Sonntag, 20. Dezember 2015

Bloggers Weihnacht 2015 - Mulligatawny Soup

Die liebe Tanja von Tafjora.de hat mich in diesem Jahr eingeladen Teil ihrer Adventsaktion Bloggers Weihnacht 2015 zu sein. Darüber habe ich mich so sehr gefreut, dass ich mit meinem Mann direkt besprach, ob ich es schaffen kann und dann freudig zusagte.
Tanja ist eine meiner liebsten Bloggerinnen, weil sie mit viel Herz und Natürlichkeit schreibt und immer ein liebes Wort hat.

Mein Interview könnt ihr also heute als 20. Türchen hier lesen. Dort erfahrt ihr zum Beispiel, dass Weihnachten ohne Weihnachtsbaum für mich so gar nicht geht. Das ist auch in diesem Jahr so. Also gingen wir gestern mit Säge und Beil bewaffnet zur Emmerichshütte - einer Forsthütte in unserer Nähe - um einen Baum zu schlagen.
Dort angekommen mussten wir feststellen, dass es zum Selberschlagen nur Fichten gab und die finde ich einfach nicht so schön. Daher kauften wir eine Nordmanntanne und schlugen dann aber eine ganz kleine Fichte für das Kinderzimmer.

Selbst ist das Mädchen! Ihr erster Weihnachtsbaum für das Kinderzimmer.

































Zuhause angekommen, wurde der große Baum direkt ausgeladen und aufgestellt und es stellte sich heraus - der große Baum ist ein zu großer Baum. Ich lag vor Lachen auf dem Boden.

































Tochterkinds Kommentar: "Da passt aber gar kein Stern mehr drüber!" Ja. Da hat sie recht. Also die Säge geholt und die unterste Ebene des Baums abgeschnitten. Und siehe da...

































Da steht er nun also in seiner Pracht. Schön ist er, finde ich. Und heute Nachmittag werden wir ihn gemeinsam schmücken.

Vorher lasse ich euch aber noch das versprochene Rezept für unser traditionelles Heilig Abend Essen da.

Mulligatawny Soup


Man nehme:

1 El Olivenöl
3 gehackte Zwiebeln
3 Knoblauchzehen
1 gehäufter El Curry (Hot Madras)
1,5 L Hühnerbrühe
1 Becher Rahm
1 Stück Chili (optional)
1 Hühnerbrust
1 Zimtstange, ein paar Nelken und Kardamonkapseln


Zwiebeln im Öl dämpfen, Curry und Gewürze hinzugeben und kurz dünsten, mit Hühnerbrühe aufgießen, passieren, Rahm hinzugeben und nach Belieben mit Cili abschmecken. Hühnerbrust kleinschneiden, anbraten und als Einlage hinzugeben. Fertig!
Ganz simpel und sehr lecker.

Eure Julia aus der guten Kinderstube



Dienstag, 8. Dezember 2015

Janas Weihnachtswunder - Kapitel 8 #bloggeradvent










Jana sitzt am Wohnzimmertisch und schneidet weiße Sterne aus zartem Papier aus. Sie will auch die letzten Fenster im Haus noch schmücken. Denn Weihnachten ist ihr allerliebstes Fest und die Vorweihnachtszeit nutzt sie jedes Jahr ausgiebig zum Backen, Basteln und Weihnachtslieder singen. Schon so lange sie denken kann, verbindet sie mit Weihnachten eine Herzenswärme und ein freudiges, inneres Leuchten, welches sie unter dem Jahr nur selten verspürt.
Manchmal, wenn sie die Kerzen anzündet, die Lichterketten leuchten und es im ganzen Haus nach frischen Plätzchen und Tannenzweigen riecht, mummelt sie sich in ihre Lieblingsdecke ein und hört ihren Eltern zu, die vielleicht gerade Abendessen vorbereiten oder am Tisch sitzen und sich unterhalten. Heimeliger, geborgener und geliebter wie in diesen Momenten fühlt sie sich nie.

Gerade faltet sie den letzten Stern auf und bewundert zufrieden ihr Werk. Auch von draußen soll man sehen, dass es Weihnachten ist, findet sie und denkt kurz an die Menschen, die kein so warmes und geborgenes Zuhause haben wie sie. In der Schule haben sie darüber gesprochen, dass Weihnachten, das Fest der Liebe, nicht für alle Menschen so schön ist. Denn es gibt Menschen, die sehr arm sind, kein Haus, kein Geld und überhaupt nicht mehr haben als sie mit sich tragen können.
Die ganze Schulklasse hatte überlegt, wie sie diesen Menschen helfen könnten und beschlossen, einen Basar zu veranstalten, dessen Erlös gespendet wurde. Der Basar war ein voller Erfolg und Jana hoffte nun inständig, dass zumindest in ihrem Dorf niemand mehr frieren oder hungern musste.

Sie sieht zum Fenster und stockt. Hatte sich da nicht etwas bewegt? Doch, ganz sicher. Sie hatte gerade noch ein buschiges Schwänzchen hinter dem Blumenkasten verschwinden sehen. Das musste sie genauer wissen. Vorsichtig, leise schleicht sie sich an das Fenster heran. Sie traut ihren Augen nicht. Auf ihrer Fensterbank sitzt ein kleines Häschen, zitternd und sichtlich verängstigt. Sie nimmt eine Nuss vom Adventsteller, öffnet das Fenster und legt die Nuss neben den Blumenkasten. Ruhig spricht sie: „Schau mal Häschen! Ich habe Dir eine Nuss hingelegt. Du kannst sie Dir ruhig nehmen. Hast Du Hunger?“

Hannes versteht nicht, was dieses kleine Mädchen zu ihm spricht. Aber es klingt warm und freundlich. Die Luft die zu ihm herüber strömt ist warm und riecht unvergleichlich lecker. Und die Nuss will er doch zu gerne haben. Wie soll er morgen mit all den anderen Tieren feiern, wenn er und Hakon mit leeren Pfoten zu Höhle kommen. Sie haben schon überall gesucht und bisher nur zwei kleine Bucheckern gefunden. Dabei knurrt sein Magen doch schon so laut, dass er Angst gehabt hatte, allein deswegen von den Menschen entdeckt zu werden.

Er hadert, ob er hervorkriechen und dem Mädchen vertrauen soll. Aber hatte Frau Maus ihm nicht mal erzählt, dass ein kleiner Junge sie aus seinem Ranzen gerettet hatte als sie sich dort vor einem Kater verstecken musste. Und dieser Junge hatte ihr doch sogar ein kleines Stück seines Apfels abgegeben bevor er sie behutsam auf den Feldweg am Waldrand setzte.
Hakon ruft von unten: „Was ist los? Kommst Du rein? Siehst Du irgendetwas zu essen?“
Hannes traut sich nicht, zu antworten. Doch dann fasst er sich ein Herz und lugt hinter dem Blumenkasten hervor. Das Mädchen lächelt ihn an. „Ja, nimm Dir ruhig die Nuss! Ich hole gerne noch mehr Futter für Dich.“ Sie dreht sich um und Hannes denkt schon, sie würde das Fenster wieder schließen, aber da erscheint sie erneut mit einer ganzen Hand voll Nüssen und Kernen. „Hakon, das Mädchen hier schenkt uns Essen! Hab keine Angst. Komm herauf und hilf mir. Es ist so viel, dass ich es alleine gar nicht tragen kann.“

Jana staunt immer noch über dieses zutrauliche kleine Häschen als ein zweites auf die Fensterbank springt. Beide scheinen großen Hunger zu haben, denn als erstes essen isst jedes eine Nuss bevor sie versuchen, all die anderen Nüsse irgendwie zu tragen. Anscheinend wollen sie das Essen mitnehmen. Jana holt ein winziges, leichtes Weidenkörbchen und packt die Kerne hinein. So können die Häschen gemeinsam das ganze Futter tragen.
Sie hüpfen hinunter, sehen sich noch einmal um und Jana könnte schwören, dass sie sie anlächeln. Aber Hasen können ja wohl nicht lächeln, oder? Überhaupt  ist das  vielleicht eine Geschichte. Keiner würde ihr das glauben! Aber das macht nichts. Es ist ihr eigenes, kleines Weihnachtswunder, denkt Jana und beschließt, von nun an immer einige Nüsse auf diese Fensterbank zu legen.

Hannes und Hakon können ihr Glück kaum fassen. So viel Futter auf einen Schlag haben sie im Winter noch nie gefunden. Das wird auch für ihre Freunde Bo, Bea und Erna reichen. 








































Morgen geht es für euch bei www.frau-chamailion.de weiter.

Was bisher geschah:


Kapitel 1, geschrieben von Sarah (mamgogik.de)

Kapitel 2, geschrieben von Birgit (Muttis Nähkästchen)

Kapitel 3, geschrieben von Ann-Kathrin (munchkinshappyplace.blogspot.de)

Kapitel 4, geschrieben von Steffi (Kiwimama.de)

Kapitel 5, geschrieben von Sarah (www.zwergenzimmerchen.de)

Kapitel 6, geschrieben von Kathrin von (www.oeko-hippie-rabenmuetter.de)

Kapitel 7, geschrieben von Nina (www.gedankenpotpourri.wordpress.com)


Außerdem könnt ihr euch noch auf folgende Blogs freuen:


Sarah (www.mamaskind.de)
Miriam (www.emilundida.com)
Daniela ( www.welovefamily.at)

Viel Spaß und eine besinnliche Adventszeit!

Eure Julia aus der guten Kinderstube



Montag, 31. August 2015

#MeinBriefAnMich - Es wird anders, es wird schön

Schon den ganzen Sommer über läuft bei Jana vom hebammenblog.de die tolle Blogparade #MeinBriefAnMich, bei der Frauen ganz unterschiedliche Tipps an ihr eigenes Ich in der Vergangenheit schicken.
Ich finde diese Idee sehr schön und gerade jetzt, da ich in einigen Wochen mein zweites Kind zu Welt bringen werde, möchte ich mir selbst noch ein paar Gedanken mitgeben.

Liebe Julia, 

Du bist Zuhause mit Deiner wundervollen, neugeborenen Tochter und Deinem geliebten Mann und genießt das Wochenbett. Die Geburt war all das, was Du nicht wolltest, aber das wirst Du erst sehr viel später aufarbeiten. Jetzt seid ihr gerade sehr glücklich und entspannt, denn im Großen und Ganzen macht die Kleine es euch ziemlich leicht. Trotzdem bist Du teilweise von Deinen Emotionen überrascht und von einem Bauchgefühl, dass Dich in seiner Stärke fast umhaut. Wenn Dein Kind weint, spürst Du mit jeder Faser, wie schlecht es ihm geht. 

Wenn Dein Baby unruhig wird, nimmst Du z. B. die starken Gerüche wahr, die euch umgeben und WEIßT einfach, dass es sich dadurch gestört fühlt. Du merkst deutlich, dass Deine Tochter zwar schon von Anfang an alles und jeden beobachtet, aber gerne aus sicherer Position, von Deinem Arm aus. 

















Trotzdem sagt Dir der Kopf, dass Du keine zu große Glucke sein solltest. Du siehst schließlich, wie alle um Dich herum sich freuen und bist doch eigentlich der Meinung, dass Kinder sich an alles gewöhnen, wenn sie es eben von Anfang an so kennen, wenn die Mutter nur locker genug ist. Und Du hoffst so sehr, dass Dein Kind in einer Gemeinschaft mit Deiner Familie und engen Freunden sicher aufwachsen kann. Also versuchst Du locker zu sein, schiebst die Heftigkeit Deiner Emotionen auf die Hormone und schützt Deine Tochter nicht so wie Du es gerne möchtest. Du willst ja, dass sie sich an die wichtigen Menschen um Dich gewöhnt.

Ich kann Dir sagen, Deine Tochter wird so bleiben, sie ist so. Sie baucht Dich und Deinen Mann als sicheren Hafen und wird nur auf eigene Initiative Bindungen und Beziehungen zu anderen Menschen aufbauen. Und Du kannst das leider nur bedingt beeinflussen! Da das viele Menschen in Deiner Umgebung nicht verstehen, wirst Du auch dauerhaft kaum Entlastung oder Unterstützung haben, obwohl sie Dir angeboten wird. Es ist ein kleines Dilemma. 

Vieles wird sich ganz anders entwickeln als Du es vorher dachtest. Du wirst sehr viel länger stillen als angenommen, Deine Tochter wird im Familienbett schlafen und Deine komplette Haltung gegenüber Kindern und dem Thema Erziehung wird sich grundlegend ändern. Das bringt für Dich Probleme mit sich: Du musst es ertragen, Dich von Anderen deutlich zu unterscheiden, auffällig zu sein und oft das Gefühl zu haben, nirgends richtig dazu zu gehören. Dir wird Kritik noch sehr lange unheimlich nahe gehen und weh tun. Aber es wird besser. 

Mit der Zeit kommt dann auch eine innere Sicherheit zu Dir, weil Du und Dein Mann euren Weg für eure Familie gefunden habt. Ein Weg, der sehr viel flexibler ist als alle Vorstellungen zuvor, der sich an dem was jetzt ist orientiert statt etwas erzwingen zu wollen, was nicht in der Gegenwart oder nicht in euren Möglichkeiten liegt. Ein Weg, der offen lässt, was in Zukunft für euch richtig sein wird.
Das Leben mit Deiner Tochter ist so wunderschön und ihre Entwicklung, ihre Stärke, ihre Einfühlsamkeit und in vielen Momenten überraschende Klarheit wird Dir zeigen, dass der Weg für euch gut ist. Dazu wirst Du sehr viel lesen. Denn Dein Bauchgefühl ist zwar da, aber Dein Kopf kann ihm selten trauen. Da sind so viele Muster und Gedanken, die tief verankert sind, dass Du die Hilfe brauchst, um alles in Einklang zu bringen.

Denn das Leben als Mutter führt Dich auch an und über Deine Grenzen. Es wird zeitweise sehr anstrengend und mit viel Arbeit an Dir verbunden sein. Das hört wahrscheinlich auch nie auf.
Doch es wird sich gut anfühlen, zu wachsen, sich zu entwickeln.

Dein Lebenstraum, eine liebevolle Familie zu haben, hat sich schon erfüllt. Ich brauche Dir nicht zu sagen, dass Du das genießen sollst, denn zum Glück hast Du das schon sehr früh verstanden. Nur selten hängst Du Dingen nach, die Du als Mutter nicht mehr haben oder machen kannst. Meist dann, wenn Du sehr wenig geschlafen hast oder Dein Mann viel arbeiten muss. Vielmehr konzentrierst Du Dich auf all die schönen Momente, die Du später nie wieder haben wirst. Und das wird Dir immer wieder Kraft geben. Kraft, die Du vor allem auch dann brauchst, wenn Du Dich einsam fühlst in Deinem Leben als Mutter. Das wird leider öfter sein als Du es jetzt weißt. 

Für Deinen Mann und Dich als Paar wird es auch nicht immer leicht sein, aber ihr verliert euch nie wirklich und findet letzten Endes immer näher wieder zusammen als zuvor. Auch wenn euch die Zeit als Liebespaar zu wenig ist und ihr euch manchmal wünscht, aus dem Elternsein für einige Zeit ausbrechen zu können. Ich muss Dir leider sagen, dass das lange Jahre so sein wird, da die Vorstellung, das Kind einfach so abzugeben, die Du jetzt im Kopf hast, für euch so nicht funktionieren wird. Wenn Du das jetzt schon wüsstest, könntet ihr euch gleich andere Strategien erarbeiten. Aber vielleicht braucht es auch den Weg, um so zusammenzuwachsen wie ihr es tun werdet.

Deshalb will ich Dir auch keine großen Tipps geben. Ich will Dir vor allem sagen, dass es schön wird! Du wirst viel öfter glücklich und zufrieden sein als unglücklich. Und Du wirst ganz ohne Hilfe noch einmal schwanger werden, auch wenn das für Dich gerade nicht vorstellbar ist. Es wird so sein. Du siehst also, vor Dir liegt eine Zeit, die anstrengend, wundervoll und intensiv ist. Und doch wird es die schönste Zeit Deines Lebens. 

Deine Julia aus der guten Kinderstube




Samstag, 29. August 2015

Mein Funken Hoffnung: #Bloggerfuerfluechtlinge

Vor einer guten Woche ging es mir nicht wirklich gut. Ich habe in dieser Schwangerschaft deutlich mehr mit Zipperlein zu kämpfen als in der ersten. Hinzu kam, dass die heißen Nächte mich fast völlig um den Schlaf brachten - mich, die ich den Sommer doch so liebe und gerne Temperaturen ab 30 Grad habe. Nur eben nachts nicht und nicht hochschwanger. In der letzten heißen Woche streikte dann auch noch mein Kreislauf, so dass ich kaum etwas tun konnte als zu sitzen oder zu liegen.

Als vorletzte Woche dann noch weitere Wehwehchen hinzukamen, war ich den Tränen nahe. Wie sollte ich das noch so viele Wochen aushalten? Ich hatte (und habe teils noch) meiner Tochter gegenüber ein schlechtes Gewissen, weil ich ihrem Bedürfnis nach Toben und Bewegung nicht ausreichend nachkommen kann und meinem Mann gegenüber, weil er hier alles, aber auch wirklich alles auffängt. Dabei gerät auch er über seine Belastungsgrenzen.


Und dann waren da die Nachrichten. Bilder von pöbelnden Rechten in Heidenau, Geschichten von Flüchtlingen, die mich immer wieder zum Weinen brachten. Ich fühlte mich wie gelähmt, machtlos und überfordert. Ich fragte mich, was ich tun könnte. Irgendwie musste ich mich doch für die Flüchtlinge einsetzten können. Ich forschte, welche Hilfen in meiner Umgebung benötigt werden und stellte fest: Hier sind alle schon recht gut versorgt und was noch gebraucht wird, kann ich nicht leisten. Was also sonst tun?

Kurzerhand schrieb ich alle Blogger in meiner Twitter-Timeline an, ohne fertige Idee, einfach aus dem Wunsch heraus, unsere Möglichkeiten zu nutzen, uns zu vernetzen und zu sehen, was daraus entstehen kann. Schließlich hatten es größere BloggerInnen schon öfter geschafft, mit Artikeln oder Aktionen eine breite Diskussion in der Gesellschaft anzustoßen. Warum sollten wir das nicht einsetzen?
In kürzester Zeit stellte ich fest, dass es den anderen Bloggern ganz genauso ging wie mir. Alle wollten gerne Zeichen setzen und Rufen wie "Dreck muss weg!" etwas Menschlichkeit entgegensetzen. Keiner wollte akzeptieren, dass "der Wind sich dreht" (Kommentar bei FB).

Als ich zwei Stunden später wieder online sein konnte, hatte eine Bloggerin schon eine Facebookgruppe zum Austausch erstellt und es wurden eifrig Ideen gesammelt. Anna von berlinmittemom schlug vor, dass wir uns der gerade formierten Idee ihres Bekannten, Nico Lumma, unter dem Hashtag #bloggerfuerfluechtlinge anschließen. Gesagt getan! Nico brachte Anna mit Paul Huizing in Kontakt, der mit Nico Lumma, Stevan Paul und Karla Paul gemeinsam die Aktion #bloggerfuerfluechtlinge mit einer Spendenaktion bei betterplace.org ins Leben gerufen hatte.

Seither hat sich mehr getan als ich hier (be-)schreiben könnte. Die gemeinsame Facebookgruppe hat bereits fast 1300 Mitglieder, der Spendenstand könnte heute die 50.000 € Marke knacken und wir hatten in Nullkommanichts auch eine eigenen Website: blogger-fuer-fluechtlinge.de
Fast rund um die Uhr tauschen sich Menschen aus, werfen ihre Ideen in die Runde, finden sich zusammen, starten aktive Hilfe vor Ort in den Flüchtlingsunterkünften und engagieren sich auf allen Kanälen. Vieles davon könnt ihr in einem der über 200 verlinkten Blogbeiträge nachlesen.

Blogger, ITler, Designer, Gestalter, Journalisten, Juristen und so viele mehr bringen ihr Know-how ein, um möglichst viele Aktionen auf allen Ebenen möglich zu machen. Es wird mehr und mehr über uns berichtet und die ersten Unternehmen kommen auf uns zu, um Projekte anzuleiern oder zu unterstützen. So zum Beispiel MyPostcard, die es möglich macht, dass jeder mit der dazugehörigen App KOSTENLOS eine Karte an eine Flüchtlingsunterkunft versenden kann. Dies haben gestern rund 750 Menschen genutzt und den Flüchtlingen in Heidenau gezeigt, dass sie hier von den allermeisten Menschen sehr wohl willkommen geheißen werden.

Und ich? Es geht natürlich nicht primär um mich, aber: Mir geht es besser. Mir ist zwar deutlich bewusst, dass ich das eigentliche Leid der Flüchtlinge, der Vertriebenen nicht lindern oder gar verhindern kann. Doch ich kann im Kleinen, in meinen derzeitigen Möglichkeiten, dazu beitragen, dass die Situation für sie hier besser wird. Ich darf Menschen bei der Arbeit begleiten, die sich fast Tag und Nacht einsetzen und helfe hier und da, z. B. die Sachspenden an die zu bringen, die sie gerade benötigen. Dabei bin ich nur ein winziges Rädchen, aber ich drehe mich mit, an einer richtigen Stelle. Und das tut mir gut.
Ich finde es faszinierend, wie diese Aktion arbeitet: Schnell, ohne feste Leitung, heißt die Devise "Einfach machen!". Dabei ist es vollkommen friedlich, es wird allenfalls konstruktiv diskutiert. So schön!

Die Zipperlein sind übrigens auch wieder etwas besser geworden und ich habe wieder angefangen, die Schwangerschaft zu genießen. Schließlich will ich mich bei all dem auch auf mein Kind freuen und dieses Wunder in vollen Zügen erleben.

Falls ihr auch helfen wollt, Blogger oder nicht, dann informiert euch über blogger-fuer-fluechtlinge.de. Allein unsere Beiträge zu liken, zu teilen und zu kommentieren bringt uns schon viel.
Spenden könnt ihr über die Box auf der rechten Seite. Die App für die Postkarten findet ihr hier (Android) oder hier (iPhone) (funktioniert übrigens auch ohne Registrierung, mit bekommt ihr aber eine zweite kostenlose Karte).

Egal was ihr tut, es ist besser als nichts zu tun.

Wir fangen gerade erst an!

Eure Julia aus der guten Kinderstube



Donnerstag, 13. August 2015

Der Kindergarten - ein Versuch

Irgendwann einmal hatten wir den Plan, unsere Tochter mit zwei Jahren in den Kindergarten zu schicken. Das muss gewesen sein als wir noch frisch Eltern waren und dachten, Kinder ließen sich so einfach planen. Da unsere Tochter eher schüchtern unter Fremden und mit Gruppen und Lautstärke überfordert ist, warteten wir noch weiter ab. Vielleicht wäre es mit drei besser?

In diesem Frühjahr schauten wir uns zwei Kitas an, die in fünf Minuten zu Fuß von uns zu erreichen sind. Tochterkind fand das interessant und aufregend, suchte sich in der Bücherei direkt Kindergartenbücher aus und schien sich sehr darauf zu freuen, Kindergartenkind zu werden. Um diese Begeisterung auszunutzen - und auch, weil ich kurz nach ihrem dritten Geburtstag unseren Sohn zur Welt bringen werde - entschieden wir uns, es mit der kleineren Kita (max. 20 Kinder) bereits ab Juni zu versuchen. Die Kita wurde von einem Verein, der aus einer Stillgruppe entstanden ist, gegründet, hat einen ziemlich guten Betreuungsschlüssel und schien uns eher ruhig und entspannt zu sein.

Tatsächlich schien alles zu passen, da Tochterkind in der Zeit davor ihren Wunsch nach Autonomie sehr deutlich machte. Zum Beispiel sollte ich neuerdings auf dem Spielplatz nicht mehr mit ihr irgendwohin gehen. "Du bleibst da sitzen, Mama! Ich kann das alleine." Hätte mir das einer in der lange anhaltenden "Mit, mit"-Phase gesagt, ich hätte es nicht geglaubt.

Gleich am dritten Tag ging es ohne mich zu einem Ausflug in die Bücherei. Toll!


































So ging es dann auch in der ersten Woche super los, obwohl mein Mann und ich der ausgewählten Bezugserzieherin eher skeptisch gegenüber standen. Meine Tochter schien sie zu mögen und das war ja die Hauptsache. Ich wurde schon nach kurzer Zeit weggeschickt. Sie wollte ein großes Kindergartenkind sein. Sie setzte sich sichtbar unter Druck all die Regeln schnellstens zu lernen, alles gut und richtig zu machen, selbst wenn sie die Regeln so gar nicht nachvollziehen konnte.

Ich haderte etwas mit dem Umstand, dass es in meinen Augen zu viele unnötige Regeln gab und das mein Kind für jeden Furz und Feuerstein überschwänglich gelobt wurde. So ist die Gesellschaft eben und wir wollen ja, dass sie ein Teil davon ist, auch wenn die Haltung gegenüber Kindern leider meist nicht unserem Ideal entspricht. Ich fand es etwas schade, dass viele Angebote zwar nett ausgedacht waren, aber in der Umsetzung an den Kindern vorbei gingen. Während meiner Arbeit beim Sozialpädagogischen Institut in Köln hatte ich allerdings ganz andere Zustände in Kitas gesehen, so dass ich im Grunde zufrieden sein konnte. Irgendwas ist immer, dachte ich mir.

In der zweiten Woche wurde meiner Tochter der Druck, den sie sich auch selbst machte, zuviel. Der Stuhlkreis war durch die Lautstärke besonders fies. Sie wollte, dass ich noch da bleibe, was für mich vollkommen ok war. Schließlich konnte sie ja noch zu niemandem eine Bindung aufgebaut haben in den wenigen Stunden (4x2,5 Stunden). Leider sah das die Erzieherin anders. Das Kind hatte es doch schon gut gemacht, den Erfolg müsse man weiter vorantreiben. Als ich mich weigerte zu gehen, war sie deutlich angefressen. Meine Tochter, die das leider alles mitbekommen hatte, rastete auf dem Heimweg zum ersten Mal in ihrem Leben total aus. Sie schrie, schlug und ließ sich durch nichts beruhigen. Erst zuhause sank sie in meine Arme und schlief sofort ein.

Die geliebte Lunchbox werde ich auch so ab und an machen.


































Also folgte am nächsten Tag ein Gespräch mit den beiden Erzieherinnen, die selbst auch den Wunsch hatten, die Situation zu besprechen. Ich erklärte, wie im Aufnahmegespräch, dass wir Zeit für eine sanfte Ablösung haben und ich nicht gehe, wenn mein Kind noch nicht so weit ist. Wenn sie das nicht leisten könnten, wäre ich nicht böse, würde aber abbrechen, da wir den Kiga schließlich nicht wirklich brauchen. Sie versicherten mir, dass es alles kein Problem sei, auch wenn sie fänden, dass es anders für mein Kind leichter wäre.

So ging es noch einige Male. Zwar bemühte sich die Bezugserzieherin nach unseren Gesprächen sehr, unsere Vorstellungen umzusetzen, aber sobald meine Tochter "funktionierte" zog sie sich zurück und erwartete, dass das auch weiter so geht. Es war ein Auf und Ab, das sich nicht aufzulösen schien, da unsere Haltungen zu sehr auseinander gingen. Ich blieb stur und schaffte es, meiner Tochter die Sicherheit zu geben, die sie brauchte, indem ich im Gebäude blieb, solange sie es wollte. Die Erzieherin gab sich weiter Mühe und in der Woche vor den Ferien war meine Tochter dann jeden Tag von 9-12.30 Uhr alleine dort.

Der Druck, der immer mal wieder zunahm, blieb bei mir, so dass mein Bauch sich einfach nicht wirklich entspannen konnte. Vor den Ferien gab es in einem letzten Gespräch  die mehr oder weniger direkte Ansage, dass es dann nach den Ferien "richtig losgehen" sollte und wir das unserer Tochter so auch sagen. Übersetzt hieß das: kein Hin- und Her mehr, die Mama geht nach Hause!

Jetzt sind zweieinhalb der drei Wochen Schließzeit um und als ich gestern meiner Tochter sagte, dass ab kommender Woche wieder Kindergartenzeit wäre, fragte sie mich, ob sie da denn wieder hin müsse? Es würde ihr dort keinen Spaß machen. Auf meine Frage, ob sie dann nicht das Basteln, Spielen und die Kinder vermissen würde: "Vielleicht ein bisschen Mama, aber wir können zuhause auch basteln, oder?" Wir unterhielten uns noch ungefähr 15 Minuten. Sie erklärte mir, dass sie lieber auf ihren kleinen Bruder aufpassen wolle, wenn der da sei. "Wenn der Bruder weint, dann kann ich ihn im Kindergarten ja gar nicht hören!" Ich wiederum erklärte ihr, dass es nicht geht, dass sie mal hingeht und dann wieder nicht. Ihre klare Antwort: "Ja, ein anderes Kind soll meinen Platz haben!"

Sie war ganz ruhig, ernst, unaufgeregt und sicher. Ich merkte, wie sich ein Knoten der Anspannung löste. Denn mein Bauch war schon die ganze Zeit der Meinung, dass diese Kita, jetzt und so wie sie ist, nicht das Richtige für uns ist. Ich hatte mir für mein Kind eine Bezugsperson gewünscht, die sie richtig gern hat und die sich freut, dass sie kommt und nicht nur will, dass sie funktioniert. Herzlichkeit, Bindung und Spaß sind einfach nicht richtig zustande gekommen.
Eine Freundin erzählte mir, wie verliebt ihr Sohn in seine Erzieherin sei und die auch in ihn. Er läuft freudestrahlend zu ihr und kuschelt. Bei uns dauerte es Wochen bis meine Tochter die Bezugserzieherin anfasste, von kuscheln kann da keine Rede sein.

Die ganze Zeit hatte sie immer wieder gesagt, dass sie in den Kindergarten will, weswegen ich mit der Eingewöhnung weiter machte und mein Bauchgefühl ignorierte. Es schien ihr auch gut zu gehen. Sie schlief gut, erzählte von der Kita und wir konnten keine Anzeichen für großen Stress erkennen. Es war ihr so wichtig, ein großes Kindergartenkind zu sein, es zu schaffen. Ich finde, sie hat es auch geschafft und sich dann entschieden, dass sie es nicht möchte.

Ich gebe zu, dass mir die erhoffte Entlastung fehlen wird und ich auch an manchen Tagen Respekt davor habe, den ganzen Tag mit zwei Kindern wuppen zu müssen. Aber so wie es war, war die Kita für uns ohnehin eher eine Belastung. Jetzt können wir wieder ausschlafen und kuscheln morgens, mittags braucht Tochterkind meist keinen Mittagsschlaf mehr und abends fällt sie um kurz nach acht zufrieden ins Bett. Wir können weiter in unserem Rhythmus ohne Zeitplan in den Tag leben und ich bin mir sicher, dass wir das auch mit Baby hinbekommen. Anstrengend wird es sicher, aber he - anstrengend ist der Job eben.

Eure Julia aus der guten Kinderstube



Dienstag, 21. Juli 2015

Meine Vorbereitung auf die Geburt - Hypnobirthing

Die Geburt meiner Tochter lief nicht ganz so wie ich es mir erträumt hatte. Obwohl ich versucht habe, von meiner Seite aus alles an Vorbereitung zu treffen, was mir möglich schien: Ich suchte mir sehr früh eine Beleghebamme, besichtigte das Krankenhaus, stellte Fragen, beschäftigte mich mit dem Stillen und besuchte den Geburtsvorbereitungskurs. Allem voran hatte ich Vertrauen, dass meine erfahrene Hebamme die beste Vorbereitung ist, die wir haben können.

Leider hatte diese Hebamme viel zu viele Frauen angenommen und eigentlich an jedem Tag vor meinem Entbindungstag eine Geburt zu betreuen. So kam es, dass ich drei Tage lang unbetreut vor mich hin wehte, zweimal sinnlos im Krankenhaus aufschlug, mich dort schlecht behandeln lassen musste und zunehmend verzweifelt war. Die Tatsache, dass am Ende ein Kaiserschnitt nötig war, war dagegen weniger traumatisch. Es gab eine klare Indikation und wir gehören zu den Menschen, die über diese Möglichkeit froh sein müssen, weil nicht auszudenken ist, was ohne Kaiserschnitt mit uns passiert wäre.

Trotzdem trauerte ich in der Zeit des Wochenbetts und danach vor allem um die natürliche Geburt. Ich hatte mit meinem durchgeschnittenen Bauch zu kämpfen, der bis heute vom Nabel abwärts taub geblieben ist. Doch meine Tochter hielt mich beschäftigt und die Liebe war so groß, dass all das recht schnell in den Hintergrund trat.
Erst mit der erneuten Schwangerschaft und dem ersten Gespräch mit meiner jetzigen Hebamme kamen all die Erfahrungen wieder hoch und ich merkte, dass ich ganz viel noch gar nicht verarbeitet hatte.

Das Gefühl, nichts zu können, nichts auszuhalten, schwach und jämmerlich zu sein, nicht fähig zu sein, ein Kind zu gebären, war deutlicher zu spüren als je zuvor. Ich überlegte fieberhaft, wie ich mich dieses Mal "noch besser" vorbereiten könnte und sprach mit meiner Hebamme ganz direkt über bestimmte Ängste und Wünsche. Sie versicherte mir, dass sie auf jeden Fall immer erst zu mir nach Hause kommt, wenn ich das Gefühl habe, dass es losgeht und wir dann gemeinsam entscheiden, wann wir ins Krankenhaus fahren. Sie erzählte mir, dass sie nur eine bestimmte Anzahl an Frauen betreut und immer nur sechs Monate arbeitet und dann drei Monate pausiert, um für jede Frau voll da sein zu können. Sie nahm mir die Angst, dass es automatisch wieder ein Kaiserschnitt werden würde, da es keinen Hinweis darauf gäbe. Ich dürfe einfach davon ausgehen, dass ich natürlich gebäre.

Diese Gespräche taten unheimlich gut, auch, weil zum ersten Mal anerkannt wurde, dass ich nichts falsch gemacht habe und mir tatsächlich Betreuung gefehlt hat, die sie für wichtig gehalten hätte. Und doch blieb ein nagendes Gefühl im Bauch. Auf Twitter brachte mich die liebe Mo Zart von 2kindchaos auf das Thema Hypnobirthing. Ich hatte zwar schon vorher mal von Hypnobirthing gelesen, z. B. auf dem Hebammenblog hier und hier, aber es für mich irgendwie noch gar nicht in Betracht gezogen, vielleicht auch, weil ich von "Methoden" im Allgemeinen nicht so viel halte.


































Ich begann zu recherchieren und Kursangebote zu suchen, die für uns erreichbar sind. Zu Anfang war ich schnell enttäuscht, da ich viele Absagen bekam und bei den meisten Angeboten, abends und eine Stunde entfernt, nicht sah, wie wir das mit unserer Tochter zuhause schaffen sollen. Ich bestellte mir das Buch zur Mongan-Methode und begann anhand der beiliegenden CD allein mit den Entspannungsübungen. Vielleicht würde das ja auch schon helfen?
Mein Mann gab aber nicht auf und suchte weiter und tatsächlich haben wir jetzt eine ganz tolle Hypnobirthing-Anleiterin gefunden, die zu einem individuellen Kurs zu uns nach Hause kommt. Das ist zwar nicht gerade günstig, aber uns eben jeden Cent wert.

Bisher hatten wir zwei der vier Kurseinheiten und sind sehr begeistert. Nicht nur, dass wir an uns selbst erfahren können, wie unser Geist den Körper beeinflusst, wir haben auch als Paar die Möglichkeit, uns gemeinsam auf die Geburt unseres Sohnes vorzubereiten. Mein Mann wird nicht auf den Zuschauerplatz verwiesen, sondern ist mein Begleiter, dessen Stimme mich entspannen lässt und der mich aktiv unterstützen kann.

Wenn wir den Kurs abgeschlossen haben, werde ich euch gerne unsere Erfahrungen mit Hypnobirthing genauer schildern. Falls jemand konkrete Fragen hat, beantworte ich diese auch sehr gerne.

Eure Julia aus der guten Kinderstube



Dienstag, 7. Juli 2015

Wie selbstbestimmt geht Kindheit?

Mir begegnet oft die Frage, wie viel Führung Kinder brauchen, wie viele Regeln nötig sind und ob Eltern konsequent sein müssen. Oft sind das gar keine Fragen, sondern klar geäußerte Meinungen. Denn sehr viele Menschen in meinem Umfeld, sind überzeugt, dass ein Kind nicht zu viele Freiheiten haben sollte. Gerade in der Autonomiephase finden es viele Erwachsene besonders wichtig, den Kindern zu zeigen, wer bestimmt.

Ich selbst habe mich davon verabschiedet, irgendeine Art von Machtgefälle aufrecht zu erhalten und zu versuchen "die Oberhand" zu behalten wie ich es letztens als Expertenrat hier gelesen habe. Deshalb halte ich auch nichts mehr davon, konsequent zu sein, nur um eine Stellung zu wahren. Stattdessen bin ich auch in der Beziehung zu meinem Kind, wie in allen anderen Beziehungen, bemüht, kompromissbereit zu sein und Lösungen zu finden, wenn Konflikte auftauchen.
Das heißt nicht, dass ich meine Werte nicht vorlebe und die Führung, z. B. durch die Strukturierung des Tages, nicht übernehme. Ich übernehme klar die Verantwortung für unser Familienleben (selbstverständlich gemeinsam mit meinem Mann), da mir bewusst ist, dass diese nicht beim Kind liegen darf. Meiner Erfahrung nach möchten Kinder sich in den meisten Fällen ohnehin unserem Vorleben anpassen und kooperieren. Aber wenn unsere Werte, Vorstellungen oder Pläne für mein Kind ein Problem darstellen, dann suchen wir nach einer Lösung. Und bevor jetzt gleich der Aufschrei kommt: Ja, unsere Tochter erlebt Frust. Wir halten ihn nicht künstlich von ihr fern und begleiten sie, wenn sie damit umgehen muss. Nur verursachen wir nicht nach Belieben Frust, damit sie "es" lernt.

Ich bin der festen Überzeugung, dass unsere Kinder bereits mit vielen Kompetenzen auf die Welt kommen. Wenn wir sie lieben und ihnen dies auch so zeigen, dass sie es fühlen können, wenn wir als Bindungspersonen fest an ihrer Seite stehen, dann werden sie ganz von selbst selbständig, stark und mit jeder Erfahrung, die wir sie machen lassen, noch kompetenter.

Ich muss allerdings zugeben, dass es mir manchmal nicht leicht fällt, aus alten Denkmustern auszubrechen. Es tauchen immer mal wieder welche auf, die mir noch nicht bewusst waren. Dazu gehört auch das ungeplante Loslassen. Denn in der Theorie bin ich bei der "Wurzeln-gießen-und-sich-über-Flügel-freuen-Fraktion". Aber trotzdem ist es einfach ungewohnt, wenn das Kind das Tempo vorgibt und man selbst damit schnell klar kommen muss. So bei uns vor einigen Wochen geschehen.

Das Kind eigene Wege gehen lassen - auch wenn es so nicht geplant war.


































Wir waren auf dem zehnten Geburtstag der Zwillinge, die ich früher einige Jahre betreut habe. Tochterkind mag das Mädchen der Familie sehr und hatte großen Spaß dort. Als wir gehen wollten verkündete sie: "Ich schlafe heute hier."
Ich: "Ich glaube Dir, dass Du dazu Lust hast, aber denkst Du nicht, dass Du vielleicht traurig bist, wenn Du heute Nacht wach wirst und wir sind nicht da?"
Tochter: "Nein, ich bin dann nicht traurig."
Ich: "Dann müssen wir erst einmal fragen, ob Du hier schlafen darfst."
Kind überlegt. Dann fragt sie: "Mama, seid ihr traurig, wenn ich nicht bei euch schlafe?"
Ich: "Nein Kind, wir sind dann nicht traurig."
Tochter: "Gut, dann könnt ihr morgen im Bett liegen und schlafen und ich schlaf hier."

Gesagt getan. Sie blieb bei ihrer Meinung, bleiben durfte sie, also holten wir zuhause schnell Schlafsachen und Zahnbürste und los ging sie, winkend ihrem Abenteuer entgegen.
Ich muss euch bestimmt nicht sagen, dass wir völlig aufgeregt waren. Und diese Aufregung kam zu großen Teilen davon, dass wir das nicht geplant hatten. Normaler Weise beobachten wir unser Kind und überlegen dann, ob Schritte wie z. B. Kindergarten sinnvoll sind oder noch warten sollten. Jetzt hatte sie einfach entschieden und das war schlicht ungewohnt. Gleichzeitig machte es mich unheimlich stolz.

Wie die Sache ausging? Gegen 23 Uhr ließ sie sich wieder nach Hause bringen. Sie hatte nicht geweint, einfach gesagt, dass sie doch lieber zu uns möchte. Völlig müde, nach diesem langen Tag ohne Mittagsschlaf, fiel sie ins Bett und schlief bis morgens durch.
Ich glaube, dass es eine Erfahrung war, die wir niemals für sie hätten planen können. Nur dadurch, dass wir versuchen, sie so selbstbestimmt wie möglich sein zu lassen, hatte sie diese Möglichkeit.

Und wir ebenfalls. Denn zum ersten Mal waren wir als Eltern gefordert, loszulassen und zu vertrauen, ohne das vorher durchdacht zu haben. Festzustellen, dass wir das können und unsere Idealvorstellung leben: Das hat auch uns gut getan.

Eure Julia aus der guten Kinderstube



Freitag, 26. Juni 2015

Bundesjugendspiele: Mitgefühl ausgeschlossen?

Seit Tagen wird im Netz über die Abschaffung oder Beibehaltung der Bundesjugendspieler diskutiert. Angestoßen hat diese Diskussion die kluge Christine von Mama-arbeitet.de mit ihrem Artikel und einer Petition. In dieser schreibt sie selbst, dass es nicht ihr primäres Ziel ist, die BJS als Wettkampf an sich abzuschaffen, sondern vielmehr die Unfreiwilligkeit und das offensichtliche Leid einiger Kinder nicht weiter zu ignorieren.

Zuerst freute ich mich tierisch über ihren Vorstoß, denn ja, auch ich habe jahrelang unter den BJS gelitten und ich kenne viele, die dadurch Traumata haben. Mittlerweile wünschte ich fast, es hätte die Diskussion nicht gegeben. Denn die Argumente und teilweise wirklich hämischen Kommentare der Befürworter machen mich dermaßen betroffen, dass ich nicht so recht weiß, wie ich dem begegnen kann.

Natürlich gibt es auch "gemäßigte" Befürworter, die nur sehen, dass die BJS unangenehm sind, aber im Allgemeinen eher wollen, dass etwas gegen Mobbing getan wird, anstatt genau diesen Wettbewerb abzuschaffen. Ich denke, dass sie das Leid der Kinder z. T. falsch einschätzen und daher nicht nachvollziehen können. Mitten ins Herz treffen mich aber Aussagen wie "in-Watte-packen", "Weicheierkultur", "Helikoptereltern", "Abhärtung" und schlimmere Begriffe, die ich hier nicht wiederholen will. Da werden Eltern und Betroffene auf so fiese Weise abgewertet und verurteilt, das es fast an Opfer Bashing grenzt. Einige ziehen sogar über übergewichtige Kinder her, obwohl das keineswegs Thema ist.


























Ich habe überlegt, woher die Aggression bei diesem Thema kommt. Ich kann mir zum einen vorstellen, dass gerade die, die bei den BJS - im Gegensatz zum Schulunterricht - mal glänzen konnten und großen Spaß hatten, sich dies nicht nehmen lassen wollen und es daher vehement verteidigen. Euch sei gesagt: ES WILL EUCH NIEMAND NEHMEN! Es geht lediglich darum, die zu schützen, die unter dem "lustigen Sportfest" leiden. Zum anderen wird es klar, dass eben dieses Leid nicht im vollen Ausmaß nachvollzogen wird. Es fehlt schlicht an Empathie.
Vielleicht spiegelt das Ganze auch die Spaltung unserer Gesellschaft wieder. Ein Teil legt den Schwerpunkt auf Leistung, Vergleich, Karrieredenken, Konkurrenz und eine gewisse Härte, der andere Teil wünscht sich eine Veränderung, hin zu mehr Mitgefühl, Empfindsamkeit, Toleranz, Inklusion und Gewaltfreiheit.

Was in der Diskussion in meinen Augen untergeht, sind Schilderungen und Erklärungen zu dem Leid, um das es hier geht. Ich glaube nämlich nicht, dass das Leid durch den Wettbewerb oder die Niederlage entsteht. Das Leid trifft Kinder und Jugendliche in einer schwierigen Lebensphase, die ein geringes Selbstwertgefühl, eventuell große Probleme mit ihrem Körper in der Pubertät haben und vielleicht auch einfach nicht gerne in Konkurrenz stehen.
Ich kenne Mädchen, die gifte Substanzen geschluckt haben, um auf dem Sportplatz zu erbrechen und nicht teilnehmen zu müssen. Andere haben geübt, sich gegenseitig durch Hyperventilation und Boxen in die Lunge/Magengegend zur Ohnmacht zu kriegen - mit Erfolg! Es gab Kinder, die sich schlicht versteckten und zuhause schwere Strafen auf sich nahmen, weil sie keinen Ausweg sahen. Einige dieser Kinder gingen selbst in einen Sportverein - mit Spaß! Viele waren in anderen Bereichen ebenso erfolglos, taten sich da aber nicht so schwer. Einige waren sogar ziemlich sportlich und hätten Urkunden bekommen. Nicht wenige fingen übrigens an, den Sport zu hassen.

Aus der heutigen Zeit kenne ich von Bekannten nur die Erzählungen der Eltern, dass die Kinder "versuchten krank zu machen" oder "um eine Entschuldigung bettelten". Keine Ahnung, ob diese Kinder auch auf ähnliche Strategien gekommen sind.
Es geht also gar nicht um darum, dass diese Kinder sich dem Wettbewerb oder einer Niederlage nicht stellen wollten/wollen oder sie gar zu faul für den Sport wären. Es geht um Kinder, die sich schwach und verletzlich fühlen und trotzdem gezwungen werden, sich diesem Wettbewerb zu stellen, vor den Augen der ganzen Schule.

Statt zuzuhören und dieses Leid wahrzunehmen, bekommen sie jetzt die oben genannten Aussagen um die Ohren gehauen. Es wird auf die Schwachen eingeprügelt - nicht sehr sportlich.
Dabei wäre es so einfach, den Zwang abzustellen, die Kinder, die ein Problem haben, zu begleiten, ihnen zuzuhören und beizustehen. Sie könnten, wie auch Christine vorgeschlagen hat, Teil des Sportfestes sein, indem sie Zeiten nehmen, Sand rechen oder dokumentieren. Man könnte daran arbeiten, ihr Selbstgefühl und Selbstwertgefühl zu stärken statt sie "abzuhärten", weil man da eben durch muss. Aber dazu müsste man erst einmal das Leid anerkennen, es nachfühlen. Vielleicht sind dazu viele Menschen zu sehr abgehärtet worden?

Eure Julia aus der guten Kinderstube




Dienstag, 5. Mai 2015

Von der guten Hoffnung

So lange ich denken konnte, wollte ich Kinder haben. Ich fing schon sehr früh an, auf Kinder und Babys aufzupassen und wusste tief in mir: Ich will eine Familie!
Mir war damals noch nicht bewusst, dass dieser Lebenstraum keiner ist, den ich einfach verwirklichen kann, weil ich es eben so sehr will. Denn eine Familie gründet man schließlich nicht allein. Und selbst wenn man den Lebenspartner gefunden hat - und dieses Glück hatte ich - muss man ja auch noch schwanger werden.

Schon mit 16 Jahren sagte mir meine erste Frauenärztin, dass meine Hormone nicht im richtigen Gleichgewicht wären und ich besser mal die Pille nehmen soll. Damals fand ich das cool! Die Pille machte doch irgendwie erwachsen und bereitete darauf vor, zur Frau zu werden. Also nahm ich sie, meine Periode pendelte sich ein und auch die furchtbaren Schmerzen, die ich bis dahin hatte, nahmen schnell ab.
Einige Jahre später fiel dann der ominöse Begriff PCO-Syndrom. Ich hatte die Pille abgesetzt und wieder keinen richtigen Zyklus gehabt. Mein damaliger Gynäkologe erklärte mir, dass ich die Pille weiter nehmen müsse, um größere Schäden an meinen Eierstöcken zu verhindern. Zum ersten Mal wurde mir so richtig bewusst, dass ich vielleicht nicht so einfach Kinder bekommen kann wie ich das wollte.

In den folgenden Jahren stieg meine Angst, nicht rechtzeitig Mutter zu werden, den Mann an meiner Seite zu spät zu finden. Kommentare wie: "Ab 30 wird es immer schwerer schwanger zu werden!", schwirrten in meinem Kopf herum. Und als ich meinen Mann kennen und lieben lernte war ich verzweifelt. Er war (und ist) fünf Jahre jünger als ich, studierte noch und ich konnte mir so überhaupt nicht vorstellen, dass er "rechtzeitig" bereit wäre, sich fest zu binden und auch noch recht schnell eine Familie zu gründen. Wir redeten offen über meine Ängste, unsere Wünsche und Vorstellungen und balancierten manchmal auf dem schmalen Grat zwischen Ehrlichkeit und Druck. Aber er war immer so zuversichtlich und sicher, dass ich beschloss, Vertrauen zu haben.

Wir heirateten im Juli 2010 und hatten schon kurz zuvor das erste Gespräch mit meiner Frauenärztin. Schließlich hatte ich Angst, die Pille einfach abzusetzen und damit vielleicht alle Chancen auf eine Schwangerschaft zu ruinieren. Mir wurde niedrig dosiert Kortison verschrieben und wir hofften. Doch außer, dass ich in einem halben Jahr 13 kg zunahm, hatte die Therapie keinen Erfolg. Wir wechselten zu den Profis ins Kinderwunschzentrum. Nach dem ersten Termin saß ich heulend und gedemütigt im Auto. Wir blieben dran, hielten die Maschinerie aus, gewöhnten uns daran, dass Kinderkriegen für uns nichts romantisches mehr haben würde, hielten fest zusammen. Ich ertrug die Hormone, ständige Blutentnahmen, eine OP und die Telefonate, in denen mir gesagt wurde, dass ich nicht schwanger sei und wir gleich einen neuen Termin ausmachen können.
Es war manchmal schrecklich, doch tief in mir, hatte ich Vertrauen und das Gefühl, dass es klappen würde.

Endlich guter Hoffnung! 




























Nach insgesamt eineinhalb Jahren war es fast nicht zu glauben. Ich war schwanger. Ich war überwältigt, freute mich und fieberte auf den bestätigenden Termin hin. Dieser war dann erst einmal, na sagen wir mal, nicht so schön. Der Arzt schallte und fand die Fruchthöhle in der Gebärmutter. Leider hatte er wohl einen schlechten Tag, denn, obwohl mein Mann und ich beide der Meinung waren, dass wir einen Punkt in der Fruchthöhle gesehen haben, sagte er, dass er noch nichts sehen könne, was aber zu diesem Zeitpunkt nichts heißen müsse. Ohne Gratulation, ohne Lächeln schickte er uns nach Hause - mit einem Bild der leeren Fruchthöhle in der Hand. "Kommen Sie in 10 Tagen wieder!"

Die folgenden Tage waren für mich die Hölle. Ich hatte solche Angst und war so am Ende, ich kann es gar nicht in Worte fassen. Schließlich brach ich heulend zusammen als meine Mutter zu Besuch kam. Sie war empört und empfahl mir, dort anzurufen und zu fordern, dass schon früher erneut untersucht wird. Doch während ich weinte, die ganze Anspannung rausließ, legte sich im Inneren ein Schalter um. Mir wurde klar: Ab jetzt werde ich immer Angst haben und mir Sorgen machen, aber das darf mich nicht beherrschen. Ich entschied mich bewusst für Vertrauen und wies die Angst in ihre Schranken. Ich war endlich guter Hoffnung!

Ich bin dankbar, dass meine Tochter gesund geboren wurde und unser Leben seither täglich reicher und heller macht. Es ist wirklich so schön, Mutter zu sein, wie ich es mir vorgestellt hatte. Es ist auch noch intensiver, anstrengender und herausfordernder, es bringt mich an meine Grenzen und darüber hinaus. Doch selbst an Tagen, die mich in den Wahnsinn treiben gibt es immer auch das Bewusstsein, dass ich glücklich bin.

Jetzt bin ich wieder guter Hoffnung und trage mein zweites Kind unter meinem Herzen. Es kam einfach so zu uns, kurz nachdem wir beschlossen hatten, uns nicht noch einmal in die Hände der Reproduktionsmedizin zu geben. So durfte ich doch noch erfahren wie es ist, wenn man seinem Mann völlig unerwartet einen positiven Schwangerschaftstest präsentiert. Der Blick - unbezahlbar!

Eure Julia aus der guten Kinderstube




Freitag, 13. März 2015

Gerhard Schöne - Ein Kinderkonzert

Bei uns ging es die letzten Wochen ganz schön drunter und drüber. Der Alltagswahnsinn hat uns voll im Griff: Es gab eine wunderschöne Überraschung und einen Todesfall, Erlebnisse, die wir verarbeiten müssen und dass mein Mann immer wieder mehrere Tage komplett weg ist, macht es manchmal nicht einfacher.

Daher komme ich gar nicht zum Bloggen. Zwar habe ich immer wieder Ideen und Themen, schreibe auch kleine Erinnerungen auf, aber abends bin ich zum Ausformulieren immer irgendwie zu müde. Dann quält mich die Frage, wie andere Leute so viel schaffen und erledigen? Die haben doch noch mehr Kinder, gehen arbeiten, stemmen einen Workload, der mich zittern lässt! Aber mittlerweile kann ich meine Grenzen zum Glück ganz gut akzeptieren und mich meinem eigenen Rhythmus besser hingeben.

Da wir dringend mal eine Verschnaufpause brauchten, hat mein Mann sich zwei Tage frei genommen und uns ein verlängertes Wochenende gegönnt. Wir haben viel Zeit, die ich vor allem zum Schlafen und Verbummeln nutze, wir backen, spazieren und genießen die Sonne, solange sie noch da ist und siehe da - die Lust zu schreiben kehrt zurück.

Und diese Lust nutze ich jetzt dazu, euch von unserem Nachmittag mit Gerhard Schöne zu erzählen. In einer Gemeinde in unserer Nähe fand nämlich heute ein Kinderkonzert statt, das wir besucht haben.



































Gerhard Schöne ist ein ostdeutscher Liedermacher, Vater von sechs Kindern und Kinderbuchautor. Wir lieben seine Kinderlieder und auch viele der Lieder für Erwachsene gehen unter die Haut. Also war es klar, dass wir diesen Termin nicht verpassen dürfen.

Die Kirche, in der das Konzert stattfand, war voll mit Eltern, Großeltern, wuselnden Kindern und Babys. Alle freuten sich auf die Lieder, die in der Gemeinde in Krabbelgruppe und Kindergarten gerne gesungen werden. Groß und Klein feierten, sangen, klatschten, lachten und hatten einfach einen Riesenspaß! Lieder wie der F-Tsch-Chq&-Wumm-Apparat, Jule wäscht sich nie, Der Popel und Das Auto von Lucio regten zum Mitsingen und Mitmachen an. Auch wenn es insgesamt etwas laut und daher auch recht anstrengend war, war der Nachmittag ein voller Erfolg.

Solltet ihr also auf der Suche nach Kindermusik sein, die nicht als Apres-Ski-Hits auf der Hüttn laufen, lustig sind und manchmal auch Tiefgang haben, dann hört euch mal etwas von Gerhard Schöne an.

Eure Julia aus der guten Kinderstube



Sonntag, 22. Februar 2015

Wochenende in Bildern 21./22. Februar 2015

An diesem Wochenende war der Frühling deutlich spür-, hör-, fühlbar und mein Herz hüpft vor Freude darüber. Doch am Samstag starteten wir, für uns sehr früh, in strömendem Regen Richtung Maincafé-Bloggertreffen in Frankfurt am Main.



































In Frankfurt half uns das Navi den Treffpunkt im Café Familienbetrieb zu finden.



































Das Treffen war einfach toll. Mit dabei waren Mama Schulze, Babykeks, Frau Chamailion, Frankfurterwürstchen und 2KindChaos. Ich konnte viel aufschnappen, dazulernen und hatte großen Spaß mit sympathischen den Bloggerfamilien.


























Währenddessen arbeitete meine Tochter im Spielzimmer an ihrem eigenen Blogartikel.



































Auf dem Spielplatz konnten wir uns danach noch eine Runde austoben.



































Ich bin immer wieder fasziniert, was meine Tochter aus "nichts" macht, wenn sie im Spiel versinkt.



































Dabei hat sie einen klaren Ordnungssinn.



































Ein Besuch bei guten Freunden rundete den Tag ab.



































Müde, aber zufrieden machten wir uns auf die Heimreise. Am Sonntag zauberten mir meine Lieben einen tollen Start in den Tag.



































Danach gab es eine Bade-/Duschparty für die ganze Familie, mit Musik und Farbenlehre.



































Das Wetter klarte langsam auf und mein Mann bekam Lust, Fenster zu putzen. Das ließ sich Tochterkind nicht zweimal sagen.



































Auch das Auto musste sauber gemacht werden - also ihres. Unseres ist immer noch dreckig.



































Mittagessen für mich: Bunter Salat mit Himbeerdressing und selbst gemachten Parmesan-Ravioli. Lecker! Mann und Kind bevorzugten Obst und andere Snacks.



































Ohne Mittagsschlaf ging es raus, ein wenig pilgern.



































Mit Freunden Sonne und Aussicht genießen: ein toller Sonntag!



































Dem scharfen Blick meiner Tochter entging kein Frühlingsbote, nicht einmal der kleinste.



































Gemeinsam gingen wir noch etwas essen. Natürlich war meine Tochter gar nicht müde, schlief aber nach drei Minuten neben mir ein, so dass mein Mann und ich (fast) pünktlich den Tatort gucken konnten. Seltene Freude, die mit einem hervorragenden letzen frankfurter Tatort verstärk wurde.

Und wie war euer Wochenende? Konntet ihr etwas Sonne genießen und den Frühling schnuppern?
Viele weitere Wochenenden in Bildern findet ihr bei Susanne. In der letzten Woche waren es 30! Wahnsinn.

Eure Julia aus der guten Kinderstube



Dienstag, 17. Februar 2015

Ist Attachment Parenting ein unnötiger Begriff?

In letzter Zeit lese ich immer wieder Kommentare, die mich nachdenklich machen. In diesen Kommentaren regen sich Leser auf, dass es Begriffe wie Attachment Parenting und bedürfnisorientiertes Familienleben gibt. Schließlich sei das alles natürlich und brauche keinen hochgestochenen Fachwörter, kein Label. Aus dem Bauch heraus sei doch am Besten und immer dieser Hype, das würde nerven.

Was ich nachvollziehen kann ist, dass jeder Begriff auch eine Schublade öffnet und Attachment Parenting sowie Bedürfnisorientiertheit mehr ist, als eine Methode der Erziehung, mit festen Elementen wie Stillen, Tragen und Co-Sleeping. Dabei geht es mir an dieser Stelle ausdrücklich nicht darum, ob individuelle Lebensweisen wie langes Stillen, Familienbett und Tragen als normal angesehen werden. Das wäre zwar schön, aber für mich sind es vor allem sehr gute Werkzeuge, um eine Bindung aufzubauen und zu festigen. Ich kenne aber auch Familien, in denen nichts davon stattfand, die ich aber trotzdem als bedürfnisorientiert und liebevoll wahrnehme.

Wichtiger ist die dahinter stehende Haltung, die vielleicht tatsächlich mal natürlich war und es bei manchen Völkern und auch Familien in Deutschland ist. Im Gros unserer Gesellschaft ist es aber leider nicht "normal" auf die Bedürfnisse der Kinder einzugehen, sie zu respektieren und gleichwürdig zu behandeln.

Ich will euch eine Szene erzählen, die ich mit meiner Tochter erleben musste:

Wir waren im Supermarkt, in einer Ecke eines Imbisses und schauten durch die Scheibe Bauarbeitern zu. Da hörten wir ein Kind ziemlich verzweifelt weinen. Meine Tochter fragte ständig, ob das Kind denn nicht zu seiner Mama könne. Dann sahen wir das Mädchen, ich schätze sie auf 3 Jahre, an der Hand ihres etwas älteren Bruders um die Ecke kommen. Noch immer weinte sie bitterlich.
Ich fragte, ob sie vielleicht Hilfe brauchen, aber der Bruder meinte, sie bekämen gleich etwas zu essen.

Etwas später kam der Vater mit noch einem Kind im Kinderwagen und brachte Pommes und Limo zum Tisch. Die Kleine weinte weiter sehr verzweifelt nach ihrer Mama. Der Vater begann daraufhin sie als "Mamakindchen" zu beschimpfen. Sie solle jetzt essen und überhaupt sei sie böse. Das sagte er immer wieder. "Du bist so böse!" Einmal erwiderte ich laut, dass niemand böse sei, weil er weint, aber das beeindruckte nicht.
Der Bruder hatte offensichtlich mehr Empathie und fragte, ob sie denn den Bären des Mädchens nicht dabei hätten. Hatten sie leider nicht. Eine ältere Frau lief vorbei uns meinte lachend: "Ja, die Mädchen haben immer den größten Rand!" Und ich hatte kurz gedacht, sie wollte das Kind trösten!

Meine Tochter fragte dann, warum der Mann schimpft. Sie meinte, das Mädchen müsse doch auf den Arm. Ich stimmte ihr zu und sagte auch laut, dass sie gar nicht böse, sondern sehr traurig sei und ich auch fände, dass sie Trost bräuchte. Wir überlegten und meine Tochter schlug vor, im Geschäft zu schauen, ob sie einen kleinen Bären haben, den sie dem Mädchen schenken könnte. Leider kamen wir dazu nicht mehr. Mit den Worten: "Heute kriegst Du nichts mehr zu essen!" stand der Vater auf, packte zusammen und sie gingen. An der Hand ihres Bruders, der nun lieb auf sie einredete, beruhigte sich das Mädchen etwas. Nach bestimmt 20 Minuten Weinen.

Ähnliche Situationen beobachte ich immer wieder und sie stellen mich persönlich vor ein Problem: Sie machen mich wütend und lassen mich ohnmächtig zurück. Ich weiß nie, wie ich reagieren soll, ob ich reagieren soll. Schließlich hat jeder das Recht, sein Kind so zu erziehen, wie er es für richtig hält und ich bin weit davon entfernt, mich selbst als die Mutter des Jahrhunderts zu fühlen. Wer bin ich, über andere Eltern zu urteilen? Aber ein Kind so leiden zu sehen und gleichzeitig zu erkennen, dass die Haltung dahinter bedeutet, dass es keine Einzelsituation ist, ist für mich schwer zu ertragen.

Also schwanke ich zwischen Einmischung und Raushalten. Ich gebe zu, ich verurteilte diesen Vater und die alte Frau auch. Ich verglich und wertete, doch wem ist damit geholfen? Niemandem. Mit etwas Abstand kann ich dem Vater Empathie entgegen bringen. Ich bin mir sicher, aus seiner Sicht und mit seinen Ressourcen tut er sein Bestes für seine Kinder. Wahrscheinlich ist er ähnlich aufgewachsen oder musste noch viel mehr Gewalt erleben. Er denkt vielleicht, dass seine Tochter lernen muss, nicht zu weinen und stark zu sein? Vielleicht hat er gelernt, dass Liebe weh tun muss?Doch mit der "natürlichen" AP-Haltung, mit respektvollem und liebevollem Umgang hat das nichts zu tun. Und deshalb bin ich froh, dass es diesen "Hype" gibt und Begriffe es möglich machen, dass Artikel  und Bücher erscheinen, Kongresse gehalten werden und Gedanken weitergetragen werden.

Ich persönlich wünsche mir, dass unsere Gesellschaft lernt, Kinder nicht mehr zu diskriminieren, sondern ihnen klare Rechte einräumt, sie schützt und ihnen den gleichen Respekt und die gleiche Würde zuspricht, wie sie alle Menschen verdienen. Daher bin ich froh, wenn durch Worte Realitäten geschaffen und Ideale offen vermittelt werden. Ich hoffe, dass das ein echter Trend ist, der sich nicht mehr umkehren lässt, da sich bestimmte Gedanken, wenn sie einmal gedacht wurden, nicht mehr "entdenken" lassen.

Seit einiger Zeit übe ich Gewaltfreie Kommunikation. Noch stehe ich am Anfang eines langen Weges. Deshalb: Ich versuche, nicht zu werten und zu verurteilen, aber ich fordere alle Eltern auf, sich ihrer Verantwortung zu stellen, sich selbst zu entwickeln und ihren Kindern keine Gewalt - weder seelische noch körperliche - anzutun, nur weil sie auch so aufgewachsen sind.

Eure Julia aus der guten Kinderstube



Sonntag, 15. Februar 2015

Wochenende in Bildern 14./15. Februar 2015

Am Samstag wachte meine Tochter auf und wusste sofort, dass heute ihr Papa von der Geschäftsreise nach Hause kommen würde. Also starteten wir den Morgen mit einem Facetime-Anruf beim Papa, der sich gerade auf der Rückreise von Österreich befand. Danach gab es Frühstück.


























Auf dem Weg zu unserem Samstagseinkauf genossen wir das tolle Wetter.


























Da wir lange geschlafen hatten, wollte Tochterkind heute keinen Mittagsschlaf halten. Stattdessen war "Auto spielen" angesagt und es wurde auch geschaukelt.


























Anschließend gab es einen kleinen Snack, da wir abends alle gemeinsam Gemüsesuppe essen wollten. Dazu hörten wir Benjamin Blümchen, den meine Tochter jetzt ganz neu für sich entdeckt hat.


























Endlich war es soweit: Papa ist wieder da! Auto ausladen, Koffer auspacken und spielen. Von jetzt auf gleich wich unsere Tochter ihm nicht mehr von der Seite. Schön zu sehen!


























So wurde noch auf der Roll (so heißt bei uns der Anhänger) gespielt...


























...und das Laufrad mit Ballons geschmückt. Mein Mann meinte ja eigentlich, zum Laufradfahrer brauche man Balance, aber die Ballons waren wohl auch hilfreich.



















Nach dem Abendessen ging es für unser Tochterkind im Tiefflug ins Bett und wir erzählten uns erst einmal die ganze Woche.
Sonntagmorgen durfte ich ausschlafen, während Brötchen geholt und Frühstück gezaubert wurde. Herrlich!































































Wäsche musste gemacht werden, die Küche aufgeräumt und dann war es auch schon Zeit für den Mittagsschlaf.


























Ich gönnte mir derweil ein Vollbad mit Aussicht. (Mit geputztem Fenster käme es wohl besser rüber, aber was soll´s.)


























Schnelles Mittagsmahl: Gabelspaghetti mit Mais, Mozzarella und Pesto.



































14.11 Uhr startete der Fastnachtsumzug in Ingelheim. Das Wetter stimmte, also zogen wir gut gelaunt los.



































Eigentlich war es unserer Tochter zu laut und zu voll, aber die gefangenen Bonbons halfen und sie machte in Ruhe ein Picknick.



































Wieder zuhause wünschte sich das Tochterkind Popcorn, denn das gefangene Tütchen fand sie ekelig. Mais mag sie zur Zeit in jeder Form, auch zum Spielen.



































Auch der mit Kreide bemalbare Kreisel ist ein spannendes Spielzeug.



































Zum Abschluss des kurzen Wochenendes gingen wir ins Brauhaus.



































Jetzt liegt meine Tochter im Bett und schläft selig, während mein Mann und ich auf der Couch sitzen und den Sonntagabend ausklingen lassen.

Wie war euer Wochenende? Fastnacht, Karneval oder lieber ohne Trubel? Bei Susanne von geborgen-wachsen.de findet ihr noch weitere Wochenenden.

Eure Julia aus der guten Kinderstube



Donnerstag, 12. Februar 2015

Rituale in der guten Kinderstube

Eine meiner liebsten Bloggerkolleginnen, die gute Tanja alias Tafjora, hat zu einer Blogparade aufgerufen: Rituale aus der eigenen Kindheit.
Sie selbst hat ein Ritual aus ihrer Kindheit auch in die Kindheit ihrer Söhne hineingetragen - ein wunderschönes noch dazu wie ich finde, aber lest selbst.

Ich musste wirklich lange überlegen, bis mir ein besonderes Ritual einfiel, das über tägliche Kleinigkeiten wie Wecken, Zähneputzen oder den Gute-Nacht-Kuss hinausgeht. Doch dann fiel es mir wieder ein: Unsere Urlaube waren gespickt mit Ritualen!

In jedem Sommer meiner Kindheit fuhren wir für einige Wochen nach Spanien, um dort Urlaub am Meer zu machen. Da mein Vater selbst Spanier ist, kam für ihn lange kein anderes Land in Frage und recht schnell wurde ein bestimmter Ort das Ziel unserer Sommerferien. Meine Eltern lassen noch heute dort jeden September die Seelen baumeln.

Die lange Autofahrt von circa 17 Stunden wurde stets über Nacht und in einem Rutsch absolviert. Mein Bruder und ich schliefen auf der Rückbank, die mithilfe von Reisetaschen, der Kühlbox sowie Decken und Kissen zu einer möglichst großen Liegefläche umgebaut wurde. Ausgestattet mit je einer Tüte Haribo von Oma und Opa, diversen Sandwiches, Getränken, je einem Kassettenrekorder mit Batterien und Kopfhörern, unseren Kuschelkissen und Decken, verbrachten wir diese erste Nacht unserer Ferien auf der Autobahn.

Natürlich war die Hinfahrt aufregend. Während ich oft Probleme hatte, im Auto zu schlafen, vernichtete mein Bruder die Süßigkeiten, die wir von Oma für die Fahrt bekommen hatten innerhalb der ersten 50 Kilometer und ratzte dann was das Zeug hält. Noch heute erzählen wir uns die Anekdote, wie er einmal beim letzten Tankstopp auf deutschem Boden, an der Raststätte Schauinsland, wach wurde, dann bis zur Grenze zwischen Frankreich und Spanien schlief und dort behauptete: "Du Mama! Frankreich ist ein ziemlich kleines Land."

Wir trugen manchmal schon unsere Badesachen unter den bequemen Reiseklamotten. Da wir meist so früh ankamen, dass wir noch auf die Schlüsselübergabe warten mussten, galt unser erster Stopp einem Restaurant mit Pool, in den wir sofort sprangen.



































Der Urlaub selbst unterschied sich wohl nicht von den Strandurlauben der meisten anderen Menschen: Wir schwammen, lasen, spielten und genossen die Sonne. Da mein Vater schnorchelte und auch Tintenfische jagte, hielten wir uns hauptsächlich an Kiesstränden und Felsen auf. Ab und an wurde aber auch meinem Wunsch nach Sand nachgegeben. Dies hatte nicht nur den Vorteil, dass man weich und bequem liegen konnte, sondern auch, dass wir in einem Geschäft an der Promenade unsere geliebten Asterix-Hefte kaufen konnten.
Abends liebte ich das Gefühl, wenn ich, nach dem Tag im Salzwasser und in der Sonne, geduscht ein Sommerkleid anzog und wir alle zusammen an den Ständchen der Promenade entlang schlenderten.

Auf der Rückfahrt schließlich gab es ein weiteres Ritual. Sobald wir in unseren Ort einfuhren sagten mein Bruder und ich laut die Straßennamen und zuletzt die Hausnummern auf, bis vor unserer Haustür.

Als Jugendliche fand ich es manchmal doof, dass wir immer wieder nach Spanien fuhren, während Schulkollegen in den USA, im Jemen oder in Skandinavien Urlaub machten. Ich wollte Neues entdecken, meinen Horizont erweitern. Aber ich habe es irgendwie auch geliebt, dieses Gefühl, in ein zweites Zuhause zu kommen, anzukommen und einfach nur zu entspannen. Genau dabei helfen Rituale so sehr.

Ich weiß nicht, welche Reisen und Urlaube ich mit meinem Mann und meiner Tochter noch machen werde. Sicher wird es nicht jedes Jahr zum gleichen Ziel gehen. Aber das ein oder andere Mal werden wir sicher an geliebte Orte zurückkehren. In meiner Familie gibt es bisher eher Alltagsrituale, Abläufe, kleine Dinge, die uns das Leben erleichtern oder es schöner machen. Doch ich bin sicher, je älter meine Tochter wird, desto mehr besondere Rituale werden wir kreieren.

Eure Julia aus der guten Kinderstube