Donnerstag, 21. April 2016

Urlaub mit Kindern

Als ich noch keine Kinder hatte sehnte ich mich oft nach Urlaub und war voller Fernweh. Ich bin immer gerne gereist. Ich liebe es, früh aufzustehen, am liebsten noch im Dunkeln, alles einzuladen und mit dem Auto, dem Zug, dem Flugzeug an ganz neue, unbekannte Ziele zu gelangen. Reisen ist für mich etwas, was mir keiner mehr nehmen kann. All die neuen Erfahrungen, Eindrücke und Bilder sind tief in mir abgespeichert und bereichern mein Leben für immer.

Meine letzte richtig große Reise ist schon viel zu lange her. 2006 war ich mit meinem Mann, damals noch meinem (recht neuen) Freund, in Asien unterwegs. Wir bereisten Thailand, Laos und Kambodscha, ritten auf Elefanten, fuhren mit dem Roller durch Ananasplantagen, tanzten im Monsun, bestiegen Tempel und lernten herzliche Menschen kennen. Es war ein kleines Abenteuer mit vielen ersten Malen. Einfach wunderbar.


































Seit wir Kinder haben, sieht das Thema Reisen allerdings anders aus. Wir waren bisher meist maximal eine Woche weg, zu Besuch bei Freunden oder der Familie. Im einzigen Urlaub zu dritt (also bevor unser Sohn geboren wurde), merkten mein Mann und ich, wie anders es ist, als Eltern Urlaub zu machen. Komischer Weise war uns das vorher in dem Ausmaß nicht klar gewesen.

Das Reisen ist anstrengender.


Mit Kind überlegen wir genau, wo wir hinfahren und wie weit die Anreise ist. Bei Autofahrten müssen ausreichend Pausen eingeplant werden, Kinderbespaßung darf nicht fehlen und einfach mal ein Mix-Tape rein und über die Autobahn sausen ist auch nicht mehr drin. Mit dem Zug fahren wird zum logistischen Horror, da die Plätze im Kleinkindabteil trotz Reservierungen bisher immer voll oder unerreichbar waren: Ich sage nur umgekehrte Wagenreihenfolge! Mit Kind, Kinderwagen und Gepäck ist es nämlich unmöglich, das Kleinkindabteil zu erreichen, wenn man an einer anderen Tür des Zuges eingestiegen ist.

Gepäck, Gepäck, Gepäck


Was nimmt man nicht alles mit, wenn man mit Kindern verreist? Klamotten, Windeln, Spielzeug, Laufrad, Kinderwagen, Tragetuch, Rucksack, Trinkbecher, Regenklamotten, Sandeimer und Schaufel... Selbst unsere Familienkutsche ist da schnell am Limit. Vom Reisen mit dem Zug, inklusive mehrmals umsteigen, brauche ich da wohl gar nicht zu sprechen.

Die Schlafsituation


Klar, schon früher konnten schlechte Betten uns den Urlaub zumindest ein wenig vermiesen. Doch mit unseren Kindern wird es immer schwerer, eine wirklich erholsame Schlafsituation herzustellen. Zuhause nächtigen wir im 2,70 m breiten Familienbett plus Beistellbett für den Sohn (nicht, dass er da allzu oft drin liegen würde). Das kriegen wir aber in keinem Feriendomizil auch nur annähernd hin. So müssen mein Mann und ich uns meist aufteilen, es werden abenteuerliche Rausfallschutzwälle gebaut und meist wird es ziemlich eng. Nicht gerade erholsam. Ach ja...

...Erholung?


Am Strand liegen, stundenlang lesen, ausschlafen, über Märkte schlendern, entspannt Essen gehen - ihr merkt es schon selbst, nicht wahr? Mit kleinen Kindern sieht das Urlaubsprogramm ganz anders aus. Mehr Schlaf ist nicht drin und wo sie zuhause einfach mal spielen, wollen sie in der ungewohnten Umgebung alles gemeinsam machen. Da bleibt uns Eltern noch weniger Zeit zur Entspannung als sonst schon.

Warum wir trotzdem verreisen?


Weil diese gemeinsame Zeit, das gemeinsame Entdecken ein großes Geschenk ist. Wie so oft im Elternleben geht es darum, sich darauf einzulassen und zu genießen, was jetzt und hier ist. Das Leben mit kleinen Kindern ist voller Wunder, Glück, Lachen und Liebe. Und auch wenn es anstrengend ist und ich durchaus im Café mal voll Neid auf die Frau im Sessel mit dem Buch in der Hand schaue, weiß ich, dass wir mit unseren Kindern Erinnerungen schaffen, die uns vielleicht sogar im Alter tragen.

Deshalb werden wir unsere Elternzeit auch nutzen, eine größere Reise zu unternehmen. Ich bin zwar ziemlich aufgeregt und glaube das Ganze erst, wenn wir wirklich im Flugzeug sitzen, aber wir werden den ganzen Mai auf Bali und am Ende in Singapur verbringen. Nicht ohne Grund nenne ich unsere Elternzeit ja auch #pleiteaberglücklich.

Eure Julia aus der guten Kinderstube