Freitag, 1. September 2017

Selbstfürsorge und AP bedeuten für mich...

Susanne Mierau von geborgen-wachsen.de sammelt in ihrer Blogparade Beiträge zur Selbstfürsorge und Attachment Parenting. Und da ich euch ja ohnehin meine Strategien für die "tiefen Täler der Elternschaf"t versprochen habe, mache ich da direkt mit.

Ich denke, wir Eltern sind alle schon mal an dem Punkt gewesen, dass wir über unsere Grenzen gehen mussten, weil wir vielleicht ein Baby hatten, dass besonders viel geweint hat, besonders schlecht schlief oder weil einfach keine Unterstützung zu bekommen war. Vielleicht war auch die erste Phase mit dem zweiten Kind besonders schwierig und wir haben uns fast zerrissen, das zerbrechliche kleine Baby zu umsorgen und gleichzeitig das große Kind (oder die Kinder) mit Liebe zu überhäufen, damit die so genannte Entthronung nicht so schmerzhaft ist. Oder wir waren krank oder im Job war es einfach mehr als geplant... Es gibt so so viele Gründe, warum es manchmal zu viel wird und nicht immer gibt es direkt eine Lösung, so dass wir unsere Grenzen wahren können.

Wichtig finde ich, dass ich mir bewusst mache, dass ich meine Grenzen überschreite und aktiv Verantwortung für mich übernehme. Nur so kann ich mittelfristig dafür sorgen, dass die Tanks wieder aufgefüllt werden und ich weiter gut für meine Kinder sorgen können. Meine erste Strategie ist also

Bewusstheit


Ich fokussiere mich auf mein Inneres und fühle genau in mich hinein. Nicht jeden Tag sind meine Grenzen gleich, sie sind nicht starr, es gibt kein allgemein gültiges Zuviel. Ich nehme wahr, dass ich eine Grenze überschreite, dass mein Energielevel im roten Bereich ist und halte dieses Gefühl kurz aus. Ich atme tief durch und akzeptiere den Moment. Gleichzeitig nehme ich mir bewusst vor, für Ausgleich zu sorgen. Und ich überlege kurzfristig: Wie erreiche ich mehr

Leichtigkeit


Welche To Dos können gestrichen werden? Wen kann ich anrufen und um Hilfe bitten? Kann ich ein Abendessen zubereiten, dass weniger Aufwand bedeutet? Und wie kann ich Verantwortung für die Stimmung übernehmen? 

Rausgehen, einen Kaffe dabei haben, lachen, sich an den Kindern freuen.

































Ganz oft versuche ich dann, mit meinen Kindern Spaß zu haben. Entweder zu balgen und zu lachen oder wir machen Musik an, singen und tanzen. Oder wir gehen raus an die frische Luft, machen zusammen Yoga im Hof und manchmal kuscheln wir auch einfach oder das Stillen erdet uns ein Stück weit. Denn auch meine Kinder merken es natürlich, wenn ich über meine Grenzen komme. Damit das für sie fassbar wird, gibt es nur eins:

Klarheit


Meine Kinder sind noch klein (5 und noch nicht mal 2) doch sie haben feine Antennen. Es ist mir wichtig, sie in ihrem Gefühl zu bestätigen und eine angespannte Stimmung auch zu benennen. Gleichzeitig zeige ich ihnen damit meine Grenze auf. Das klingt dann zum Beispiel so: "Ich bin gerade wirklich erschöpft. Ich habe zu wenig geschlafen und mir wird alles hier zu viel und ich überlege, wie wir es uns einfacher machen können. Leider ist gerade keiner da, der mir helfen kann. Ich bin mir sicher, zusammen schaffen wir das jetzt. Das heißt allerdings auch, dass ich gerade nicht noch ein Buch vorlesen will und dass ich auch lautes Geschrei nur noch schwer ertragen kann. Ich will, dass ihr versucht, leise zu sein." Und sobald es dann geht mache ich

Pausen


Ich schaue, wann ich die nächste Pause einplanen kann und lasse dann ganz bewusst alles liegen. Das Bad bleibt ungenutzt, der Boden krümelig und die Wäsche im Wäschekorb. Ich mache mir einen Kaffee, schaue eine Serie, lese ein Buch oder schaue bei Twitter rein. Manchmal mache ich auch einfach gar nichts oder ich döse etwas, je nachdem, was tagsüber so möglich ist. Oft ist es bei mir jedoch gar nicht (mehr) zwangsläufig die Müdigkeit, sondern eher eine emotionale Erschöpfung. Ich brauche dann einfach Ruhe und Zeit mit mir. So schaffe ich es zum Beispiel, die zweite Tageshälfte wieder mit meinen Kindern aktiv zu gestalten und zu genießen - ohne Stress. Neben diesem Notfallprogramm brauche ich langfristige 

Pläne


Sich Entlastung zu schaffen ist nicht einfach. Ich habe wirklich lange versucht, Hilfen zu bekommen und unseren Alltag einfacher zu gestalten und war in vielem erfolglos. Trotzdem hilft es mir, die Verantwortung zu übernehmen und Pläne zu machen. Wir sind hier nicht glücklich? Dann lass uns einen anderen Ort suchen? Der andere Ort lässt sich nicht finden und der Schwebezustand wird zu viel? Dann lass und eine Entscheidung für das Hier fällen. Aktiv zu sein und mich nicht als "Opfer" zu fühlen und im Jammern zu verlieren, ist für mein Wohlbefinden sehr wichtig. Ich gestalte mein Leben mit meinem Mann zusammen aktiv. Und dazu gehört auch meine

Arbeit


Zwar war ich fast 5 Jahre lang nicht erwerbstätig, aber ich habe in der Zeit seit ich Mutter wurde immer für mich gearbeitet. Meine Ausbildung zur Heilpraktikerin Psychotherapie, die Ausbildung zur bindungs- und beziehungsorientierten Familienberaterin oder auch Workshops in Gewaltfreier Kommunikation und jetzt wieder zu arbeiten, das alles hat mich immer wieder ein Stück aus dem "Nur-Mama-sein" herausgeholt. Ich bin unheimlich gerne Mutter und ich bin unheimlich gerne ich, mein gesamtes Ich in allen Teilen. Und dieses ich mag gerne 

Organisation


Denn, wenn zu lange alles liegen bleibt, dann fühle ich mich auch nicht wohl. Dann entstehen gefühlt Berge an ToDos und im Schatten dieser Berge schwindet meine letzte Energie. Ich möchte mich dann nur noch verstecken. Also versuche ich in Zeiten, in denen ich besonders wenig Entlastung habe, sehr organisiert zu sein. Das ist z. B. dann, wenn mein Mann auf Geschäftsreise geht, denn wenn er hier ist, räumt er sehr viel auf, so dass die Berge nicht so bedrohlich werden. 
Doch wenn er auch wegfällt, helfen mir ein Wochenplan, in dem steht, was ich putzen und aufräumen will, ein Essensplan und tägliche Routinen, den Kopf für schöne Dinge frei zu haben und meine Kräfte einzuteilen. Und dann gibt es hin und wieder etwas Luxus, nämlich

Auszeiten


Mein Mann und ich verschaffen uns gegenseitig immer wieder freie Zeit. Er geht mit Freunden etwas Trinken, ich treffe mich mit Freundinnen zum Frühstück oder nehme eine Beratung in Anspruch, um meine Situation oder bestimmte Konflikte zu besprechen. Das tut gut und lädt Batterien auf. 
Und was besonders schöne Auszeiten sind - ganz neu und noch sehr selten: Eine tolle Freundin kommt zu uns und bleibt bei den Kindern und wir können gemeinsam Zeit als Paar verbringen. Letzteres freut mich besonders und ich hoffe, dass es in naher Zukunft mehr, regelmäßige Paar-Auszeiten geben wird. Ich hab das mal so geplant... ;-)

So. Das sind sie, meine Strategien, die ich mir in den letzten fünf Jahren angeeignet habe. Ganz sicher sind das keine Weltneuheiten, das ist mir klar. Aber in der Summe hilft es mir, für mich zu sorgen, mich zu reflektieren und achtsam mit mir umzugehen. Und das ist es auch, was ich meinen Kindern vorleben möchte. Sie sollen sehen, dass es ok ist, auch mal über seine Grenzen zu gehen und dass es genau so wichtig ist, dann wieder für sich zu sorgen.

Eure Julia aus der guten Kinderstube







Donnerstag, 31. August 2017

Führt Attachment Parenting zu Burn Out?

In den letzten Tagen gab es einige Artikel, in denen die Behauptung aufgestellt wurde, Attachment Parenting, also bindungsorientierte Elternschaft, führe fast automatisch zu Erschöpfungszuständen bei Müttern (die Väter wurden hier wie so oft ausgeklammert). Ich möchte diese Artikel bewusst nicht verlinken, da ich es traurig und ärgerlich finde, dass so undifferenziert auf eine Lebensweise - und einzelne Leitfiguren - eingdroschen wird und ich diesen Texten nicht noch mehr Aufmerksamkeit schenken möchte.

Wenn die Augenringe zu stark sind, helfen nur noch Humor und eine Sonnenbrille.

































Gleichzeitig sehe ich privat genauso wie auch in meiner Arbeit als bindungs- und beziehungsorientierte Familienberaterin immer wieder Eltern, die sich tatsächlich erschöpft, verzweifelt oder ausgebrannt fühlen. Noch schlimmer: Ich war selbst schon an diesem Punkt und bin es manchmal noch. Ist es also doch so? Führt Attachment Parenting unwillkürlich zum Burn Out?

Es scheint fast so. Als ich sehr am Ende meiner Kräfte war, nach einer schwierigen Schwangerschaft, mit Kind, Baby, Ausbildung und dem normal verrückten Alltag und mich ausjammerte, bekam ich von einer nahestehenden Person zu hören: "Ist ja auch alles in der Theorie schön und gut, mit dieser Bedürfnisorientiertheit. Aber es funktioniert ja nicht, das sieht man ja. Dir geht es ja nicht gut!"

Damals war das für mich wie eine Ohrfeige. Ich strengte mich an, mein Mann ebenso und es war trotzdem zu viel. Ich hätte dringend regelmäßige, verlässliche Hilfe gebraucht und stattdessen bekam ich dieses Urteil. Selbst schuld.
Ich hatte es nicht zum Funktionieren gebracht oder war zu doof, es richtig zu machen oder ich war nicht in der Lage, einen Weg zu finden, der besser funktionierte als AP? Keine Ahnung. Klar war, in deren Augen hatte ich versagt. Zum Glück sah und sehe ich das nicht so.

Dass Attachment Parenting vom Konzept her tatsächlich sehr darauf achtet, dass die Bedürfnisse ALLER Familienmitglieder gesehen werden, steht schon im Ursprungskonzept von Sears und Nora Imlau hat es hier bereits vor einiger Zeit noch mal aufgeschrieben. Sie hat auch darauf hingewiesen, dass es Entwicklungen gibt, die AP unnötig kompliziert machen und damit die Niederschwelligkeit verloren geht. Je dogmatischer eine Idee vertreten wird, desto schwieriger wird es, diesem Ideal nachzueifern. So passiert es schnell, dass gerade Perfektionisten in Erschöpfung geraten, irgendwann aufgeben und sagen: "Das kann gar nicht funktionieren!"

Warum also, war ich so erschöpft und was tue ich dagegen?


Ich war erschöpft, nicht, weil ich das Konzept nicht verstanden hatte oder zu doof war und auch nicht, weil AP an sich zum Burn Out führt. Für mich gibt es zu dieser respektvollen, bindungsorientierten Haltung allen Menschen gegenüber keine Alternative.

Ich war erschöpft, weil ich schlicht und einfach zu wenig Unterstützung hatte. Mein Baby schlief über viele Monate hinweg sehr schlecht und ich versuchte trotz Schlafmangel alles am Laufen zu halten. Dabei machte ich schon sehr viele Abstriche, was zum Beispiel die Sauberkeit unseres Hauses angeht und strich auch sonst alles was irgendwie ging von der To Do Liste. Das war nicht gerade förderlich für meine Ehe (mein Mann braucht Ordnung sehr) und auch einige Freundschaften litten manchmal darunter. Wieder neue Baustellen...

Gleichzeitig war ich mir dessen voll bewusst und versuchte, Unterstützung zu erhalten, doch das war tatsächlich nicht einfach. Wir zogen in Betracht, umzuziehen, sahen uns freie Schulen an, die uns stark entlastet hätten, ich stellte Putzhilfen ein, die immer wieder aufhörten oder unzuverlässig waren, ich suchte eine Babysitterin, die nach dem dritten Mal nicht mehr kam... All das kostete mich noch mehr Kraft und frustrierte zusätzlich, weil es am Ende erfolglos blieb. Zu teuer, zu weit weg, nicht machbar. Was nun?

Selbst schuld? Dieses Urteil finde ich unsagbar grausam für alle Mütter, für alle Eltern, die versuchen, für ihre Familie einen guten Weg zu finden und dabei an ihre Grenzen stoßen und darüber gehen. Viel wichtiger wäre es, tatkräftige Hilfe anzubieten, die auch wirklich Hilfe ist. Denn ja, unsere Haltung wird von der Gesellschaft in der wir leben (noch) nicht mitgetragen. Die Kinderbetreuung, die wir ausprobiert haben, war zum Beispiel so weit weg von beziehungsorientiert (oder respektvoll), dass sie für uns keine Option war und durch die Elternzeit, die mein Mann genommen hat, hat er seinen Job verloren. Das war wirklich keine Entlastung.

Jetzt könnte man sagen, wir hatten kein Glück und dann kam auch noch Pech dazu. Nur sind wir kein Einzelfall und auch all die anderen Mütter/Eltern sind nicht einfach zu doof, haben es nicht verstanden oder sind selbst schuld. In der Situation ging es uns selbst mit einer großen Portion Humor irgendwann wirklich nicht mehr gut.

Wir arbeiten einfach weiter daran, dass es besser wird. Jeden Tag.


Mittlerweile habe ich meine Ausbildung abgeschlossen. Mein Mann hat einen neuen, sehr flexiblen Job, so dass wir beide abwechselnd arbeiten und uns entlasten können. Eine gute Freundin kommt regelmäßig zu uns, so dass wir endlich jemanden haben, der die Kinder mal übernehmen kann und ich habe wieder eine Freundin in meinem Leben, die so präsent ist, dass wir so richtig quatschen können. Da sie oft am Wochenende über Nacht bei uns bleibt, ist dann auch für alles Zeit. Ein riesiges Geschenk. Und einen Kita-Platz für die Große haben wir jetzt auch in Aussicht.

Ich habe in dieser Zeit viel gelernt. Zum einen eine gewisse Akzeptanz. Egal, wie sehr ich mich abstrample, manchmal ist es anstrengend und nicht nur alles eitel Sonnenschein. Ich kann niemanden dazu kriegen, uns gerne zu helfen und ich kann nicht von heute auf morgen das ganze System ändern. Zum anderen habe ich mittlerweile einige Strategien, um mir den Druck zu nehmen und etwas Leichtigkeit zurück zu gewinnen.

Was meine Strategien genau sind, werde ich euch im nächsten Artikel erzählen.


Eure Julia aus der guten Kinderstube


P.S.: Auch die wunderbare Frida von 2KindChaos hat über ihren AP-Weg geschrieben. Schaut doch mal rüber.

Freitag, 21. Juli 2017

Freitagslieblinge vom 21.7.17

Nachdem ich letzte Woche keine Zeit gefunden habe, meine Freitagslieblinge zu verbloggen, freue ich mich diese Woche umso mehr darüber. Die Idee von Anna, berlinmittmom, bringt mich wirklich dazu, Momente zu sammeln, wahrzunehmen und meine Woche noch mal im positiven Licht Revue passieren zu lassen.

Mein Lieblingsmoment für mich waren die Flüge nach Berlin und zurück. Ich war dort zum letzten Seminarwochenende meiner Ausbildung zur bindungs- und beziehungsorientierten Eltern- und Familienberaterin. Das Wochenende selbst war voll, schön, anstrengend, herausfordernd und mit einem kleinen Abschied verbunden. Wenn solch intensive Zeiten ein Ende nehmen, schwingt immer auch etwas Wehmut mit. Doch über den Wolken war ich ganz bei mir und meinen Gedanken und Gefühlen.



































Dem kann ich auch gleich meine Inspiration der Woche anschließen. Meine Ausbildung und vor allem die Frauen, die mir dort begegnet sind und denen ich mich jetzt auf wunderbare Weise verbunden fühle, haben so viel in mir bewegt und angestoßen, dass es noch lange nachhallen wird. Das Bild dafür und für unsere gemeinsame Zeit ist "Ins Wasser fällt ein Stein". So trägt jeder von uns von nun an mit einem Stein und unserer Arbeit Bindung in die Welt hinaus.













Mein Lieblingsessen in dieser Woche habe ich nicht fotografiert. Ganz wunderbare Menschen haben extra für mich Sushi gemacht, das so toll geschmeckt hat. Also kommt an dieser Stelle ein Bild von einer anderen Mahlzeit, die vor allem wegen der Gesellschaft so besonders für mich war.


































Der schönste Moment mit den Kindern war als ich endlich wieder zuhause war. Vier ganze Tage, so lange waren wir getrennt und ich gebe zu, dass ich sie unheimlich vermisst habe. Sie dann am nächsten Tag wieder beim Spielen beobachten zu können, hat mir echt gut getan.


































Mein Lieblingsbuch der Woche ist Alles Inklusive von Mareice Kaiser, in dem sie aus dem Leben mit ihrer behinderten Tochter schreibt. Das ist ein Buch zum Lachen, Weinen, wütend werden, mitfühlen und Liebe spüren. Ich kann es wirklich jedem von Herzen empfehlen.


































Jetzt starten wir ins Wochenende. Ich habe morgen mein zwanzigjähriges Abiturtreffen - und das wo ich doch erst 29 bin, komisch. Dann steht noch ein wenig Arbeit an, Hausarbeit und natürlich viel Zeit mit meiner Familie. Wie war eure Woche so?

Eure Julia aus der guten Kinderstube



Dienstag, 18. Juli 2017

Die Brüste und das Stillen

Meine Frau stillt. Sie stillt meinen Sohn seit 20 Monaten. Sie stillt aber auch meine Tochter. Diese ist 4,5 Jahre alt. DAS nenne ich Langzeitstillen. Wenn ich Mütter auf dem Spielplatz treffe, nein ich sehe sie viel mehr denn unterhalten tut man sich selten, fallen dann solche Sätze wie „ Ich stille ja auch lange, meine Tochter ist jetzt über 8 Monate alt…“. Da denke ich mir: „Wenn ihr wüsstet..“ Ich könnte jetzt gleich für Schnappatmung sorgen. 
















Dass die Perle unser Kind wie empfohlen sechs Monate komplett stillt war irgendwie klar und das habe ich überhaupt nicht in Frage gestellt, da es auch ganz unkompliziert funktionierte. Daraus wurden dann irgendwie zwei, drei und mehr Jahre und doch habe ich mir nie wirklich so viel Gedanken dazu gemacht. So ist das halt mit Kindern. Die werden halt gestillt. 

Wer es noch nicht weiß, die WHO (Weltgesundheitsorganisation) empfiehlt, ein Baby in den ersten sechs Lebensmonaten voll zu stillen. Es bekommt also nur Muttermilch. Kein Butterbrot, kein Kuchen. Mit Einführung der Beikost soll das Stillen weiterhin bis zum vollendeten zweiten (!) Lebensjahr und sogar darüber hinaus praktiziert werden. Soviel dazu.

Es gab Momente, beim Männerstammtisch oder in kleiner Runde unter jungen und frischgebackenen Vätern, bei denen der ein oder andere Vater euphorisch von der Flaschennahrung sprach. "Soviel einfacher.", sagten sie dann. „Man kann als Mann auch einen Teil dazu beitragen“. Sie meinten wahrscheinlich die Bindungsentwicklung und nicht das nächtliche Aufstehen.


































Denn eigentlich wurde damit nur bezweckt, dass das Kind schnellstmöglich in sein eigenes Bettchen ausquartiert wurde und man wieder zur alten Illusion des „Paar-sein“ zurückkehren konnte.

Oder man konnte mit der Flaschennahrung den wie auch immer gearteten Babysitter ins Haus holen. Die eigentlich als „gut“ intendierte aktive Teilhabe an der Elternschaft war demnach nur ein vorgeschobener Grund. Man(n) wollte entweder die Brüste der Dame für sich haben oder aber so eine Art Gleichstand bei der Bindungsarbeit herstellen.

Aus eigener Erfahrung kann ich sagen: Es gab und gibt Zeiten da bin ich echt eifersüchtig auf die Stillerei. Doch ich habe früh realisiert, dass mir daraus kein wesentlicher Nachteil bei der Bindungsarbeit widerfährt und dies keine Ausrede für fehlende Bildung ist.

Vielleicht kennt ihr Harry Harlow. Er war Verhaltensforscher und Psychologe. Bekannt geworden ist er mit seinem Experiment über die Mutter-Kind-Bindung bei Resus-Äffchen. Er setzte Affenkinder ohne Mutter in einen Käfig (gemein ich weiß..). Darin waren zwei Affenatrappen. Ein Affenmodel aus blankem Draht mit Nahrung und ein Affenmodel mit bespanntem Stoff. Das Affenkind befand sich nur zur Nahrungsaufnahme am blanken Affen, ansonsten kuschelte es sich an den Stoff-Affen. Ihr merkt also worauf ich hinaus will. Bindung zum Kind erfolgt zwar auch über das Stillen aber nicht nur.

Des Weiteren habe ich schmerzlich realisiert, dass wir, die Gesellschaft, die Brüste einer Frau zum sexualisierten Objekt machen (wie eigentlich alles an einer Frau) und zwar von Anfang an. Brüste sind immer sexuell konotiert. Das finde ich nicht gut. Kinder werden nicht lange und schon gar nicht in der Öffentlichkeit gestillt, nur weil das zu Aufregung führt. Menschen fühlen ich durch den Anblick einer stillenden Frau belästigst, verschämt, was auch immer. 

Das tun sie, meines Erachtens, weil sie mit Sexualität ein Problem haben. Überall finden wir Nackheit, wie selbstverständlich, aber ein an der Brust trinkendes Kind? Verdammte Scheiße, dass geht aber nicht! Wir haben es es so genormt. Ist das nicht traurig. Brüste sind als erstes Mal Nahrungsquelle. Die Muttermilch ist das Beste was man einem Kind geben kann, auch wenn es uns die Nahrungsmittelindustrie ganz anders erzählt.

Letzten Endes sollte jeder Mutter frei (!) für sich entscheiden können, wie, wo und wie lange sie ihr Kind stillen möchte. Hier würde ich mir sehr viel mehr Akzeptanz sowohl von Frauen als auch vor allem von Männern/Vätern wünschen und auch mal einer stillenden Mutter beizustehen, wenn negative Kommentare im Raum stehen.

Lasst et krachen
Max



Mittwoch, 12. Juli 2017

Die neue gute Kinderstube

Als ich anfing zu bloggen, war es mir ein großes Bedürfnis, meine Gedanken zu ordnen und in Austausch mit anderen Menschen zu kommen. Bei erstem hat mir das Schreiben schon immer gut geholfen, letzteres hat irgendwie nur so halb hingehauen in den letzten zweieinhalb Jahren.

Denn Leser, und die braucht es zum Austausch ja irgendwie, bekommt ein Blog nur, wenn man regelmäßig bloggt, sich konsequent um die Social Media Kanäle kümmert und auch das SEO (Optimierung für Suchmaschinen) nicht aus dem Blick verliert. Da hatte ich manchmal das Gefühl, ich muss eine Marketingexpertin werden, um Menschen zu erreichen. Das hat mich in der Vergangenheit richtig entmutigt.

Nun ja, und dann ist da mein restliches Leben und das hat immer Vorrang. Meine Kinder, mein Mann, meine Ausbildung, Freunde, Familie, all das hindert mich daran, mich so regelmäßig um die gute Kinderstube zu kümmern, wie es mir und ihr gut täte.  Ich war, vor allem seit mein Sohn auf der Welt ist, oft so erschöpft, dass ich einfach nicht schreiben konnte, selbst wenn die Zeit mal da war.

Ein neuer Start


Also habe ich mir Gedanken gemacht. Will ich die gute Kinderstube schließen? Ist es nicht sowieso besser, nicht mehr so persönlich zu schreiben, wenn ich jetzt als Familienberaterin arbeite? Und überhaupt, mit Bloggertreffen und Networking entstehen für dieses Hobby auch Kosten, die gar nicht so gering sind.


















Als ich mit meinem Mann darüber sprach, war ihm sofort klar, dass mir die gute Kinderstube unheimlich fehlen würde und recht hat er. Die gute Kinderstube, das ist schließlich meine Vision. In dieser Vision gibt es die gute Kinderstube online und im echten Leben als Treffpunkt für Familien, mit Kursen, Begegnung, Beratung und viel Verbindung. Ich habe etwas zu sagen, etwas beizutragen zum Bild von Familie und Elternschaft in unserer Gesellschaft - ein kleines Teilchen im Mosaik. Ich will bindungs- und beziehungsorientiertes Familienleben zeigen, einen Weg, unseren Weg, und Mut machen, sich neue Wege zu suchen, die ganz individuell zu jeder Familie passen.

Was wird denn nun neu?


Als erstes bekommt mein Mann hier einen Raum, in dem er Beiträge veröffentlichen kann (letzten Freitag hat er ja bereits gestartet). Das macht für uns einfach so viel Sinn, denn wir Leben "unsere gute Kinderstube" ja gemeinsam, sind gemeinsam Eltern, Liebespaar und entwickeln uns auf unserem Weg weiter. Er hat oft einen anderen Blick auf Themen und es macht uns Spaß, das zu beleuchten.

Als nächster Schritt bekommt die Kinderstube eine eigene Domain und ein neues Design. Das wird sicher noch dauern, denn leider finde ich den Umzug gar nicht so einfach, vor allem, weil ich keine Grafikerin bin und mich in diesem Bereich sehr schwer tue. Doch steter Tropfen und so... ihr werdet es irgendwann erleben.

Kooperationen schließe ich von jetzt an auch nicht mehr kategorisch aus. Auf Bloggerkonferenzen habe ich so viele nette Kooperationspartner kennengelernt und auch auf anderen Blogs sehe ich immer wieder Verlosungen oder Beiträge, die für mich so viel Mehrwert bieten. Das würde ich hier auch gerne für euch einführen. Ich lasse mich überraschen, was da so kommt und verspreche euch, dass wir uns auf nichts einlassen, was nicht passt.

Ich bin gespannt


Ja, ich bin aufgeregt. Ich versuche, mir nicht zu viel Druck zu machen, es weiterhin leicht zu sehen und einfach die Energie, die gerade in mir steckt zu nutzen. Auch wenn ich nicht viele regelmäßige Leser habe und nie ein sehr großer Blog sein werde - mir ist die gute Kinderstube ein Herzensprojekt, das es mir wert ist, nicht einfach aufzuhören. Schließlich bin ich doch

eure Julia aus der guten Kinderstube




Freitag, 7. Juli 2017

Freitagslieblinge vom 7.7.17

Heute gibt es eine Premiere in der guten Kinderstube. Mein Mann Max wird ab sofort eine kuschelige Ecke in der guten Kinderstube bewohnen und mit mir gemeinsam den Blog mit mehr Leben füllen.
Als Start hat er sich die schöne Aktion von Anna von berlinmittemom.com ausgesucht: Die Freitagslieblinge.

Los geht´s!

































…mein Lieblingsbuch der Woche. Eigentlich ist es schon seit Wochen mein Lieblingsbuch, denn ohne Buch in meiner Arbeitstasche verlasse ich nicht das Haus. Da ich viel unterwegs bin, hilft mir ein Buch die Zeit in Bus und Bahn zu überbrücken. Aktuell findet sich Moskau um Mitternacht von Sally McGrane in meiner Tasche. Ich liebe Thriller. Dies ist ein Spionage-Thriller und bis jetzt gefällt er mir sehr, sehr gut!


































Mein Lieblingsessen für diese Woche ist ein wundervolles Spaghettieis. Der ein oder andere mag es schon mitbekommen haben, aber in einer Eisdiele bestelle ich nichts anderes. Da die Temperaturen bei uns im Moment eher zu Kaltem einladen, diese Woche also das Eis.


































Mein Lieblingsmoment nur für mich hatte ich die Tage an einem lauen Abend. Ich brachte das Auto meiner Mutter, welches ich mir geliehen hatte, zurück und lief ganz alleine in meine Musik vertieft, nach Hause. Das war einfach sehr schön, denn viel zu oft läuft man unbewusst die Straßen entlang.


































Meinen Lieblingsmoment mit den Kindern hatte ich heute! Wir sind im Moment sehr viel zu Fuß und mit dem Fahrrad unterwegs. In der Stadt haben sich meine Beiden an die Hand genommen und sind einfach drauf los. Der Kleine hat der Großen die Richtung gezeigt und da beide im Moment auch sehr viel am Streiten sind, freue ich mich besonders über solche Momente indem die Liebe zwischen den beiden aufpoppt.




Meine Inspiration der Woche war und ist immer noch @fraeulein_tessa mit ihrem „Stillbild“. Teresa Bücker schreibt für EditionF über Frauen, Feminismus und weitere gesellschaftliche Themen. Ich persönlich finde ihren Stil sehr erfrischend und inspirierend. Ja, ich als Mann befasse mich mit Feminismus, denn dieser geht uns alle an!

Das waren meine Freitagslieblinge. Ich wünsche allen ein schönes und sonniges Wochenende. Kommenden Freitag lest ihr Julias Freitagslieblinge!

Lasst et krachen,

Max


Mittwoch, 5. April 2017

#wmdedgt

Frau Brüllen ruft an jedem 5. eines Monats zum Tagebuchbloggen auf unter "Was machst Du eigentlich den ganzen Tag?" #wmdedgt. Die letzten Male habe ich das immer verpasst, doch dieses Mal wollte ich doch unbedingt noch mitmachen. Denn ich finde es selbst interessant, ab und an mal alles aufzuschreiben, was unseren Tag so ausfüllt. Also los:

Gegen 5 Uhr hatte ich gerade meinen Sohn gestillt und mein Mann stand unter der Dusche als meine Tochter wach wurde und kuscheln wollte, weil sie schlecht geträumt hatte. Ab da durfte ich im Wechsel beide Kinder beschmusen und kam selbst nur noch zum Dösen. Ab kurz nach sieben war mein Sohn dann nicht mehr zum Schlafen zu überreden. Natürlich ist es auch viel lustiger, das Kinderzimmer zum Chaosladen umzugestalten.


































Meine Tochter hingegen schlief noch bis halb neun und war dann etwas grummelig, weil sie auch noch spielen wollte statt sich anzuziehen und mit uns zum Frühstück zum Bioladen zu fahren. Mit der Aussicht auf ihr Lieblingsmüsli konnte ich sie dann aber doch überreden und gegen halb zehn saßen wir dann alle tatsächlich angezogen und halbwegs zivilisiert im Auto. Im Bioladen kauften wir also Müsli, Milch und Obst sowie einige andere Lebensmittel und frühstückten erst einmal. Danach wurde gespielt, gewickelt, gestillt und mit den Menschen dort geschnackt.


































Weiter ging unser Einkaufstrip zu DM, da uns noch einige Putzmittel sowie Eierfarben fehlten. Mein Sohn fuhr lachend Rennen durch die Gänge und hatte so richtig Spaß.

































Wie immer bei DM plane ich Zeit ein, damit die Kinder in Ruhe den Laden erkunden und auch noch spielen können. Das gehört für mich zu unserem Freilernen dazu und es macht uns allen wirklich großen Spaß.


































Zurück zuhause wollte mein Sohn von Mittagsschlaf erst mal so gar nichts wissen. Schließlich wollte doch das Wohnzimmer noch ausgiebig erforscht und geklettert werden. Nun ja, so ist der Fernseher wenigstens zu irgendetwas nütze.


































Gegen halb eins wurde er dann aber doch wie immer müde und krabbelte auf meinen Schoß, um mir dies zu zeigen. Also packte ich ihn mir in die Sling und legte ihn fünf Minuten später ins Bett. Meine Tochter bekam einen "Snacksteller" wollte "Maus" gucken. Ich nutzte die Zeit um wenigstens etwas Chaos im Wohnzimmer zu beseitigen, die Einkäufe wegzuräumen und unsere Tasche für den Nachmittag zu packen. Danach blieb mir sogar noch eine halbe Stunde Pause für eine Folge Modern Family.


































Nach der Mittagspause, ausgiebigem Kuscheln, Schuhe anziehen, Auto beladen und einer kurzen Fahrt, erreichten wir den Spielplatz am Rhein gegen 15.15 Uhr. Heute gab es dort endlich wieder Wasser zum Matschen, was sehr gut zur Sonne passte. Nach und nach trudelten noch Freunde und mein Mann dort ein.


































Leider kamen dann doch noch Wolken auf und ich begann in meinem Rock ohne Strumpfhose zu frieren. Während mein Sohn mit meinem Mann Verstecken spielte...


































...machte meine Tochter mir in ihrem Restaurant ein köstliches "Mackaza" Sandwich. Kennt ihr nicht? Es ist sehr lecker und wunderhübsch anzusehen. Deshalb wollte sie es auch gleich fotografieren, bevor ich es essen durfte.




















Gegen 18.30 Uhr luden wir die Kinder wieder ins Auto. Auf Wunsch meiner Tochter kochten wir Nudeln mit Pesto, vergaßen die geplanten Maiskolben und wurden trotzdem satt.


































Wie so oft wurde dann noch ein wenig getanzt. Heute gab es ein Dancemovebattle zwischen meinem Mann und meinem Tochterkind unter anderem zu "Mr. Vain". Wir haben sehr gelacht. Als dann die Müdigkeit die ersten kleinen Unfälle verursachte, leuteten wir die Abendrunde ein. Mein Mann putzt meinem Sohn die Zähne, zieht ihn um und geht dann mit ihm in der Sling nach draußen, während ich das gleiche Programm mit unserer Tochter absolviere. Wobei wir ohne Sling dafür mit Buch im Bett landen. Gegen 20.30 Uhr lagen beide Kinder schlafend im Bett.

Das war also unser Tag. Sehr repräsentativ für den Frühling, da wir jetzt eigentlich wieder jeden Tag lange draußen sind. Während ich hier blogge und die Bilder bearbeite, sieht mein Mann neben mir eine Serie. Gleich geht es für uns beide auch schon ins Bett, wobei ich sicher wie immer noch etwas auf Twitter den Tag nachlesen werde.

Und? Interessiert euch das? Besonders aufregend war unser Tag ja nun nicht. Hm, mal sehen, ob ich das jetzt öfter mache.

Eure Julia aus der guten Kinderstube




Sonntag, 26. März 2017

Keine Strafen in der guten Kinderstube

Ich las heute diesen Artikel von Mara, da er mir mehrere Male in meine Timeline gespült wurde und die Reaktionen darauf sehr positiv waren. Ich wünsche mir zwar keine "Revolution für unser Familienleben", bin an guten Tipps für den Alltag mit Kindern jedoch durchaus interessiert.

In dem Artikel geht es um das Aufräumen und darum, sich für den Anderen Mühe zu geben. Mara hat ihren Kindern gesagt, dass sie sich gerne Mühe für sie gibt, aber dafür auch Mühe von ihnen zurück bekommen will. Wenn sie also Jacken aufhängt und den Kindern hinterher räumt, schreibt sie den Kindern Aufgaben aus dem Haushalt auf ihre Liste. Diese müssen sie im Laufe der Woche erledigen, sonst können sie am Samstagabend nicht am Familienkino teilnehmen.
Das ist jetzt sehr gekürzt, bitte lest in Ruhe ihren Artikel.

Ich kann den Wunsch, dass die Kinder im Haushalt mithelfen gut verstehen. Hey, ich bin jeden Tag bis zu 14 Stunden mit zwei Kindern zuhause. Na gut, wir gehen auch raus, jetzt wieder mehr, im Sommer sehr viel. Doch ohne Kita sind wir eben viel hier und das Chaos ist unser Begleiter.


































Und ich mag das Chaos auch nicht so gerne. Tatsächlich war ich noch nie nur ordentlich, dabei mir doch deutlich bewusst, dass das erwartet wird. Vor allem von mir als Mädchen/Frau.
Erwartungen sind jedoch für mich nicht gut, denn wenn so viel Druck aufgebaut wird, sträube ich mich oft, dann wird der Berg immer höher und am Ende verlangt es mir viel ab, endlich mit in diesem Fall der Hausarbeit anzufangen.

So war das bis vor Kurzem - und manchmal gerate ich da noch immer hinein, wenn Schlafentzug und Geschwisterstreit meine Nerven matschig werden lassen. Doch im Laufe meines Mutterdaseins hat sich viel geändert.

Gelassenheit


Ich mag es ordentlich und sauber. Spaß, Spielen, Lachen und die Freude meiner Kinder, wenn sie alleine etwas geschafft haben liebe ich noch mehr!
Also wurde ich gelassener, was das Chaos angeht, das dabei entsteht. Indem ich mir vor Augen führe, wie viel Positives gerade passiert und wie wenig Arbeit das hinterher eigentlich wirklich ist, bzw. wie unwichtig Ordnung letztendlich dann doch ist, kann ich besser damit umgehen.

Ich muss nicht müssen


Ich habe für mich vor einiger Zeit das MÜSSEN abgeschafft. Ich WILL Ordnung. Manchmal will ich Ruhe mehr und lasse alles für den nächsten Tag liegen. Dann wieder bevorzuge ich es, aufzuräumen und mich am Ergebnis zu erfreuen. Nicht zu müssen befreit mich in vielen Bereichen sehr.
Und damit es nicht zu schwer wird, einen Anfang zu finden - ihr wisst ja, der Berg, die Motivation, Hurz! - , gönne ich mir seit meiner letzten Schwangerschaft alle ein bis drei Wochen für zwei Stunden eine Putzhilfe.

Selbstregulation


Wir freuen uns alle auf den Tag, an dem unsere kleinen Kinder ihre Emotionen selbst regulieren können und sie in einem gesellschaftlich anerkanntem Maß ausleben. Wir sagen Nein und sie rasten manchmal heftig aus, was für alle Beteiligten schwer zu ertragen ist und viel Energie kostet.

Ich habe Selbstregulation tatsächlich als Kind nicht wirklich gelernt. Ich wusste ganz klar, was von mir erwartet wird und habe daher alle negativ konnotierten Gefühle versucht zu verdrängen oder sie wurden in selbstdestruktive Gedanken umgewandelt. Ich wirkte, denke ich, insgesamt gut reguliert.

In den letzen Jahren habe ich mich damit intensiv beschäftigt und so langsam lerne ich, mit der Wut und dem Frust, den ich empfinde, wenn meine Kinder nicht "einfach machen was ich will", umzugehen ohne dafür entweder den Auslöser (z. B. meine Kinder), noch mich fertig zu machen. Ersteres klappt schon oft gut und ich bleibe in allem, was ich sage, bei mir. Letzteres versuche ich durch positive und lösungsorientierte Gedanken zu ersetzen und werde immer besser.

Wissen


Ich habe viel über die Entwicklung von Kindern, darüber wie wir lernen und über Beziehungen gelernt. Meine Kinder sind wunderbare Lehrmeister und haben mich auf diesem Weg keine wichtigen Themen übersehen lassen. Vor dem Hintergrund dieses Wissens kann ich mich heute ganz anders entscheiden als es mir früher möglich war.
So denke ich jetzt nicht mehr "Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmer mehr.", sondern weiß, dass bestimmte Fähigkeiten erst in einem bestimmten Alter erlernt werden. Und meine Kinder zeigen mir so oft, dass ich da vollstes Vertrauen haben darf. Das fühlt sich ganz wunderbar an.

Zurück zum Ausgangspunkt


Nun habe ich auf Twitter geschrieben, dass die von Mara beschriebene Methode nichts für uns wäre, weil ich in einer Liebesbeziehung weder möchte, dass der Andere etwas aus Angst vor Strafe tut noch, dass meine Kinder lernen, dass es für alles, was sie tun eine Gegenleistung geben muss.

Doch was ist die Alternative? Kinder müssen doch lernen, dass sie helfen müssen. Sie müssen doch Aufgaben übernehmen. Das Haus muss doch so ordentlich sein, dass sich alle darin wohlfühlen. Jemand sagte auch, das sei schließlich eine Frage des gegenseitigen Respekts, den Kinder auch lernen müssen.

Puh! Da wird sehr viel gemusst, was ich sogar gut nachvollziehen kann. Und ich finde trotzdem, dass sie es nicht müssen. Aber eins nach dem anderen.

Das Haus muss ordentlich sein


Nein. Wir WOLLEN ein ordentliches Haus. Die Kinder eventuell nicht. Da liegt ein Konflikt, für den es gilt, Lösungen zu finden. Es ist allerdings nicht undenkbar, dass auch Chaos sein darf. Sogar Dreck bringt so schnell keinen um, macht meist nicht mal krank. Es muss also nicht. Ich kann mir da so viele verschiedene Lösungen vorstellen, wie ich Familien kenne.

Kinder müssen Ordnung lernen


Ich bin fest davon überzeugt, dass Kinder dann lernen, mit Spaß ein gesundes Maß an Ordnung zu halten, wenn sie es vorgelebt bekommen. Da das Thema Aufräumen mich schon mein ganzes Leben lang begleitet, und das nicht als Spaßthema, mag das gar nicht so einfach sein. Gut, dass ich da auch noch lernen darf.

Sehr gerne mache ich mir Musik an oder räume mit meinem Mann gemeinsam auf, während wir uns unterhalten. Oder ich nehme Hilfe von Freundinnen an. Wir essen alle zusammen und räumen dann schnell auf. Viele Hände, schnelles Ende.
Immer öfter helfen die Kinder mit, einfach so. Das ist bei meinen kleinen Kindern nicht immer eine echte Hilfe, doch ich sehe, wie sie sich beteiligen. Meine Tochter (4,5) hat sich schon ohne Aufforderung beteiligt und bemerkt: "Das Aufräumen macht mehr Spaß als ich dachte. Ich bin gut in Ordnung." Mit meinem Mann hat sie ein Spiel "Wer räumt schneller auf" entwickelt, bei dem beide eine Sache aussuchen, die sie schneller wegräumen als der Andere seine Sache. Und der Sohn bietet währenddessen gleich an andere Stelle wieder mehr Spielmaterial.

Meine Kinder sehen, wie viel Arbeit es ist und meine Tochter fängt auch an, das bewusst wahrzunehmen. Wie das weitergehen wird, wenn sie älter werden, weiß ich nicht. Noch sehe ich die Hausarbeit als meine Aufgabe und die meines Mannes an. Ich vertraue darauf, dass wir für uns auch in Zukunft gute Lösungen finden. Im Übrigen lernen meine Kinder hier auch, dass der Papa mehr aufräumt als ich, obwohl er jeden Tag arbeiten geht. Das nur am Rande.

Das ist eine Sache des Respekts


Meine Kinder respektieren meine Wünsche genau so, wie ich ihre. Ich habe da sehr gute Erfahrungen gemacht. Mit Strafen zu drohen und so ein Funktionieren zu erzwingen hielte ich für schädlich für unsere Beziehung. Für mich fühlt sich das nicht nach Respekt, sondern nach Angst an. Unter Angst lernen wir allerdings am denkbar schlechtesten, weil unser Hirn da mit ganz anderen Dingen beschäftigt ist. Und selbst wenn die Kinder die Angst im Alltag so stark nicht wahrnehmen, würde ich befürchten, Ihnen die intrinsische Motivation zu rauben.

Kinder wollen kooperieren. Wenn sie es nicht tun, haben sie immer gute Gründe. Dann liegt es an uns als Eltern herauszufinden, wie wir ihnen helfen können. Vielleicht übernehmen wir für einige Zeit die Hausarbeit komplett, weil wir finden, dass sie genug andere Dinge auf dem Tablett haben? Vielleicht entwickeln wir mit unseren größeren Kindern gemeinsam eine Plan, den sie auch für gerecht halten? Vielleicht haben sogar alle an vielen Arbeiten Spaß und es gibt gar nicht so viele Probleme? Vielleicht müssen manche Dinge auch gar nicht mehr gemacht werden?

Ich kann für mich nur sagen, Strafen werden in unserer Familie nie eine Lösung sein.

Eure Julia aus der guten Kinderstube



Dienstag, 3. Januar 2017

Bin ich eine Kackmama?

Ich hatte einen dieser Tage. Einen dieser Tage, an denen ich gereizt bin, mindestens einmal heule, sehr viel fluche und leider am Ende auch rumschreie. Ich war eine Kackmama. Das nenne ich so, denn mein Sohn spricht noch nicht und meine Tochter sagt dazu: "Dieser Tag ist traurig und böse!". Das zerreißt mir mein Herz.

Dabei habe ich mehrmals versucht, meinen Frust abzubauen. Ich habe um diesen Tag gekämpft und mich nicht einfach ergeben. Ich habe ihn bewusst und aktiv gestaltet als ich merkte, dass es SO ein Tag werden könnte. Doch all meine Anstrengungen haben nicht geholfen, bis schließlich mein Frust so groß war, dass ich zur Kackmama mutierte.
Jetzt wäre es so leicht, alles auf meinen quietschenden und kreischenden Sohn zu schieben. Oder auf meine Tochter, die sich irgendwie für nichts richtig begeistern ließ. Aber ich weiß eben, dass es daran liegt, dass mir in unserem Alltag grundsätzlich etwas fehlt. Mir fehlt Unterstützung, Austausch und Hilfe. Ich wünsche mir das Dorf, in dem meine Kinder aufwachsen können und das mir ein Stück Freiheit und Leichtigkeit gibt.

Denn bei uns ist es immer so, dass alles viel einfacher wird, wenn wir mit mehreren Menschen zusammen sind. Kinder spielen miteinander, Erwachsene können über Gott und die Welt reden und anstrengende Streits oder Quengeleien nebenher begleiten. Es wird zusammen gekocht, irgendwer schaut immer nach den Kindern oder schleppt ein Baby. In der Gemeinschaft fällt es mir so viel leichter, eine gute Mutter zu sein.

Versteht mich nicht falsch, es ist durchaus normal, blöde Tage zu haben. Das wäre wohl mit einem guten Netzwerk auch so. Kein Mensch ist perfekt und manchmal kommt echt einiges zusammen. Aber bei mir liegt es derzeit eben auch an einer unterschwelligen, grundsätzlichen Unzufriedenheit, die der Nährboden ist, auf dem der Ärger wurzelt und Wut und Ohnmacht sprießen. Das Gefühl, immer allein zu sein, frisst mich manchmal auf.

Ich hasse es, eine Kackmama zu sein. Es fühlt sich schrecklich an und lässt mich traurig und voller Schuldgefühle zurück. Jaja, ich weiß, Verantwortung übernehmen ist viel sinnvoller als sich schuldig zu fühlen. Denn durch Schuldgefühle hat niemand irgendetwas gewonnen.
Aber wie kann ich die Verantwortung übernehmen? Wie kann ich unsere Situation so verändern, dass es uns allen gut geht?

Ehrlich gesagt habe ich bisher keine Lösung gefunden. Ich habe schon die verschiedensten Betreuungsmöglichkeiten recherchiert, Babysitter ausprobiert, Putzhilfen ebenfalls. Aber irgendwie will hier nichts passen. Der nächste Schritt wäre also, umzuziehen und zu hoffen, dass es dort besser wird. Mein Traum wäre Berlin, aber vorerst würde wohl am ehesten Frankfurt in Frage kommen, weshalb ich dort nun Kontakt zu den freien Schulen aufgenommen habe. Es bleibt spannend.

Derweil habe ich ein paar Anti-Kackmama-Tricks, die mir helfen, diese Tage auf ein Minimum zu reduzieren:

1. Musik

Wir sind eine sehr Musik liebende Familie. Gemeinsames Singen, tanzen und alle Energie so richtig rauslassen, kann einen Tag, der irgendwie nicht gut läuft, retten. Derzeit DAS Lieblingslied: Call me Al von Paul Simon. Da singt sogar mein Sohnemann schon mit.

2. Herzschlüssel

Vor einiger Zeit schon entdeckte ich im Internet Tassilo Peters mit seinem Herzschlüssel. Er ist Vertreter der Gewaltfreien Kommunikation und ich gebe zu, dass ich mich gar nicht so intensiv mit seiner Person beschäftigt habe. Den Herzschlüssel aber, habe ich bei meiner Tochter und mir eingeführt und er hilft sehr sehr oft. Wenn meine Tochter merkt, dass ich zur Kackmama mutiere, also völlig ungerechtfertigt schimpfe und wüte, stoppt sie mich sehr früh mit den Worten: "Mama, atme!" Sie hat dadurch ein Werkzeug, sich zu schützen, vor meinen verbalen Angriffen. Denn ich habe verinnerlicht, dass dieser Schlüssel immer funktionieren muss. Zu Anfang und auch jetzt, wenn ich es merke, sage ich diese Worte selbst laut.
Mittlerweile versucht mein Tochterkind damit jeden Streit abzuwenden, also auch jede Kritik an ihrem Verhalten. Das zeigt mir, wann sie sich "geschimpft" fühlt und ich übe, auch diese Situationen anders zu lösen. Denn auch wenn es wichtig ist, dass ich ihr ehrlich sage, wenn mich ihr Verhalten stört, kommt es doch nicht richtig an, wenn sie sich ausgeschimpft fühlt. Es ist also nötig, eng im Kontakt und im Austausch zu bleiben, zu erklären, welche Konflikte gerade bestehen.

3. Bewusst kleine Momente für mich einplanen

Ja, ich parke mein Kind auch mal vor dem iPad, wenn ich damit abwenden kann, dass alles eskaliert. Eine andere Hilfe wäre mir lieber, ist aber oft nicht verfügbar. Dann gönne ich mir bewusst einen Kaffee, ein wenig Zeit bei Twitter, wo mich irgendwer immer aufbaut, gehe duschen oder lese mal etwas. Das geht natürlich nur, wenn mein Sohnemann gerade schläft.



4. Kontakt suchen

Wenn ich merke, dass der Tag nicht gut läuft, versuche ich, ein Spieldate mit Freunden auszumachen. Wenn das klappt, ist es eigentlich immer ein Garant für einen geretteten Tag. Leider klappt das eben nicht immer - seit jetzt wieder Freunde weggezogen sind, noch seltener.

5. Kuscheln und Lachen

Wenn ich merke, dass alles unrund läuft, versuche ich, so viel mit meinen Kindern zu kuscheln wie möglich. Umarmungen helfen uns nämlich, Stress abzubauen, vor allem wenn sie länger als 20 Sekunden dauern. Auch einfach eine Minute lang grinsen oder lachen hilft, selbst wenn es einem so gar nicht danach zu mute ist. Beides schüttet Hormone aus, die uns helfen, ausgeglichener zu sein und uns insgesamt gut tun.
Dazu könnte ihr auch gerne mal die wunderbaren Videos von Vera Birkenbihl schauen. Das hier zum Beispiel.

6. Verzeihen

Manchmal hilft eben wie heute einfach gar nichts und dann arbeite ich daran, mir zu verzeihen. Ich entschuldige mich bei meinen Kindern, erkläre, warum ich so blöd war und hoffe, dass sie fühlen, dass sie nicht schuld oder falsch sind. Und dann verzeihe ich mir selbst und recherchiere weiter Lösungen. Denn irgendwann muss es ja eine geben - auch für uns.


Gut tut auch, zu wissen, dass es wohl jeder Mama, jedem Elter, mal so geht. Deshalb finde ich es toll, dass Andrea von runzelfüsschen hier den Mut hatte, ehrlich über sich als Motzmama zu schreiben. Außerdem ist es für mich beruhigend zu wissen, dass unsere Kinder, so lange sie ebenfalls ihre Gefühle ehrlich und ohne Angst vor Strafe (Liebesentzug) ausdrücken dürfen, keinen Schaden nehmen, wenn wir auch mal ungerecht sind.

Wie ist es bei euch? Seid ihr immer die Gelassenheit in Person oder hattet ihr auch schon solche Tage?

Eure Julia aus der guten Kinderstube


Edit: Ich bin natürlich keine Kackmama! Und das seid ihr auch nicht. Das Wort ist mein Ausdruck für das schlechte Selbstgefühl in diesem Moment, wenn ich schreie oder schimpfe und genau weiß, dass ich das gar nicht will, es nicht hilft und es trotzdem passiert.