle ich nur ungern auf und gerade dann trifft Kritik von außen mich besonders. Und Kritik war da viel, leider viel mehr als Unterstützung.

Bewusst hätte ich mich also sicher nicht für diesen Weg entschieden, aber es ist glücklicher Weise so, dass man bestimmte Gedanken nicht mehr ablegen kann, wenn sie einmal gedacht wurden. So habe ich in den letzten zwei Jahren nicht nur viel über die Entwicklung von Babys und Kleinkindern gelernt und mein Menschenbild überdacht, ich habe auch unheimlich viel über mich selbst gelernt. Ich habe unterwegs Freunde verloren, aber auch tolle neue Freunde gefunden, die so unsagbar wertvoll sind. Ich würde nicht sagen, dass mir die Meinung "der Anderen" egal ist, aber ich lasse mich wenigstens nicht mehr allzu leicht verunsichern. Wir gehen unseren Weg, entwickeln uns weiter und lernen täglich dazu.

Die Erkenntnis: Andere sind auch unsicher!


Vor einigen Tagen sprach ich mit einer flüchtigen Bekannten, die ich als sehr selbstbewusst beschreiben würde. Sie erzählte mir von ihrem Entschluss, ihren Sohn nicht wie geplant in eine Krippe zu geben, sondern auf ihren Bauch zu hören und mit ihm zuhause zu bleiben. "Ich höre jetzt auf mein Gefühl und es ist egal, was die Anderen dann von mir denken!", verteidigte sie sich verzweifelt. Sie tat mir richtig leid, da der Druck, den diese Entscheidung verursachte deutlich zu spüren war. In ihrem Umfeld war sie damit allein. Sie war, glaube ich, froh, dass ich auch noch nicht wieder arbeite und sie verstand.

Noch immer werden Tragen, Stillen, Co-Sleeping und vor allem ein respektvoller, gleichwürdiger Umgang mit kleinen Kindern sehr kritisch beäugt. Immer wieder hört man, dass die Babys einen nicht manipulieren dürfen oder das ein Kleinkind lernen muss, sich unterzuordnen, wenn es trotzt. Es wird als unemanzipiert angesehen, wenn man seinen Beruf unterbricht, um sich seinen Kindern zu widmen und als verzogen, wenn ein Kind Aufforderungen nicht sofort Folge leistet. All die auf Macht basierenden, hierarchischen Strukturen müssen eben nach und nach abgebaut werden.

Die Entwicklung


Es gibt immer mehr Familien, die sich diesem Druck entgegenstellen. Attachment Parenting ist, so hoffe ich, kein Randthema mehr. Susanne von geborgen-wachsen.de bezeichnet es als Bewegung und ich hoffe so sehr, dass sie Recht hat. Es gibt einen eigenen AP-Kongress, viele bekannte Personen treten für diese Art des Umgangs miteinander ein. Gruppen organisieren sich, Artikel und Bücher erscheinen und nicht nur mich hat das Thema zum Bloggen inspiriert.

Vor ziemlich genau zwei Jahren wagte das Projekt einfach-eltern.de für bindungorientierte Erziehung gemeinsam mit der Zeitschrift Eltern ein Experiment: 10 Paare lebten für 20 Tage nach den Regeln des Attachment Parenting. Für die Teilnehmer war das komplettes Neuland und ich hatte den Eindruck, dass sie froh waren, dies im Rahmen einer solchen Challenge ausprobieren zu können. Hier findet ihr auch einen kleinen Film und den Artikel aus der Eltern (erschienen April 2013):




Artikel: http://www.einfach-eltern.de/media/EL_04_23_Titelthema_LT.pdf

Noch immer fände man viele junge Eltern, für die AP völlig neu ist und denen ich wünschte, sie würden diese Challenge mitmachen.
Ich hoffe, dass immer mehr junge Eltern spüren, wie gut Attachment Parenting allen in der Familie tut und dass damit der Druck langsam verschwindet. Ich wünsche mir, dass es in unserer Gesellschaft normal wird, sich mit Respekt, Gleichwürdigkeit und ohne Gewalt zu begegnen. Ich freue mich über jede Mutter, jeden Vater, der sein Kind genießt, sich selbst als Mensch weiterentwickelt und allen zeigt, wie schön Familie ist.
Vielleicht gibt es dann auch wieder mehr Kinder?

Eure Julia aus der guten Kinderstube




Sonntag, 7. Dezember 2014

Wochenende in Bildern 6./7. Dezember 2014

Juhuu! Ich bin wieder zurück. Nach über zwei Wochen ohne Computer bin ich richtig auf Entzug. Fast täglich hatte ich neue Themenansätze im Kopf und es juckte mir in den Fingern. Zum Glück gibt es Block und Stift, so dass davon nicht allzu viel verloren gehen wird.

Zum Reinkommen starte ich mit unserem Wochenende in Bildern #wib, dass wie immer bei der lieben Susanne von geborgen-wachsen.de verlinkt ist.

Ausnahmsweise ist das erste Bild schon vom Freitagabend, denn es war einfach zu schön, wie meine Tochter ihre Schuhe für den Nikolaus geputzt hat. Sie war furchtbar aufgeregt und wünscht sich schon seit Wochen - Danke auch an die Supermärkte - einen Schokoladennikolaus.






















Zu meiner Überraschung bekam ich ganz ohne Schuhputzen auch etwas.






















Nach dem Frühstück hatte ich einfach Zeit für mich, während Mann und Kind Zeit miteinander verbringen konnten. Also machte ich einen Spaziergang über den Markt und ging einkaufen.






















Danach las ich in Ruhe ein Buch und genoss einen Kaffee. Nach dem Mittagsschlaf der Tochter aßen wir dort auch gemeinsam spät zu Mittag.






















Vor dem Café ging schon langsam die Sonne unter als wir aufbrachen. Nach dem langen Grau-in-grau ein so schöner Anblick - trotz Baukran.






















Auf dem Weihnachtsmarkt an der Burgkirche trafen wir Freunde. Die Kinder freuten sich besonders über das Karussell.






















Der Sonntag begann wie meist mit einem Familienfrühstück.






















Da es tatsächlich nicht nur hell wurde, sondern sogar die Sonne schien, gingen meine beiden Lieben auf den Spielplatz.






















Ich musste noch duschen und nutze dann die Zeit zum Nähen und Serien schauen.






















Nachmittags hatten wir Besuch von meinem Bruder, seiner Frau und meiner kleinen Nichte. Bei Tee und Möhrenwaffeln wurde gequatscht, gespielt und gelacht.






















Danach ging es abermals zum Weihnachtsmarkt. Auch mal schön, das Kochen komplett anderen Menschen zu überlassen. Der vegane Burger vom Möhrenmillieu war sehr lecker!






















Vor dem Abendessen zündeten wir die zweite Kerze auf unserem Adventskranz an und sangen unsere liebsten Weihnachtslieder.






















Der Abend läuft derzeit immer sehr ähnlich ab. Wir essen gemeinsam, dann wird noch gespielt, gelesen, meist gebadet und Zähne geputzt. Oft übernimmt das mein Mann, während ich die Küche aufräume oder einfach etwas Zeit für mich habe - zum Bloggen zum Beispiel. Danach lesen wir gemeinsam ein letztes Buch und ich lege mich mit unserer Tochter ins Familienbett bis sie eingeschlafen ist. Heute versuchen es die Zwei mal ohne mich. Das hat schon länger nicht mehr geklappt, es sei denn, ich bin in der Schule. Aber wir versuchen es immer mal wieder.

Ein schönes Wochenende, mit tollem Wetter, viel Zeit für mich und vorweihnachtlichen Genüssen. Jetzt mache ich mir noch einen Karamell-Apfelpunsch.

Eure Julia aus der guten Kinderstube