Freitag, 12. August 2016

5 Freitagslieblinge vom 12. August

Es ist Freitag, ich sitze in einem Café und habe es nach langem Hin und Her geschafft, ins Internet zu kommen, um euch meine Freitagslieblinge zu zeigen.

Mein schönster Moment für mich ist vielleicht gerade jetzt, denn diese Woche war da irgendwie nicht viel Zeit übrig. Ich war aber einmal alleine einkaufen und solche kleinen Dinge genieße ich mittlerweile ganz bewusst. Währenddessen waren Mann und Kinder am Brunnen unterwegs.



































Mein Lieblingsmoment mit meinen Kindern (und meinem Mann) war diese Woche unser Picknick in den Weinbergen. Nachdem das letzte Wochenende mit Krankheit bei mir und einem Treppensturz meiner Tochter wenig erholsam war, tat uns die gemeinsame Zeit besonders gut.

























Mein liebstes Essen ist zur Zeit so einfach wie möglich. Gerne ein Picknick oder Snackteller, die wir in die Mitte stellen, so dass sich jeder bedienen kann wie es ihm gefällt.

































Das Lieblingsbuch der Woche ist ein Zufallsfund aus der Bücherei. Tochterkind und ich haben Petronella Apfelmus die letzten Abende sehr genossen und sind beide gleichermaßen traurig, dass es ausgelesen ist.


































Meine Inspiration der Woche habe ich bei mamadenkt.de gefunden. Sie schreibt dort wunderbar offen und lösungsorientiert über die Erschöpfung die ihren Mann und sie "befallen" hat und ihren Weg da raus. Klare Leseempfehlung!

Weitere Inspirationen und Freitagslieblinge findet ihr immer bei berlinmittemom.com.

Eure Julia aus der guten Kinderstube



Montag, 1. August 2016

Unser Wochenende in Bildern

Eigentlich wollte ich einen Artikel über die Wichtigkeit von Auszeiten für Mütter schreiben und euch auf meinen #mamatanktauf Tag mitnehmen.
Da wir aber ein so wunderbares und volles Wochenende hatten und viele schöne Bilder gemacht haben, verbinde ich das mit dem Wochenende in Bildern, die Susanne von geborgen-wachsen.de jede Woche sammelt.

Am Samstag fuhr ich morgens nach Frankfurt zu meiner Herzensfreundin, die ich leider viel zu selten sehe. Also freute ich mich besonders. In der Paris Bar in Sachsenhausen habe ich mir zu allererst einen Kaffee gegönnt und die Ruhe für mich genossen. Da ich erst seit zwei Wochen wieder Kaffee trinke, ist das irgendwie besonders toll.


































Nach einem ausgedehnten Frühstück mit viel Schnacken machten wir uns auf den Weg zu meinem Lieblingsladen in Frankfurt, das Peggy Sue, in dem ich immer die allerschönsten Kleider finde. So auch das Kleid auf dem Foto. Dank des Mannes meiner Freundin waren wir bei schönstem Wetter mit einem Käfer Cabrio von 1979 unterwegs.




































Hm, hier auch noch mal mit Auto :-)



































Nachmittags hatten wir einen Termin zur Massage im Sabai Thai Spa, das ich sehr empfehlen kann. Zum Willkommen gab es einen leckeren Ingwertee.



































Nach Öl-Massage und Mani-Pedi (ich liebe diese Farbe) waren wir tiefenentspannt, aber völlig ausgehungert.



































Am Main gönnten wir uns eine Vorspeise und später wechselten wir zu Sushi. Sowas vermisse ich in der Kleinstadt wirklich sehr.



































Da ich meine Milchpumpe vergessen hatte und so langsam wirklich Schmerzen bekam, machte ich mich kurz vor Mitternacht auf den Nachhauseweg. Nach 900 ml abpumpen konnte ich dann gegen eins auch ins Bett. Wow, was für ein Tag!

Samstags stand ich als erste mit dem Sohnemann auf, der morgens meist gut gelaunt spielt.


































Danach starteten wir mit einem Frühstück bei meiner Schwiegermutter, wo auch die Großmutter meines Mannes zu Besuch war. Meine Tochter liebt vor allem den Garten ihrer Oma sehr.



































Hier muss man auch nicht lange nach dem Glück suchen.



































Tochterkinds Lieblingsbeschäftigung ist es, mit der Oma Blumen zu schneiden. So kam ich zu unserem sechsten Hochzeitstag auch noch zu einem wunderschönen Strauß.



































Die ersten Himbeeren konnten auch schon gepflückt werden.


































Der mittlerweile müde Sohnemann genoß unseren Spaziergang nach Hause, während Mann und Tochter die Uroma, die leider in Stuttgart wohnt, zum Bahnhof fuhren.


































Nachmittags besuchten wir noch die Cousine meines Mannes. Es gab Waffeln, die Mädels spielten toll miteinander und auch für den Babysohn gab es viel zu entdecken.


































Am Abend, nach schnellen Nudeln mit Soße und den Abendritualen schlief ich mit meiner Tochter im Familienbett ein. Leider war die Nacht mit fiebrigem Baby trotzdem nicht erholsam und der Morgen schon ein "Classic Monday", aber wir freuen uns trotzdem auf eine schöne Woche - und die wünsche ich euch auch.

Eure Julia aus der guten Kinderstube



Freitag, 29. Juli 2016

5 Freitagslieblinge am 29. Juli

In dieser Woche ist es mir besonders wichtig, meine Freitagslieblinge zu verbloggen, da ich noch stärker als sonst mein Augenmerk auf das Gute lenken will. Das Gute in meinem Leben, die Schönheit der Welt und die Dankbarkeit für die Privilegien, die wir genießen. #ausgründen

Mein Lieblingsmoment mit den Kindern


Zwar machen mich meine Kinder zur Zeit auch ziemlich müde, ehrlich gesagt, grenzwertig müde, aber sie sind auch jeden Tag ein Grund, mich zu freuen und dankbar zu sein. Es ist für mich ein großes Glück, dass wir hier (noch) kaum Unstimmigkeiten und sehr viel Geschwisterplüsch haben.



































Mein Lieblingsmoment nur für mich


Da es trotz Müdigkeit mit dem Schlafen derzeit einfach nicht so klappt wie ich es bräuchte, genieße ich die kurzen Auszeiten im Alltag besonders. Dazu gehört immer mal wieder auch, in meinem Bioladen einen Plausch zu halten, zu lesen und etwas zu trinken.



































Mein Lieblingsbuch der Woche 


Schon seit zwei Wochen lese ich an einem Buch, das ich mir schon Monate gewünscht und nun zum Geburtstag bekommen habe. Von der Erziehung zur Einfühlung von Naomi Aldort gefällt mir bisher sehr gut. Ich bin gespannt, ob ich daraus etwas in unseren Alltag transportieren kann.


































Mein Lieblingsessen der Woche


Manche Zeiten erfordern Comfortfood. Und Waffeln sind einfach herzerwärmend für mich. Da mein Sohnemann jetzt eigentlich immer mit uns isst und neben Brei am liebsten selbst Essen in der Hand hat, backen wir unsere Möhrenwaffeln immer ohne Zucker und bestäuben sie dann  für die "großen Esser" mit etwas Puderzucker. Comfortfood kann nämlich durchaus gesund sein. Dieses Mal gab es noch die wahrscheinlich letzten Erdbeeren dazu. Lecker!



































Meine Inspiration der Woche


Mein bescheidenes Lebensziel ist es übrigens, Weisheit zu erlangen. Deshalb lese ich immer wieder darüber, was als weise gilt und arbeite an mir. Es gilt heute als Fakt, dass alle Fähigkeiten zur Weisheit mit 25 Jahren vorhanden sind (oder nicht) und verkümmern oder ausgebaut werden können. Je nach vertretener Theorie gehören dazu unterschiedliche Fähigkeiten wie Humor, Reaktion auf Erfahrungen, Neugier, Residenz.

Auf jeden Fall geht es darum, offen zu sein, sich zu reflektieren und immer, immer zu lernen. Ich gelange bei meinen Recherchen von einem Thema zum nächsten und diese Woche hat mich der TEDx Beitrag von Brené Brown besonders inspiriert. Er ist ja nicht neu (von 2010), aber hat mich jetzt noch mal ganz stark berührt. Denn es geht darum, sich zu zeigen, Verletzlichkeit zuzulassen um wahre Verbindungen zu erleben.




Mann, ist das jetzt wieder spät geworden. Aber dafür habe ich es doch noch geschafft und das ist ein gutes Gefühl.
Weitere Freitagslieblinge von ganz verschiedenen BloggerInnen findet ihr wie immer bei berlinmittemom.de

Eure Julia aus der guten Kinderstube

Donnerstag, 21. Juli 2016

Unerzogen vs Erzogen - ein neues Minenfeld?

Seit einiger Zeit tauchen in meiner Filterbubble immer mehr Artikel zum Thema unerzogene Lebensweise auf. Ich freue mich über die meisten, sehe sie als Anregung, grenze mich eventuell davon ab oder nehme neue Impulse auf. Manchmal wird auch ein Thema, das ich schon oft durchdacht habe noch mal ganz anders beschrieben, so dass ich meine Gedanken dazu neu ordnen kann.

Die Reaktion auf diese Artikel ist aber bei weitem nicht nur positiv. Einige Bloggerinnen bekommen einen richtigen Shitstorm ab und werden richtig aggressiv angegangen. Wieder ein Mommywar? Ein neues Themenfeld, dass Eltern gegeneinander aufbringt?

Dogmatismus hilft keinem!


Erst konnte ich nicht verstehen, warum sich scheinbar sehr viele Leser von diesen Texten so angegriffen fühlen. Ich kenne einige der Autorinnen aus Facebookgruppen als "alte unerzogen-Hasen", die mir schon oft weitergeholfen haben. Aber bei einem zweiten Lesedurchgang, mit sensibilisierter Wahrnehmung, fand ich es offensichtlich. Die Texte sind oft in einem bestimmten Wording geschrieben. Da wird Gewalt im Sinne von Rosenberg benutzt und Erziehung in der Definition nach K.R.Ä.T.Z.A. Es sind viele Formulierungen darin, die von Lesern, die sich nicht schon ausführlich mit der Thematik befasst haben, leicht falsch verstanden werden können.



































In einzelnen Fällen liegt das Missverstehen eventuell auch am geschriebenen Wort, bei dem Mimik und Stimme fehlen, um Inhalte zu transportieren. In Bloggerkreisen kommt dann noch hinzu, dass ich dem einen oder der anderen Clickbaiting unterstelle. Je krasser formuliert und je härter die Lager, desto lauter die Reaktion und desto mehr Leser kommen vorbei.

Es ist denn auch so, dass manche Texte wirklich sehr krass formuliert sind. Sie führen nicht an das Thema heran, sondern stellen die Gedanken der Autorinnen als Fakten dar. Zumindest kann das so gelesen werden. Soll das mit Absicht provozieren? Ich weiß es nicht, aber es provoziert. Ich bin darüber sehr unglücklich, sogar verärgert, da dieser (scheinbare) Dogmatismus nur abschreckt und Lager verfestigt. Das hilft mal so gar keinem.


Diskussionen, die treffen.


Wir alle lesen Artikel, nicken, lachen, weinen, ärgern uns oder werden eventuell richtig wütend. Letzteres vor allem dann, wenn wir uns angegriffen fühlen oder wenn jemand in unseren Augen offensichtlichen Quatsch als Tatsachen hinstellt. 
Naja, ob es Quatsch ist, ist wohl auch eher mein Empfinden, denn der Autor hält seinen Text sicher nicht für Quatsch und hat sich vielleicht lange und ausführlich mit dem Thema befasst, verschiedene Quellen hinzugezogen und dann einen (nicht wissenschaftlichen) Blogpost verfasst, in dem er seine Gedanken schildert. Ich selbst will auch nicht nur Artikel lesen, bei denen keine Meinung erkennbar ist. Wenn ich Fakten kenne, die dem Text entgegen stehen, kann ich diese sogar mitteilen, in Dialog gehen. Aber stattdessen bin ich aufgebracht. Warum?

To put it where it hurts


Im Englischen bedeutet das, dass wir dazu neigen, Dinge, die wir hören oder lesen, mit den Erfahrungen in Verbindung zu bringen, die uns sehr verletzt haben. Ich selbst finde meinen Weg als Mutter, hin zu unerzogen, sehr schwierig. Ich bin noch immer oft verunsichert und habe akzeptiert, dass ich wohl nie ganz sicher sein werde. Hinzu kommen Verletzungen aus meiner Kindheit, meine Ängste und Emotionen, die mein limbisches System gespeichert hat und die sehr schnell hochkochen. 

Ein Beispiel: Einer der Texte behauptet (recht plakativ) Erziehung sei Gewalt. Klar, das ist harter Tobak. Denn, wenn ich selbst geschlagen wurde, also "echte" Gewalt erfahren habe und heute meine Kinder in meinen Augen liebevoll erziehe, dann will ich da nicht als gewalttätig bezeichnet werden! Genau das bin ich ja nicht! 
Oder jemand erzieht ganz bewusst, weil seine Eltern sich nie genug gekümmert haben. Und jetzt soll genau das gut gewesen sein? Nein, sicher nicht. Beziehung ist wichtig. Generell kenne ich kaum jemanden, der sich mehr Kopf um sein Familienleben macht und sich mehr mit seinen Kindern auseinandersetzt als mich selbst und andere unerzogene Familien. Also klar, dass diese Aussage als Angriff verstanden wird.

ABER: Schauen wir uns die Begriffe an wie sie in unerzogenen Kreisen genutzt werden.

Erziehung nach K.R.Ä.T.Z.A.


Erziehung ist eine planmäßige (absichtliche) und zielgerichtete Tätigkeit zur Formung meist junger Menschen. Erziehung findet also nicht bei jeder Kommunikation, bei jeder Beeinflussung, statt, sondern nur, wenn sich einer über den anderen erhebt und meint, ihn zu einem Ziel (hiner)ziehen zu dürfen oder zu müssen. Es gibt bei Erziehung immer ein Erziehungssubjekt und ein Erziehungsobjekt, den Ziehenden und den Gezogenen, den Erzieher und den Zögling, ein Oben und ein Unten. Der Erzieher stellt Ge- und Verbote auf, sorgt für deren Einhaltung und versucht, daß das Kind in der entsprechenden Zeit zu den gesteckten Zielen gelangt.
(Weitere Ausführungen findet ihr unter http://kraetzae.de/erziehung/)

Gewalt nach Rosenberg 


Den Begriff der Gewaltfreiheit nutzt Rosenberg im „Sinne von Gandhi: Er [Gandhi] meint damit unser einfühlendes Wesen, das sich wieder entfaltet, wenn die Gewalt in unseren Herzen nachlässt. Wir betrachten unsere Art zu sprechen vielleicht nicht als gewalttätig, dennoch führen unsere Worte oft zu Verletzung und Leid – bei uns selbst und anderen.“ 

Ich finde, mit diesen Definitionen liest sich der Satz völlig anders und greift mich auch nicht mehr an. Rosenberg selbst fand den Begriff gewaltfreie Kommunikation übrigens später nicht mehr so gut. Er sprach lieber von „Wertschätzender Kommunikation“ oder „Lebensfördernder Kommunikation”, denn es geht darum, die Lebendigkeit unserer Beziehungen zu stärken und damit unsere Lebensqualität zu verbessern.

Und nun?


Was mache ich mit meinen Gedanken dazu? Am liebsten würde ich ja alle Lager auflösen, den Dialog fördern und versuchen, konstruktiv mit Elternthemen umzugehen. Gerne würde ich grundsätzlich annehmen, dass mein Gegenüber seine Kinder liebt und sie liebevoll behandelt, erzogen oder unerzogen. Ich will nämlich auch andere Eltern nicht erziehen.
Manchmal wünsche ich mir eine Blogger-Talkrunde, in der solche Themen gut moderiert beleuchtet werden. Sollte ich einen Podcast starten?

Rangeln nach Regeln.


So hieß mal ein Kurs für 4-6 Jährige, bei dem Kinder lernen konnten, zu kämpfen ohne zu verletzten. Ob wir Eltern so einen Kurs auch mal besuchen sollten? Denn nicht jede Diskussion ist ein Mommy War. Fast immer sind es schlicht und einfach Diskussionen um sehr emotionale Themen, zu denen sich jeder seine Gedanken gemacht hat. Gedanken, keine Fakten. Jeder kommt aufgrund seiner Erfahrungen und der ihm vorliegenden Informationen zu unterschiedlichen Schlüssen. Und das ist ok, solange dabei niemand zu Schaden kommt. 

Uh, die nächste Schwierigkeit. Nur wer legt fest, was ein Schaden ist? 
Bin ich geschädigt, weil ich einfach im Kindergarten abgegeben wurde ohne Eingewöhnung? Weil ich bestraft wurde, wenn ich Fehler gemacht habe? Hat es mir geschadet, dass ich allein in meinem Zimmer (naja, mit meinem Bruder) schlief? 

Ich denke zum Beispiel durchaus, dass Ferbern Gewalt ist und wünschte, das bliebe Kindern erspart. Ich denke auch, dass Liebe empfinden und liebevoll handeln zwei sehr unterschiedliche Dinge sind. Es gibt Eltern, die ihre Kinder lieben und ihnen doch schaden. Wann ist es ok, mich einzumischen und wann sollte ich mich raushalten, weil es mich nichts angeht? Es ist einfach schwierig.

Ich wünsche mir auf jeden Fall mehr Wertschätzung und Anerkennung für alle, die sich so viel Mühe geben, gute Eltern zu sein. Ich wünsche mir, dass wir bei jeden Text, den wir lesen davon ausgehen, dass der/die Autor/in etwas Gutes im Sinn hatte. Oder dass wir Texte, die wir schlecht finden einfach ignorieren. Und ich wünsche mir Dialog statt Krieg.

Eure Julia aus der guten Kinderstube


Mittwoch, 6. Juli 2016

Mein Internet - Aber die Liebe ist die Größte unter ihnen

Ich sitze hier vor meinem Bildschirm und versuche, meine Gefühle zu sortieren. Mir hilft das Schreiben dabei, weil ich dadurch Zugang zu meinen Gedanken erlange und viele Details klarer hervortreten. Ich begebe mich dazu in mein Internet, einen virtuellen Ort, der angeblich ganz unpersönlich sein soll.

Oft habe ich schon gelesen, wie viel leichter es Menschen fällt, Hass über das Internet zu verbreiten. Hater laden ihren ganzen Hass, ihre Aggressionen, ihre Wut im Schatten der Anonymität und getrieben von der Deindividuation im Netz ab. Sie greifen Menschen an, rufen zu Straftaten auf und finden ekelhafter Weise schnell Anhänger.

Mein Internet, ein Ort der Liebe


Heute will ich aber über mein Internet schreiben und über etwas, das viel wichtiger ist als Hass. In diesem, meinem Internet verbreiten sich nämlich auch Liebe, Freundschaft, Hoffnung und gute Taten schneller als man es begreifen kann. Sie multiplizieren sich und werden sogar ins "echte" Leben transportiert.
Lover? Gutmenschen? Love Speech? Lovestorm? Ich weiß nicht, ob es für dieses Phänomen schon einen Begriff gibt, aber ich habe es schon mehrmals erlebt. Deshalb ist mir mein Internet ein so wichtiger Ort, mein Dorf, in dem wir einander helfen und uns unterstützen. Und zwar weit über Worte hinaus.










Seit ich blogge und intensiver bei Twitter und auch Facebook aktiv bin, bin ich immer wieder überwältigt von der Liebe, Unterstützung und Zuwendung in meinem Online-Clan. (geborgen-wachsen.de)
Es ist wahnsinnig, wie schnell Menschen, die sich eigentlich gar nicht kennen, bereit sind zu helfen. Das kann ein gutes Wort sein oder eine virtuelle Umarmung. Oft sind es auch oft ganz praktische Dinge. Ich bekam schon ein Buch geschenkt als ich mich mit dem Thema Zucker in der Ernährung beschäftigt habe und ein Stillkleid, einfach so, weil die Besitzerin fand, dass es zu mir besser passt. Auch ich habe schon Dinge verschickt, einfach, weil sie gebraucht wurden oder jemandem Freude bereiten sollten.

Denn diese Menschen, die ich "eigentlich ja gar nicht kenne", sind mir wichtig. Es sind gute Menschen, mit dem Herz am richtigen Fleck. Sie tun das, was angeblich in unserer Gesellschaft zu wenig getan wird: Sie stehen für einander ein.
Jeden Tag verbringen diese Menschen, meine Filterqubble, einen Teil meines Alltags mit mir. Sie wissen, wie es mir ungefähr geht und was in meinem Leben gerade los ist. Manche sind mir näher als einige Bekannte hier vor Ort. Einige habe ich tatsächlich schon getroffen und sie sind mir sehr ans Herz gewachsen.

Kleine Impulse, große Welle


In meinem Internet entstehen immer wieder richtige Wellen der Liebe und Solidarität. Wellen, die mir den Glauben an das Gute wiedergeben und mich tief bewegen.
Ich habe #BloggerfürFlüchtlinge miterlebt, bei dem viele Elternblogger und weitere Menschen aus dem Internet sich in kürzester Zeit vernetzt haben, um Spenden zu sammeln. Darüber hinaus entstanden ganz konkrete Projekte und Netzwerke, die zum Teil noch heute bestehen und wirken.

Ein weiteres Beispiel ist #einBuchfürKai, eine Aktion von Johannes Korten, bei der er ganz spontan Geld für Kai-Eric Filzner sammelte und zum Kauf dessen Buch aufrief. Hier könnte ihr mehr dazu lesen.

Wenn einer gehen muss


Vor einiger Zeit musste einer meiner Twitter-Menschen, @linsensicht, nach langer Krankheit seinen letzten Weg antreten - nach endlosen Chemos, Aufs und Abs, nach einem unvergleichlichen Kampf, mit beeindruckender Stärke, Humor und einer Lebenslust, die auf mich abgefärbt hat. Thea von Herz & Buch erfand für Chris den Hashtag #lichtfürlinsensicht, unter dem viele Twitterer ihm Bilder des Lichts schickten, die ihm an den dunklen Tagen seines Kampfes gegen die Krankheit Kraft gaben. Auch auf seinem letzten Weg begleiteten wir ihn unter #einlichtfürlinsensicht mit unseren Gedanken, Worten und Bildern (hier zusammengefasst).
Chris hinterlässt eine Frau und drei Kinder, die jetzt unsere Unterstützung, unser Licht brauchen.

Wer von euch die Familie unterstützen will, kann das hier tun. Es geht dabei nicht um große Summen, jeder Betrag ist willkommen und hilft der Familie in dieser Zeit. Außerdem hilft es, wenn ihr diesen Aufruf unterstützt und unter dem Hashtag #einLichtfuerLinsensicht weiterverbreitet. Lasst uns einmal mehr zeigen, dass die Liebe die Größte ist.

Eure Julia aus der guten Kinderstube



Freitag, 1. Juli 2016

5 Freitagslieblinge am 01. Juli

Puh! Endlich habe ich es mal wieder geschafft und achtsam fünf Momente im Bild festgehalten, die ich hier mit euch teilen möchte.

Mein Lieblingsbuch der Woche


Diese Woche ist das Buch Wochenbett von Loretta Stern und meiner Bloggerkollegin Anja Constance Baca (vonguteneltern.de) erschienen. Obwohl ich mit dem Thema nun schon durch bin, wollte ich es auf jeden Fall lesen und werde es danach verschenken. Mein Mann und ich haben uns zum Glück ganz gut eingefunden, damals, als unsere Tochter geboren war. Doch ich erinnere mich auch an einige Situationen, in denen mir ein wenig Vorbereitung geholfen hätte. Ich denke gerade beim ersten Kind, wo man ja noch Zeit für ein richtiges Wochenbett hätte, sind viele Eltern zu gestresst und überfordert, um es wirklich zu genießen. Vielleicht kann dieses Buch da helfen.


































Mein Lieblingsessen der Woche


Ich könnte zur Zeit jeden Morgen das Gleiche essen: Müsli. Schon lange suche ich ein Müsli, möglichst ohne Zucker oder Süßungsmittel, das mir und meiner Tochter schmeckt. Knuspermüsli hat leider meist viel Fett und Zucker und Müslis auf Haferflockenbasis finde ich wirklich langweilig. Deshalb mischen wir uns unser Müsli jetzt selbst und sind begeistert.

Wir nehmen:

  • Quark mit Milch verrührt
  • Reisflocken
  • Quinoa-Pops
  • gepufftes Amaranth
  • Sesam
  • Sonnenblumenkörner 
  • und nur für mich Rosinen


Das Müsli kann super durch andere Nüsse, Mandeln, Cornflakes oder Obst variiert werden und schmeckt uns einfach so lecker.















Mein Lieblingsmoment mit meinen Kindern


Mein Sohn entwickelt sich schneller als ich hinterher komme. Er ist jetzt 8 Monate alt, krabbelt schon seit Wochen, zieht sich hoch, läuft an Möbeln entlang, klettert auf Hocker und erklimmt sogar unsere (sehr steile) Treppe. Er hat vier Zähne, plappert wie ein Wasserfall, winkt freundlich Hallo und ist eben einfach ein flinker Kerl. Da tut es meinem Mamaherz wirklich gut, dass er noch immer am liebsten ganz nah angekuschelt einschläft. Mein Baby.















Meine Lieblings-Besonderheit der Woche


Ich hatte am Mittwoch Geburtstag und dieser Tag war so wunderschön, dass es einfach mein Highlight war. Mein Mann hatte spontan Zeit, so dass wir alle zusammen sein konnten - mein größtes Geschenk. Ich bekam ein tolles Geburtstagsfrühstück und im Anschluss machten wir einen Ausflug nach Wiesbaden. 














Mein Lieblings-Mama-Moment nur für mich


Ich achte zur Zeit sehr darauf, viele Momente für mich zu genießen. Denn die gibt es im Alltag ja doch, wenn man sich ihrer bewusst wird. Das kann ein Kaffee oder Getränk sein, das lesen eines Artikels oder einfach ein paar Minuten auf dem Hof in der Sonne zu sitzen. Mir helfen diese Momente tatsächlich sehr und sie machen mich wesentlich ausgeglichener.

So auch der wunderbare Moment bei meinem Geburtstagspicknick auf dem Neroberg. Himmel, Wolken, wenige Menschen, der Blick auf die Stadt, das Zwitschern der Vögel, die Sonne auf meiner Haut, etwas Wind, Kinderlachen - perfekt.


































Weitere #freitagslieblinge findet ihr bei Anna auf berlinmittemom.de
Und wie war eure Woche? Gab es einen besonderen Moment?

Eure Julia aus der guten Kinderstube



Freitag, 10. Juni 2016

Meine 5 Freitagslieblinge am 10. Juni

In dieser Woche zeige ich euch zum zweiten Mal meine #freitagslieblinge. Diese Aktion von Berlinmittemom gefällt mir immer besser, denn tatsächlich hilft sie mir, meinen Alltag bewusster wahrzunehmen und sogar zu gestalten. So war ich zum Beispiel extra noch in der Bücherei und habe ein weiteres Buch ausgeliehen. Außerdem habe ich einen Moment für mich ganz bewusst genossen. Also los:

Mein Lieblingsbuch der Woche


Nachdem ich das Buch von Sarah Kuttner nicht auslesen konnte, da ich es wieder in die Bücherei bringen musste und die Frist nicht verlängern konnte, habe ich mir neue Bücher geholt.
Ich lese sehr viele verschiedene Genres gerne, aber im Alltag ist ein seichter Roman doch immer noch am leichtesten zu verschlingen. Bei einem Urlaub auf Norderney habe ich zufällig aus einem Bücherschrank das Buch "Ein ganzes halbes Jahr" von Jojo Moyes mitgenommen. Das hat mir ganz gut gefallen, so dass ich jetzt gezielt nach dem zweiten Teil suchte. Den gab es natürlich nicht, aber dieses hier.


































Ich bin gespannt, ob es mir auch gefällt oder ob es mir dann doch zu seicht ist. Mal sehen.

Mein Lieblingsessen der Woche


Ich war in dieser Woche ziemlich traurig, da ein Twitter-Freund von mir am Dienstag gestorben ist. Wenn ihr bei Facebook oder Twitter seid, habt ihr vielleicht mitbekommen, wie viele Menschen unter #einlichtfürlinsensicht um Chris trauern. Doppelt schlimm finde ich die Vorstellung, dass er seine Frau und seine drei Kinder zurücklassen musste. Das bricht mir einfach das Herz. Schon während seiner langen Krankheit hat seine Frau die Rolle als Ernährerin der Familie übernehmen müssen. Finanziell war und ist das schwer. Deshalb gibt es einen Spendenaufruf, den ihr hier bei Hannes findet, falls ihr auch eine Kleinigkeit beitragen wollt.
Puh, zurück zum Essen. Ich brauchte dringend Comfortfood und das heißt bei uns oft: Zimtschnecken ala Frische Brise. Wir backen sie allerdings nicht auf dem Blech, sondern in einer Form, so dass sie hochgehen und fluffiger sind. Eher so wie wir sie aus Dänemark kennen. Leckerst!


































Mein Lieblingsmoment mit meinen Kindern


Am Montag waren wir bei Freunden im Garten. Es war ein richtiger Sommertag und die Kinder, meine Tochter (3,5), ihr Sohn (2), mein Sohn (7 Monate) und ihre Tochter (7 Monate) haben im Planschbecken gespielt. Es wurde gekichert, geplanscht und laut gejuchzt. Herrlich! So muss Sommer.








































Mein Lieblings-Mama-Moment nur für mich


Da mein Mann diese Woche noch in Elternzeit ist, hatte ich mehrere Momente für mich. Ich übe aber auch, mittendrin Momente für mich zu genießen. So zog ich mich aus dem Spiel der Kinder etwas raus und genoss bewusst meine selbstgemachte Limonade. Ich schaute in den Himmel, zu den Flugzeugen, ließ meine Gedanken wandern und beobachtete das fröhliche Treiben.














Meine Lieblings-Inspiration der Woche


Ich war mal wieder völlig inspiriert von der Ruhe und Intensität mit der meine Tochter Dinge übt. Dieses Mal wollte sie unbedingt ihre Wurst durchschneiden und hat das am Ende auch geschafft. Ihre Augen leuchteten und für einen Moment konnte ich darin Glück uns Stolz sehen. Solche Momente habe ich nur noch sehr selten. Meist bin ich mit meinen Leistungen nicht zufrieden oder mache einfach nichts Neues. Aber meine Kinder inspirieren mich immer wieder.


































Weitere #freitagslieblinge findet ihr bei berlinmittemom.
Was waren eure Lieblinge in der letzten Woche?

Eure Julia aus der guten Kinderstube



Freitag, 3. Juni 2016

Meine 5 Freitagslieblinge am 03. Juni 2016

Gerade komme ich innerlich wieder in Deutschland an und überlege, wie ich all das Erlebte unserer Reise peu a peu verbloggen könnte, da erinnert mich die zauberhafte Anna von berlinmittemom.de an ein viel wichtigeres Vorhaben: Ich will mir ab jetzt noch viel bewusster machen, was mir im Alltag Gutes widerfährt.
Sie startet nämlich in dieser Woche die neue Reihe "Meine 5 Freitagslieblinge" und hat mich eingeladen, daran teilzuhaben.

Worum geht es?

Jeden Freitag stelle ich euch hier meine 5 Freitagslieblinge vor, nämlich:
  • mein Lieblingsbuch der Woche
  • mein Lieblingsessen der Woche
  • meinen Lieblingsmoment mit meinen Kindern
  • meinen Lieblings-Mama-Moment nur für mich und
  • meine Lieblings-Inspiration der Woche
Für mich bedeutet das, das ich die ganze Woche über achtsam sein werde. Welche Momente erlebe ich gerade? Habe ich Zeit für mich? Was passiert bei meinen Kindern gerade besonderes? Was inspiriert mich?
Und genau das habe ich mir auf der Reise unter anderem vorgenommen: Mehr Achtsamkeit mit mir, in unserem Alltag. Danke Anna für Deinen kleinen Schubs.

Mein Lieblingsbuch der Woche


Tja, wenn ich es schaffen würde, jede Woche ein Buch zu lesen! Es könnte also sein, dass an dieser Stelle des Öfteren auch Kinderbücher erscheinen. Heute aber nicht, denn schon auf der Reise habe ich angefangen, das 180 Grad Meer von Sarah Kuttner zu lesen und bisher gefällt es mir ganz gut. Die Protagonistin ist mir trotz ihrer etwas düsteren Grundstimmung sympathisch und ich möchte wirklich wissen, wie sie sich weiter entwickelt.





















Mein Lieblingsessen der Woche


Ich kann sie jedes Jahr kaum erwarten: Die Erdbeerzeit! Ich liebe Erdbeeren und verschlinge sie im Frühsommer kiloweise. Dabei achte ich darauf, dass sie direkt hier aus der Region kommen und verkneife mir importierte und überteuerte Früherdbeeren, die ohnehin nicht schmecken. Am Mittwoch war es dann endlich soweit. Hmmmm...



















Mein Lieblingsmoment mit meinen Kindern


Zur Zeit könnte ich in dieser Kategorie wohl Dutzende Fotos mit euch teilen, denn hier gibt es viel Geschwisterplüsch, Kuschelei und mein Sohn lernt täglich so viel dazu, dass ich kaum hinterher komme. Heute aber gab es einen ganz besonderen Moment und ich habe tatsächlich daran gedacht, schnell mit dem Handy ein Foto zu machen. Auf dem Weg vom Kindertanzen nach Hause ließen mein Tochterkind und ich uns sehr viel Zeit. Es hatte geregnet und duftete intensiv nach Blumen und Sträuchern, nassem Boden und warmem Regen. Wir betrachteten die Bäume auf unserem Weg und unterhielten uns ganz ruhig und ernsthaft, alberten aber im nächsten Moment schon herum und ließen natürlich auch keine Pfütze aus.


















Mein Lieblings Mama-Moment nur für mich


Diese Momente wieder öfter und intensiver zu erleben, ist eins meiner großen Vorhaben. Vor unserer Reise war ich nicht nur müde, ich funktionierte oft nur noch. Das heißt nicht, dass ich nicht jeden Tag auch glücklich war, verliebt in meinen Mann und meine süßen Kinder, aber ich merkte, wie mir grundsätzlich Energie fehlte, ich öfter launisch, geradezu aggressiv wurde. Schon lange sehne ich mich nach einem Netzwerk, einem Dorf, einer Kommune, denn ich brauche dringend Entlastung, Unterstützung und Austausch. Im Netz finde ich das, aber leider ersetzt Twitter keine Begegnungen im analogen Leben. Daher werden mein Mann uns gegenseitig mehr Freiräume schaffen und auch uns als Paar wieder mehr und intensivere Zeit zusammen ermöglichen. 
Deshalb ging ich gestern alleine einkaufen und gönnte mir anschließend eine kleine Pause in meinem Bioladen.



















Meine Lieblingsinspiration der Woche


Mein Mann und ich haben viel darüber gesprochen wie wir unser Familienleben wieder aktiver gestalten können. Das Leben soll uns nicht einfach passieren oder noch krasser formuliert: Ich will mein Leben nicht absitzen und warten, bis ich wieder mehr Zeit für mich habe, die Kinder größer sind etc. 
Dazu passt das heutige Zitat im Juul-Kalender, der in unserem Flur hängt, sehr gut. Denn es geht darum, dass wir alle in unserer Familie für einander wertvoll sein dürfen, können, sind.


























Weitere Links zu den #freitags5 anderer Blogger findet ihr hier.
Und was waren eure Wochenlieblinge?

Eure Julia aus der guten Kinderstube



Dienstag, 17. Mai 2016

Leben mit der #schwiegermutter

Heute gibt es eine Premiere in der guten Kinderstube:
Meine liebe Petra von allerlei-themen Schreibt bei mir an ihre Ex-Schwiegermutter. Ein Thema, das mich sehr bewegt und traurig macht, denn eigentlich wünschen wir uns doch alle nur ein wenig Respekt, Wertschätzung und Unterstützung, oder?
Da ich hier auf Bali so große Schwierigkeiten mit dem Internet habe, kommt der Beitrag eigentlich zu spät für die Blogparade bei top-elternblogs. Aber ich verlinke da jetzt trotzdem noch ganz frech und ihr könnt dort noch weitere Texte zum Thema finden. Jetzt erhält aber Petra das Wort: 

Liebe Ex-Schwiegermutter,

ich weiß gar nicht, ob du mein Blog kennst, aber um „sicher“ zu gehen, dass du ihn nicht direkt liest, steht dieser Beitrag nicht bei mir. Nun ja, wenn du ihn findest, ist das so, aber ich nutze die Gelegenheit, dir noch mal einen Brief zu schreiben, der dich vielleicht nicht direkt erreicht. Ich möchte mir einfach noch mal alles von der Seele schreiben, subjektiv, ungeschönt und vermutlich ziemlich unfair. Denn es ist ja nur meine Sicht der Dinge...

Als wir uns kennen lernten, hatten wir direkt einen schlechten Start. Ich war bereits schwanger und wir beichteten dir dieses eigentlich von uns ersehnte und freudige Ereignis am gedeckten Tisch. Ich weiß, du hast hart für dich und deine Kinder gearbeitet. Du hast ähnlich entbehrlich gelebt, wie ich heute.

Aber im ernst, du hast 3 Stunden geschwiegen. Es war keine Reaktion zu sehen. Nichts. Du warst einfach nur geschockt. Und dann ein „ja dann guckt mal“...

Mir tat es im Herzen weh. Und deinem Sohn auch. Gemerkt hast du es nicht.

Im Grunde war dieses Schweigen der Grundstein für unsere schlechte Beziehung, die wir die nächsten Jahre hatten. Denn was dann folgte waren krampfhafte Besuche, komische Gespräche und viele Momente, die ich ganz furchtbar fand. Dir ging es wohl ähnlich. Schade eigentlich.

Was genau mich stört? Du bist jemand, der überhaupt nicht wahrnimmt, dass andere Personen eine Privatsphäre, eine eigene Meinung haben oder sogar einen gewissen Abstand brauchen. Wie kann man andere nur so übergehen? 

Du brauchst Beispiele? Es gibt so viele, aber was mir wirklich im Gedächtnis geblieben ist: Ich habe dich in all meiner Zeit in deinem Haus mit meinem Kind nur einmal allein gelassen. Da nahmst du dir raus, ein Medikament zu geben. Einfach so! Wie kannst du mich nur als Mutter so sehr übergehen und so etwas gefährliches tun?
Von all den „unsinnigen“ Geschenken beispielsweise, die du in der Zeit gemacht hast, will ich gar nicht reden. Denn andere fänden mich undankbar. Allerdings frage ich mich bis heute, warum du alle Klamotten immer in 2 Größen größer kaufst? Hauptsache dein Enkel zieht DEINE Geschenke an und ich habe nicht die Chance, eigene Tshirts zu kaufen?

Aber all diese Kleinigkeiten sind für mich nichts im Vergleich zu meinem letzten Gespräch mit dir.

Du sagtest mir, ich habe deinem geliebten Sohn das Kind untergejubelt. Du sagtest, du als Großmutter seist wichtig und ich müsste meine Ansprüche und Wünsche als Mutter eben hinten anstehen. DU hättest das schließlich auch immer gemacht. Abgesehen davon sei ich die UN-höflichste und undankbarste und egozentrischste Person, die dir je untergekommen sei. All das hast du immer wieder betont…

Ich kann bis heute dieses Gespräch nicht 100% wiedergeben und nicht überdenken, ohne entweder Tränen oder Kopfschmerzen zu bekommen. Ich kann bis heute nicht nachvollziehen, wie du dir überhaupt nur ansatzweise diese Frechheiten raus nehmen kannst. Am liebsten würde ich dich aus meinem Leben streichen!

Aber ich kann es nicht!
Mein Sohn mag dich. Er mag seine Oma, bei der er alles darf. Er mag die Oma, die ihn mit Geschenken überhäuft und in deren Garten er ALLES machen darf. Denn auch Regeln gibt es bei dir nicht (ich bin ja die strengste Mama der Welt).

Aus Liebe zu meinem Sohn bist du also noch Teil meiner Welt. Auch wenn ich jetzt noch nicht weiß, wie ich die Einschulung nächstes Jahr mit dir überstehen soll? (Wer dazu Ideen hat, bitte kommentieren!)

Dennoch, für etwas bin ich sogar DIR dankbar. Denn es liegt mir, dass ich mir aus jeder Situation etwas Gutes heraussuche. Da kannst du noch so oft das Gegenteil behaupten. Also bin ich dankbar für dieses letzte Gespräch! Denn seit dem Moment ist meine Wut auf deinen Sohn verraucht. Egal wie er sich benimmt, wie dämlich wir aneinander vorbei reden, ich bin nicht mehr sauer! Einfach so.
Stattdessen habe ich Mitleid mit ihm! Mitleid mit einem Sohn, der so viel Etikette eingeimpft bekam, dass er selbst gegen die kleinste Anweisung rebelliert. Mitleid mit einem Mann, der niemals gut genug war und niemals die Anerkennung erlangte, die er verdient!
Also danke, dass du mir gezeigt hast, dass der Vater meines Kindes nicht immer etwas für sein Verhalten kann. Das hilft mir sehr.
Du allerdings: Bitte sprich nie wieder mit mir!

Donnerstag, 21. April 2016

Urlaub mit Kindern

Als ich noch keine Kinder hatte sehnte ich mich oft nach Urlaub und war voller Fernweh. Ich bin immer gerne gereist. Ich liebe es, früh aufzustehen, am liebsten noch im Dunkeln, alles einzuladen und mit dem Auto, dem Zug, dem Flugzeug an ganz neue, unbekannte Ziele zu gelangen. Reisen ist für mich etwas, was mir keiner mehr nehmen kann. All die neuen Erfahrungen, Eindrücke und Bilder sind tief in mir abgespeichert und bereichern mein Leben für immer.

Meine letzte richtig große Reise ist schon viel zu lange her. 2006 war ich mit meinem Mann, damals noch meinem (recht neuen) Freund, in Asien unterwegs. Wir bereisten Thailand, Laos und Kambodscha, ritten auf Elefanten, fuhren mit dem Roller durch Ananasplantagen, tanzten im Monsun, bestiegen Tempel und lernten herzliche Menschen kennen. Es war ein kleines Abenteuer mit vielen ersten Malen. Einfach wunderbar.


































Seit wir Kinder haben, sieht das Thema Reisen allerdings anders aus. Wir waren bisher meist maximal eine Woche weg, zu Besuch bei Freunden oder der Familie. Im einzigen Urlaub zu dritt (also bevor unser Sohn geboren wurde), merkten mein Mann und ich, wie anders es ist, als Eltern Urlaub zu machen. Komischer Weise war uns das vorher in dem Ausmaß nicht klar gewesen.

Das Reisen ist anstrengender.


Mit Kind überlegen wir genau, wo wir hinfahren und wie weit die Anreise ist. Bei Autofahrten müssen ausreichend Pausen eingeplant werden, Kinderbespaßung darf nicht fehlen und einfach mal ein Mix-Tape rein und über die Autobahn sausen ist auch nicht mehr drin. Mit dem Zug fahren wird zum logistischen Horror, da die Plätze im Kleinkindabteil trotz Reservierungen bisher immer voll oder unerreichbar waren: Ich sage nur umgekehrte Wagenreihenfolge! Mit Kind, Kinderwagen und Gepäck ist es nämlich unmöglich, das Kleinkindabteil zu erreichen, wenn man an einer anderen Tür des Zuges eingestiegen ist.

Gepäck, Gepäck, Gepäck


Was nimmt man nicht alles mit, wenn man mit Kindern verreist? Klamotten, Windeln, Spielzeug, Laufrad, Kinderwagen, Tragetuch, Rucksack, Trinkbecher, Regenklamotten, Sandeimer und Schaufel... Selbst unsere Familienkutsche ist da schnell am Limit. Vom Reisen mit dem Zug, inklusive mehrmals umsteigen, brauche ich da wohl gar nicht zu sprechen.

Die Schlafsituation


Klar, schon früher konnten schlechte Betten uns den Urlaub zumindest ein wenig vermiesen. Doch mit unseren Kindern wird es immer schwerer, eine wirklich erholsame Schlafsituation herzustellen. Zuhause nächtigen wir im 2,70 m breiten Familienbett plus Beistellbett für den Sohn (nicht, dass er da allzu oft drin liegen würde). Das kriegen wir aber in keinem Feriendomizil auch nur annähernd hin. So müssen mein Mann und ich uns meist aufteilen, es werden abenteuerliche Rausfallschutzwälle gebaut und meist wird es ziemlich eng. Nicht gerade erholsam. Ach ja...

...Erholung?


Am Strand liegen, stundenlang lesen, ausschlafen, über Märkte schlendern, entspannt Essen gehen - ihr merkt es schon selbst, nicht wahr? Mit kleinen Kindern sieht das Urlaubsprogramm ganz anders aus. Mehr Schlaf ist nicht drin und wo sie zuhause einfach mal spielen, wollen sie in der ungewohnten Umgebung alles gemeinsam machen. Da bleibt uns Eltern noch weniger Zeit zur Entspannung als sonst schon.

Warum wir trotzdem verreisen?


Weil diese gemeinsame Zeit, das gemeinsame Entdecken ein großes Geschenk ist. Wie so oft im Elternleben geht es darum, sich darauf einzulassen und zu genießen, was jetzt und hier ist. Das Leben mit kleinen Kindern ist voller Wunder, Glück, Lachen und Liebe. Und auch wenn es anstrengend ist und ich durchaus im Café mal voll Neid auf die Frau im Sessel mit dem Buch in der Hand schaue, weiß ich, dass wir mit unseren Kindern Erinnerungen schaffen, die uns vielleicht sogar im Alter tragen.

Deshalb werden wir unsere Elternzeit auch nutzen, eine größere Reise zu unternehmen. Ich bin zwar ziemlich aufgeregt und glaube das Ganze erst, wenn wir wirklich im Flugzeug sitzen, aber wir werden den ganzen Mai auf Bali und am Ende in Singapur verbringen. Nicht ohne Grund nenne ich unsere Elternzeit ja auch #pleiteaberglücklich.

Eure Julia aus der guten Kinderstube






Donnerstag, 31. März 2016

Glücklich aber pleite - Wir machen Elternzeit

Ich war müde. So so müde.

Klar, das wusste ich vorher schon, dass ich müde sein würde. Mit Baby sind das doch fast alle und da ich ja auch noch ein Kleinkind habe, kann ich nicht mehr "schlafen, wenn das Baby schläft". Zeit ganz ohne Kinder? Gibt es für mich nicht mehr. Erholung heißt jetzt, nur ein Kind bei sich zu haben. Natürlich bin ich auch glücklich und verliebt - in meinen Mann, in meine Tochter, in meinen so so süßen Babysohn. Ich mag meine Familie und ich bereue es auf keinen Fall, Mutter zu sein. Ich lache täglich, bin täglich glücklich und fühle mich gesegnet. Dennoch war zuletzt nicht alles rosig.

In den letzten Monaten ist fast alles auf der Strecke geblieben, was mich sonst neben meinen Kindern ausmacht und ich merkte so langsam, wie etwas kippt. Zum ersten Mal fand ich das Muttersein nicht nur mal anstrengend, ich war zeitweise richtig genervt, ungeduldig und manchmal richtig fertig. Mir fehlte die Kraft und die Muse zu bloggen, zu lesen, zu nähen oder sonst irgendetwas für mich zu tun. Der Herbst und der Winter waren retrospektiv zu einsam für meinen Geschmack, aber dazu noch an anderer Stelle mehr.

Mein Mann und ich sind ein gutes Team, doch auf einmal lebten wir zu sehr aneinander vorbei: ich in der Baby-Kleinkind-Blase, er draußen, in der Arbeitswelt. Nach der Geburt unserer Tochter hatten wir Monate gemeinsame Zeit, da ich Elternzeit hatte und er sich ein Freisemester im Studium nahm. Dieses Mal hatten wir drei Wochen bevor ich allein Zuhause war. Wie schwierig das für uns war, fiel uns gar nicht sofort auf, es schlich sich eher ein, durch die Hintertür. Denn trotz Müdigkeit klappte anfangs alles gut. Die Babyeuphorie half mir sicher ebenso wie die Tatsache, dass die wochenlangen Schmerzen endlich deutlich weniger wurden.

Endlich gemeinsam Zeit verbringen - ohne Druck.


































So richtig gemerkt habe ich die Belastung deshalb erst als unsere Elternzeit schon greifbar nah war. Ich wurde immer gereizter und ungeduldiger und wollte einfach nur diese Entlastung spüren. So groß war auf einmal der Druck geworden. Die Schwangerschaft war körperlich und psychisch extrem anstrengend für mich gewesen, das Wochenbett kurz und meine Kraftreserven erschöpft.

Deshalb bin ich mehr als froh, dass wir uns entschieden haben, Elternzeit zu nehmen. Mein Mann ist drei Monate voll zuhause und wird danach evtl. den Sommer über noch die Stundenzahl etwas runterschrauben. Seit fast zwei Wochen ist er jetzt nicht mehr arbeiten gewesen und langsam kommt in unseren Köpfen an, dass er nicht schon am Montag wieder weg sein wird. Ein tolles Gefühl.

Müde bin ich noch immer, aber irgendwie doch entspannter. Meine Energie kehrt langsam zurück, draußen kehrt der Frühling ein, ich habe mal wieder genäht und wie ihr seht: Ich blogge endlich wieder. In meinem Kopf sind so viele Texte verschwurbelt abgespeichert, die raus wollen und nun endlich nach und nach raus dürfen.
Gleichzeitig nehme ich mir jetzt die Zeit, nachzudenken. Denn auch wenn drei Monate Familienzeit toll sind, gehen sie vorbei und offensichtlich brauchen wir Änderungen in unserem Alltag, um zufrieden zu sein. Daran wird jetzt gearbeitet. Wie? Erstmal fahren wir ein paar Tage nach Berlin...

Eure Julia aus der guten Kinderstube





Samstag, 13. Februar 2016

Meine zweite Geburt - mit Hypnobirthing

TRIGGERWARNUNG: Schmerzhafte Geburt
Liebe schwangere Frauen, liebe Frauen, die vielleicht noch schwanger werden wollen oder könnten: Lest hier nicht weiter. Schaut euch schöne Geburtsberichte an oder gar keine und bleibt bei euch.

Für alle anderen, die es interessiert, kommt hier nun mein (langer) Geburtsbericht.

Ende Oktober wurde mein Sohn durch mich geboren - per Kaiserschnitt. Denn obwohl ich mich mit allen mir bekannten Mitteln auf eine natürliche Geburt vorbereitet hatte und wochenlang mit meinem Mann Tiefenentspannung und Hypnose-Anker eingeübt habe, war mir keine auch nur annähernd schmerzfreie oder leichte Geburt vergönnt.

Aber eins nach dem anderen. Wie ich euch hier berichtet habe, tauchte bei meiner Suche nach einer Hebamme zu Anfang meiner Schwangerschaft eine ungeahnte Trauer in mir auf. Die Geburt meiner Tochter war überhaupt nicht so verlaufen wie ich es mir gewünscht hatte und ließ mich verletzt, unsicher und in einer Art Opferhaltung zurück. Gespräche mit meiner Hebamme waren ein erster Schritt zur Verarbeitung. Zusätzlich entschieden wir uns als Vorbereitung auf die zweite Geburt für einen Hypnobirthing-Kurs. Nach langer Suche und vielen Absagen landeten wir bei Flurina Tanzeglock, die in unserer Nähe arbeitet und für die vier Coaching-Einheiten zu uns nach Hause kam.

Das Buch von Marie F. Mongan hatte ich bereits gelesen und auch die Entspannungsübungen auf der beiliegenden CD hörte ich mir fleißig an. Bei den vier Einheiten machten wir verschiedene Übungen, Flurina erklärte uns noch einmal viele Details zur Geburt und beantwortete mir, vor allem aber auch meinem Mann wichtige Fragen. Sie konnte uns Ängste nehmen, bestärkte uns als Paar, mich als Frau, die für eine Geburt gemacht ist und führte meinen Mann in die Rolle des Geburtspartners ein. Es tat unendlich gut und ich begann sogar, mich auf die bevorstehende Geburt zu freuen.

Doch schon während der Schwangerschaft hatte ich ab und an Probleme, bei den Übungen wirklich zu entspannen. Abends hatte ich mit heißen Händen und Füßen zu kämpfen, die während der Hitzewelle geradezu unerträglich waren. Unruhe, sehr starke Rückenschmerzen, Hitze... und dann kamen Zweifel. Wenn mich diese Dinge von der Tiefenentspannung abbrachten, wie sollte ich sie dann unter der Geburt erlangen? Ich übte weiter, passte Texte für mich an, suchte mir Musik, die mir gefiel und vertraute darauf, dass auch mein Körper für das Gebären gemacht ist und alles gut wird.

Freitagmorgen, 2 Uhr wachte ich auf, weil mein Tochterkind stillen wollte. Ich hatte in der Nacht bereits kleinere Wellen gehabt, aber durch das Stillen wurden sie deutlich stärker. Ich freute mich, denn die Wellen kamen und gingen nun alle 5-10 Minuten und hielten mich vom Schlafen ab. Ich war mir sicher, dass mein Sohn den Startschuss gegeben hatte. Als meine Tochter wieder eingeschlafen war, stand ich auf und machte es mir im Wohnzimmer bei gedimmtem Licht bequem. Ich hörte meine Tiefenentspannungs-CD und Musik, tanzte bei stärkeren Wellen und ruhte mich immer wieder auch aus. Gegen 6 Uhr waren die Wellenabstände so bei 4-5 Minuten. Ich fühlte mich gut, hatte aber Sorge, dass es von jetzt auf gleich mehr werden könnte und dann nicht vorbereitet wäre. Also kontaktierte ich meine Mutter, dass ich mich wohler fühlen würde, wenn sie schon mal käme und weckte meinen Mann, damit er duschen und die Kliniktasche packen konnte.

Als ich meine Hebamme anrief ging sie mit den Worten: "Das ist jetzt aber ganz schlecht!" ans Telefon und im Hintergrund hörte ich lautes Tönen. Sie versprach mir, mich zurückzurufen, sobald es ging und das tat sie dann auch. Wir vereinbarten, dass sie in der Klinik alles fertig machen und dann gegen 10 Uhr bei uns sein würde, um nach mir zu sehen. Meine Mutter kam, meine Tochter wachte auf, es wurde gefrühstückt, aber alles nahm ich nur am Rande wahr. Ich war bei mir, es ging mir gut und ich hoffte, dass mein Körper diesmal loslassen würde, da ich mich entspannte und bewegte.

Um 10.30 Uhr kam Silke, meine Hebamme und begrüßte mich freudig. Ich merkte ihr ihre Müdigkeit kaum an, obwohl sie, wie ich später erfuhr, in den Tagen zuvor drei andere Frauen begleitet hatte. Sie fragte mich, ob wir ein CTG machen wollen und eine Untersuchung. Das CTG ließ ich zu, die Untersuchung wollte ich selbst gerne, weil ich einfach so neugierig war. Als sie mir sagte, dass der Muttermund bei 2cm war, war ich leider sehr enttäuscht. Sollte es doch wieder werden, wie beim letzten Mal? Nein, es ging mir gut, ich wurde nett behandelt und betreut. Ich bestimmte, was gemacht wurde. Alles würde gut werden.

Silke fuhr nach Hause, um sich noch etwas auszuruhen und ich beschloss irgendwann, dass ich in die Badewanne wollte. Dort wurden die Wellen nach und nach stärker und ja, auch schmerzhafter. Eine nahezu schmerzfreie Geburt würde das nicht werden. Aber mir war es ja vor allem auf die Selbstbestimmung angekommen. Ich atmete in die Welle hinein, hatte das Gefühl, mit dem Schmerz arbeiten zu können. Meine Mutter saß oft bei mir und irgendwann sagte ich ihr, dass ich gerne ins Krankenhaus fahren würde, weil ich sonst Angst hätte, die Fahrt dorthin nicht gut zu schaffen.

Silke kam wieder und mittlerweile veratmete und vertönte ich die Wellen. Wir machten uns auf den Weg. Im Auto schätzte ich die Wellen ab, die ich bis zur Klinik haben würde und zählte rückwärts, denn im Sitzen war es sehr unangenehm. Den Weg vom Auto zum Kreißsaal brachte ich mit Silke gut über die Bühne - ohne dass es mir allzu peinlich war. Diesmal war ich sicher, dass ich nicht ohne mein Kind nach Hause fahren würde. Ich zog mir mein Kleid an und stimmte dem mobilen CTG zu.
Von nun an fällt es mir wirklich schwer, alles chronologisch zu schreiben. Ich arbeitete mit den Wellen, mein Mann zählte für mich rückwärts, ich ging in die Wanne und alles lief zwar langsamer als erhofft, aber gut.

Nach einiger Zeit in der Wanne, es war so 17-18 Uhr schätze ich, wurde ich müde. Silke und ich überlegten, welche Möglichkeiten es gab, mir ein wenig Pause zu verschaffen und einigten uns auf einen Schmerztropf. Ich kam aus der Wanne und erhielt die Infusion, die die Wellen für kurze Zeit etwas sanfter erscheinen ließ. Silke untersuchte mich noch mal: 6-7cm.
Die Wellen wurden stärker, immer stärker. Ich stand fast die ganze Zeit, weil das die angenehmste Position war, nur wurde ich dadurch auch immer müder, die Schmerzen immer stärker. Ich wollte keine Musik, nichts, nur mich auf meinen Atem konzentrieren und visualisieren, wie sich mein Muttermund öffnet. Mein Mann setzte Anker, aber das machte leider keinen Unterschied. Als ich wirklich müde wurde, legte ich mich aufs Bett. Silke untersuchte mich und es hatte sich nichts getan.

Wir entschlossen uns, die Fruchtblase zu öffnen, was die Wellen noch intensiver werden ließ. Silke bat mich, verschiedene Positionen einzunehmen, da der Kindskopf noch immer nicht nach unten rutschen wollte. Meine Kräfte schwanden mit jeder Welle und ich verlangte nach einer PDA. Ich dachte mir, so bekäme ich eine Pause, könnte ausruhen und hätte am Ende Kraft, mein Kind zu gebären. Also bekam ich die PDA, nur leider wirkte sie nicht, bzw. nur ganz, ganz leicht. Ich brüllte mittlerweile bei jeder Welle, weil ich nur so genügend Kraft hatte. Eine Stunde später zog die Anästhesistin an der PDA, doch trotzdem wurde nichts anders. Ich war furchtbar enttäuscht, weil ich keine Pause bekam und verzweifelt, weil ich merkte, wie meine Kraft schwand.

Gegen 23 Uhr wurde ich mehrmals unter den Wellen untersucht, was für mich extrem schmerzhaft war. Ich war noch immer bei 7 cm und der Kopf war nicht im Becken. Ich war am Ende, völlig verzweifelt und sagte, dass ich einen Kaiserschnitt wollte. Mein Körper fühle sich nicht mehr an, als hätte ich die Kontrolle, ich ertrug ihn nur noch, während sich mein Bauch anfühlte als würde er mein Inneres nach außen stülpen. Silke versuchte mich zu motivieren, ich hätte es bald geschafft, ich sei so weit gekommen. Klar, wahrscheinlich sind viele Frauen an einem Punkt überzeugt, es nicht mehr zu schaffen und hinterher froh, dass die Rufe nach dem Kaiserschnitt ignoriert wurden. Ich kam mir vor, als wolle mir niemand helfen. Ich konnte nicht mehr. Nicht mal meinen Mann wollte ich noch um mich haben. Die Ärztin untersuchte immer wieder unter den Wellen bis ich sie anschrie, das endlich zu lassen.

Um 1 Uhr war der Stand noch immer der gleiche. Die Ärztin wollte als letzten Versuch einen Wehentropf anhängen, was ich aber verweigerte. Also wurde meinem Wunsch nach dem Kaiserschnitt (endlich) nachgegeben. Im OP bekam ich eine Spinatanästhesie, obwohl mir ja vorher gesagt worden war, die PDA läge gut. Die Anästhesieschwester war ein unmöglicher Drachen, aber als meine Schmerzen endlich weg waren, konnte ich mich nur noch freuen, dass ich gleich meinen Sohn sehen würde.

Mein Mann war bei mir und streichelte meinen Kopf als ich um kurz vor 2 Uhr unseren Sohn per Kaiserschnitt gebar. Bei seinem ersten Ton, fing ich an zu weinen. Wenig später hielt ich ihn in meinem Arm und er schaute mich ruhig und großäugig an, so wie es seine Schwester damals getan hatte. Mein Mann nahm ihn mit zum Kreißsaal, wo die beiden erst einmal ausgiebig kuschelten, während ich im OP versorgt wurde. Also ich dazu kam, stillte ich meinen Sohn zum ersten Mal. Ich roch an ihm, kuschelte mit ihm, sah ihn neugierig an. Er wurde gewogen und gemessen als ich soweit war und kam dann direkt wieder unter meine Decke.

































Ich bin nicht glücklich darüber, dass die Geburt so gelaufen ist wie sie es ist. Aber dieses Mal kann ich gut damit leben. Silke und der Klinikarzt sind der Meinung, dass mein inneres Becken vielleicht zu eng ist, da beide Kinder nicht mit dem Kopf nach unten kamen. Genau werde ich es nie wissen.
Doch das muss ich auch nicht. Ich habe alles gegeben, mich vorbereitet, so gut ich konnte und - jeder Schritt war selbstbestimmt. Auch wenn ich mich am Tiefpunkt ignoriert gefühlt habe, kann ich das aus oben genannten Gründen gut verstehen. Silke hatte mir eine Geburt gewünscht, wie ich sie mir gewünscht hatte. Sie hatte gesehen, wie ich gekämpft habe und dachte, ich würde am Ende belohnt. Das wollte sie mir nicht durch vorschnelles Handeln nehmen.

Direkt nach dieser Geburt, war mein Mantra: "Wir wollen kein weiteres Kind, also ist alles egal. Diese Schmerzen muss ich nie wieder haben." Und das stimmt. Wir wollen kein drittes Kind mehr. Aber mit etwas Abstand, kann ich mir die Schmerzen kaum noch vorstellen und daher verstehen, dass eine natürliche Geburt die Erinnerung daran oft völlig verblassen lässt. Auch bei mir überwiegt mittlerweile das Glücksgefühl.

Eure Julia aus der guten Kinderstube