Mittwoch, 20. Dezember 2017

#gutgemacht - Sich selbst anerkennen

Séverine von Mama on the Rocks hat eine Blogparade gestartet, die ich sehr interessant finde. Sie ruft dazu auf, zu erzählen, was wir als Eltern in der Erziehung gut gemacht haben und möchte damit zeigen, dass in jeder Familie andere Dinge gut laufen.
Ich bin großer Fan davon, die positiven Dinge im Alltag wahrzunehmen und anzuerkennen. Wir kritisieren uns alle so schnell und so scharf, sind oft geradezu unbarmherzig mit uns selbst, dabei täte es uns allen so gut, den Blick auf das zu lenken, was gut läuft.

Nun sitze ich also hier und überlege, wie ich das, was ich unter "gut gemacht" verbuche in Worte fassen kann. Denn es ist nicht so als gäbe es hier eine Regel, die ich aufgestellt hätte und die "funktioniert" und damit erfolgreich und berichtenswert wäre. Es ist eher der Rahmen, der insgesamt wohl stimmt. Dazu möchte ich euch eine Episode aus der letzten Woche erzählen.

Meine Tochter (5) ging nach oben in ihr Zimmer, um dort zu spielen und fragte ihren Bruder (2) ganz liebevoll, ob er mitkommen wolle. Also stiefelten beide die Treppe hinauf und ich war nach ein paar Minuten ganz erfreut, dass es noch keinen Streit gab und ich so in Ruhe die Küche aufräumen konnte.



























Dann rief Tochterkind nach unten, ob wir noch diese verblühte Topfpflanze hätten, denn sie bräuchte noch Kräuter für ihren Zaubertrank. Da ich mir nicht sicher war, wie reizend oder giftig die Blätter des flammenden Käthchens sind (sie ist übrigens nur für Katzen und Nager gefährlich), gab ich ihr etwas Feldsalat, den wir noch im Kühlfach hatten. Wieder einige Minuten später kam Sohnemann an die Treppe und rief nach einem "Löppel!" (Löffel) für seine Schwester, den er dann auch von mir bekam. Die beiden spielten offensichtlich in Eintracht miteinander! So schön, denn Streit gibt es hier auch oft genug, da der Kleine sich noch nicht so gut ausdrücken kann und dann im Ärger schnell handgreiflich wird.

Und dann kam ein Schrei: "Mama! Mein Bruder hat die Schüssel ausgekippt!" Ich lief schnell nach oben, denn unser Sisalteppich mag Feuchtigkeit nicht besonders und mir war schon klar, dass sie wegen ein paar Blättern nich rufen würde. Und tatsächlich hatten die beiden sich Wasser zum Spielen aus dem Bad geholt. Meine Tochter hatte für ihren Bruder auf einem Tischchen alles genau so bereit gelegt, wie sie es sich gerichtet hatte: Schüssel, Schere, Blätter, Wasser, Löffel.

Ich holte sofort ein Tuch, um das Wasser aufzusaugen und sagte dabei sowas wie: "Ach nee, das geht doch nicht. Ihr könnt doch hier auf dem Teppich nicht mit Wasser spielen. Wenn ihr Wasserspiele macht, dann fragt doch bitte, damit wir überlegen können, wo und wie das gut geht." Und während ich zum Glück Schäden am Teppich verhindern konnte, war meine Tochter rausgelaufen. Als sie wiederkam fragte sie mich, ob ich ihr helfen könne alles im Bad aufzubauen: "Da sind ja Fliesen und da kann mein Bruder trotzdem mitspielen, weil es gar nicht schlimm ist, wenn er was auskippt." Wahnsinn, oder?

Also bauten wir alles im Bad auf und die beiden spielten erneut. Leider wollte mein Sohn scheinbar lieber Wasser auskippen statt Tränke zu brauen, was er auch tat - nämlich den Zaubertrank seiner Schwester. Die blieb aber ganz ruhig und versuchte schnell, alle Zutaten einzusammeln. Als ich ihr half, bemerkte ich, abgeschnittene Haarsträhnen in dem Gebräu und war kurz geschockt. "Sag mal, hast Du Dir etwa Haare abgeschnitten??"

Sie erwiderte ruhig und freundlich:"Ja, das sind meine Haare, über die kann ich bestimmen. Das ist ja mein Körper." Ich nickte verdattert und freute mich dann so sehr. "Ja, ganz genau, da hast Du Recht."

Ich nahm dann meinen Sohn mit nach unten, damit sie noch etwas in Ruhe ihren Trank neu brauen konnte und dachte in dem Moment wirklich: Wow! Das haben wir gut hinbekommen. Soviel Kompetenz bei einer Fünfjährigen.

Was mögt ihr an eurer Familie? Was klappt bei euch besonders gut? Wo sagt ihr euch #gutgemacht?

Eure Julia aus der guten Kinderstube



Freitag, 1. September 2017

Selbstfürsorge und AP bedeuten für mich...

Susanne Mierau von geborgen-wachsen.de sammelt in ihrer Blogparade Beiträge zur Selbstfürsorge und Attachment Parenting. Und da ich euch ja ohnehin meine Strategien für die "tiefen Täler der Elternschaf"t versprochen habe, mache ich da direkt mit.

Ich denke, wir Eltern sind alle schon mal an dem Punkt gewesen, dass wir über unsere Grenzen gehen mussten, weil wir vielleicht ein Baby hatten, dass besonders viel geweint hat, besonders schlecht schlief oder weil einfach keine Unterstützung zu bekommen war. Vielleicht war auch die erste Phase mit dem zweiten Kind besonders schwierig und wir haben uns fast zerrissen, das zerbrechliche kleine Baby zu umsorgen und gleichzeitig das große Kind (oder die Kinder) mit Liebe zu überhäufen, damit die so genannte Entthronung nicht so schmerzhaft ist. Oder wir waren krank oder im Job war es einfach mehr als geplant... Es gibt so so viele Gründe, warum es manchmal zu viel wird und nicht immer gibt es direkt eine Lösung, so dass wir unsere Grenzen wahren können.

Wichtig finde ich, dass ich mir bewusst mache, dass ich meine Grenzen überschreite und aktiv Verantwortung für mich übernehme. Nur so kann ich mittelfristig dafür sorgen, dass die Tanks wieder aufgefüllt werden und ich weiter gut für meine Kinder sorgen können. Meine erste Strategie ist also

Bewusstheit


Ich fokussiere mich auf mein Inneres und fühle genau in mich hinein. Nicht jeden Tag sind meine Grenzen gleich, sie sind nicht starr, es gibt kein allgemein gültiges Zuviel. Ich nehme wahr, dass ich eine Grenze überschreite, dass mein Energielevel im roten Bereich ist und halte dieses Gefühl kurz aus. Ich atme tief durch und akzeptiere den Moment. Gleichzeitig nehme ich mir bewusst vor, für Ausgleich zu sorgen. Und ich überlege kurzfristig: Wie erreiche ich mehr

Leichtigkeit


Welche To Dos können gestrichen werden? Wen kann ich anrufen und um Hilfe bitten? Kann ich ein Abendessen zubereiten, dass weniger Aufwand bedeutet? Und wie kann ich Verantwortung für die Stimmung übernehmen? 

Rausgehen, einen Kaffe dabei haben, lachen, sich an den Kindern freuen.

































Ganz oft versuche ich dann, mit meinen Kindern Spaß zu haben. Entweder zu balgen und zu lachen oder wir machen Musik an, singen und tanzen. Oder wir gehen raus an die frische Luft, machen zusammen Yoga im Hof und manchmal kuscheln wir auch einfach oder das Stillen erdet uns ein Stück weit. Denn auch meine Kinder merken es natürlich, wenn ich über meine Grenzen komme. Damit das für sie fassbar wird, gibt es nur eins:

Klarheit


Meine Kinder sind noch klein (5 und noch nicht mal 2) doch sie haben feine Antennen. Es ist mir wichtig, sie in ihrem Gefühl zu bestätigen und eine angespannte Stimmung auch zu benennen. Gleichzeitig zeige ich ihnen damit meine Grenze auf. Das klingt dann zum Beispiel so: "Ich bin gerade wirklich erschöpft. Ich habe zu wenig geschlafen und mir wird alles hier zu viel und ich überlege, wie wir es uns einfacher machen können. Leider ist gerade keiner da, der mir helfen kann. Ich bin mir sicher, zusammen schaffen wir das jetzt. Das heißt allerdings auch, dass ich gerade nicht noch ein Buch vorlesen will und dass ich auch lautes Geschrei nur noch schwer ertragen kann. Ich will, dass ihr versucht, leise zu sein." Und sobald es dann geht mache ich

Pausen


Ich schaue, wann ich die nächste Pause einplanen kann und lasse dann ganz bewusst alles liegen. Das Bad bleibt ungenutzt, der Boden krümelig und die Wäsche im Wäschekorb. Ich mache mir einen Kaffee, schaue eine Serie, lese ein Buch oder schaue bei Twitter rein. Manchmal mache ich auch einfach gar nichts oder ich döse etwas, je nachdem, was tagsüber so möglich ist. Oft ist es bei mir jedoch gar nicht (mehr) zwangsläufig die Müdigkeit, sondern eher eine emotionale Erschöpfung. Ich brauche dann einfach Ruhe und Zeit mit mir. So schaffe ich es zum Beispiel, die zweite Tageshälfte wieder mit meinen Kindern aktiv zu gestalten und zu genießen - ohne Stress. Neben diesem Notfallprogramm brauche ich langfristige 

Pläne


Sich Entlastung zu schaffen ist nicht einfach. Ich habe wirklich lange versucht, Hilfen zu bekommen und unseren Alltag einfacher zu gestalten und war in vielem erfolglos. Trotzdem hilft es mir, die Verantwortung zu übernehmen und Pläne zu machen. Wir sind hier nicht glücklich? Dann lass uns einen anderen Ort suchen? Der andere Ort lässt sich nicht finden und der Schwebezustand wird zu viel? Dann lass und eine Entscheidung für das Hier fällen. Aktiv zu sein und mich nicht als "Opfer" zu fühlen und im Jammern zu verlieren, ist für mein Wohlbefinden sehr wichtig. Ich gestalte mein Leben mit meinem Mann zusammen aktiv. Und dazu gehört auch meine

Arbeit


Zwar war ich fast 5 Jahre lang nicht erwerbstätig, aber ich habe in der Zeit seit ich Mutter wurde immer für mich gearbeitet. Meine Ausbildung zur Heilpraktikerin Psychotherapie, die Ausbildung zur bindungs- und beziehungsorientierten Familienberaterin oder auch Workshops in Gewaltfreier Kommunikation und jetzt wieder zu arbeiten, das alles hat mich immer wieder ein Stück aus dem "Nur-Mama-sein" herausgeholt. Ich bin unheimlich gerne Mutter und ich bin unheimlich gerne ich, mein gesamtes Ich in allen Teilen. Und dieses ich mag gerne 

Organisation


Denn, wenn zu lange alles liegen bleibt, dann fühle ich mich auch nicht wohl. Dann entstehen gefühlt Berge an ToDos und im Schatten dieser Berge schwindet meine letzte Energie. Ich möchte mich dann nur noch verstecken. Also versuche ich in Zeiten, in denen ich besonders wenig Entlastung habe, sehr organisiert zu sein. Das ist z. B. dann, wenn mein Mann auf Geschäftsreise geht, denn wenn er hier ist, räumt er sehr viel auf, so dass die Berge nicht so bedrohlich werden. 
Doch wenn er auch wegfällt, helfen mir ein Wochenplan, in dem steht, was ich putzen und aufräumen will, ein Essensplan und tägliche Routinen, den Kopf für schöne Dinge frei zu haben und meine Kräfte einzuteilen. Und dann gibt es hin und wieder etwas Luxus, nämlich

Auszeiten


Mein Mann und ich verschaffen uns gegenseitig immer wieder freie Zeit. Er geht mit Freunden etwas Trinken, ich treffe mich mit Freundinnen zum Frühstück oder nehme eine Beratung in Anspruch, um meine Situation oder bestimmte Konflikte zu besprechen. Das tut gut und lädt Batterien auf. 
Und was besonders schöne Auszeiten sind - ganz neu und noch sehr selten: Eine tolle Freundin kommt zu uns und bleibt bei den Kindern und wir können gemeinsam Zeit als Paar verbringen. Letzteres freut mich besonders und ich hoffe, dass es in naher Zukunft mehr, regelmäßige Paar-Auszeiten geben wird. Ich hab das mal so geplant... ;-)

So. Das sind sie, meine Strategien, die ich mir in den letzten fünf Jahren angeeignet habe. Ganz sicher sind das keine Weltneuheiten, das ist mir klar. Aber in der Summe hilft es mir, für mich zu sorgen, mich zu reflektieren und achtsam mit mir umzugehen. Und das ist es auch, was ich meinen Kindern vorleben möchte. Sie sollen sehen, dass es ok ist, auch mal über seine Grenzen zu gehen und dass es genau so wichtig ist, dann wieder für sich zu sorgen.

Eure Julia aus der guten Kinderstube







Donnerstag, 31. August 2017

Führt Attachment Parenting zu Burn Out?

In den letzten Tagen gab es einige Artikel, in denen die Behauptung aufgestellt wurde, Attachment Parenting, also bindungsorientierte Elternschaft, führe fast automatisch zu Erschöpfungszuständen bei Müttern (die Väter wurden hier wie so oft ausgeklammert). Ich möchte diese Artikel bewusst nicht verlinken, da ich es traurig und ärgerlich finde, dass so undifferenziert auf eine Lebensweise - und einzelne Leitfiguren - eingdroschen wird und ich diesen Texten nicht noch mehr Aufmerksamkeit schenken möchte.

Wenn die Augenringe zu stark sind, helfen nur noch Humor und eine Sonnenbrille.

































Gleichzeitig sehe ich privat genauso wie auch in meiner Arbeit als bindungs- und beziehungsorientierte Familienberaterin immer wieder Eltern, die sich tatsächlich erschöpft, verzweifelt oder ausgebrannt fühlen. Noch schlimmer: Ich war selbst schon an diesem Punkt und bin es manchmal noch. Ist es also doch so? Führt Attachment Parenting unwillkürlich zum Burn Out?

Es scheint fast so. Als ich sehr am Ende meiner Kräfte war, nach einer schwierigen Schwangerschaft, mit Kind, Baby, Ausbildung und dem normal verrückten Alltag und mich ausjammerte, bekam ich von einer nahestehenden Person zu hören: "Ist ja auch alles in der Theorie schön und gut, mit dieser Bedürfnisorientiertheit. Aber es funktioniert ja nicht, das sieht man ja. Dir geht es ja nicht gut!"

Damals war das für mich wie eine Ohrfeige. Ich strengte mich an, mein Mann ebenso und es war trotzdem zu viel. Ich hätte dringend regelmäßige, verlässliche Hilfe gebraucht und stattdessen bekam ich dieses Urteil. Selbst schuld.
Ich hatte es nicht zum Funktionieren gebracht oder war zu doof, es richtig zu machen oder ich war nicht in der Lage, einen Weg zu finden, der besser funktionierte als AP? Keine Ahnung. Klar war, in deren Augen hatte ich versagt. Zum Glück sah und sehe ich das nicht so.

Dass Attachment Parenting vom Konzept her tatsächlich sehr darauf achtet, dass die Bedürfnisse ALLER Familienmitglieder gesehen werden, steht schon im Ursprungskonzept von Sears und Nora Imlau hat es hier bereits vor einiger Zeit noch mal aufgeschrieben. Sie hat auch darauf hingewiesen, dass es Entwicklungen gibt, die AP unnötig kompliziert machen und damit die Niederschwelligkeit verloren geht. Je dogmatischer eine Idee vertreten wird, desto schwieriger wird es, diesem Ideal nachzueifern. So passiert es schnell, dass gerade Perfektionisten in Erschöpfung geraten, irgendwann aufgeben und sagen: "Das kann gar nicht funktionieren!"

Warum also, war ich so erschöpft und was tue ich dagegen?


Ich war erschöpft, nicht, weil ich das Konzept nicht verstanden hatte oder zu doof war und auch nicht, weil AP an sich zum Burn Out führt. Für mich gibt es zu dieser respektvollen, bindungsorientierten Haltung allen Menschen gegenüber keine Alternative.

Ich war erschöpft, weil ich schlicht und einfach zu wenig Unterstützung hatte. Mein Baby schlief über viele Monate hinweg sehr schlecht und ich versuchte trotz Schlafmangel alles am Laufen zu halten. Dabei machte ich schon sehr viele Abstriche, was zum Beispiel die Sauberkeit unseres Hauses angeht und strich auch sonst alles was irgendwie ging von der To Do Liste. Das war nicht gerade förderlich für meine Ehe (mein Mann braucht Ordnung sehr) und auch einige Freundschaften litten manchmal darunter. Wieder neue Baustellen...

Gleichzeitig war ich mir dessen voll bewusst und versuchte, Unterstützung zu erhalten, doch das war tatsächlich nicht einfach. Wir zogen in Betracht, umzuziehen, sahen uns freie Schulen an, die uns stark entlastet hätten, ich stellte Putzhilfen ein, die immer wieder aufhörten oder unzuverlässig waren, ich suchte eine Babysitterin, die nach dem dritten Mal nicht mehr kam... All das kostete mich noch mehr Kraft und frustrierte zusätzlich, weil es am Ende erfolglos blieb. Zu teuer, zu weit weg, nicht machbar. Was nun?

Selbst schuld? Dieses Urteil finde ich unsagbar grausam für alle Mütter, für alle Eltern, die versuchen, für ihre Familie einen guten Weg zu finden und dabei an ihre Grenzen stoßen und darüber gehen. Viel wichtiger wäre es, tatkräftige Hilfe anzubieten, die auch wirklich Hilfe ist. Denn ja, unsere Haltung wird von der Gesellschaft in der wir leben (noch) nicht mitgetragen. Die Kinderbetreuung, die wir ausprobiert haben, war zum Beispiel so weit weg von beziehungsorientiert (oder respektvoll), dass sie für uns keine Option war und durch die Elternzeit, die mein Mann genommen hat, hat er seinen Job verloren. Das war wirklich keine Entlastung.

Jetzt könnte man sagen, wir hatten kein Glück und dann kam auch noch Pech dazu. Nur sind wir kein Einzelfall und auch all die anderen Mütter/Eltern sind nicht einfach zu doof, haben es nicht verstanden oder sind selbst schuld. In der Situation ging es uns selbst mit einer großen Portion Humor irgendwann wirklich nicht mehr gut.

Wir arbeiten einfach weiter daran, dass es besser wird. Jeden Tag.


Mittlerweile habe ich meine Ausbildung abgeschlossen. Mein Mann hat einen neuen, sehr flexiblen Job, so dass wir beide abwechselnd arbeiten und uns entlasten können. Eine gute Freundin kommt regelmäßig zu uns, so dass wir endlich jemanden haben, der die Kinder mal übernehmen kann und ich habe wieder eine Freundin in meinem Leben, die so präsent ist, dass wir so richtig quatschen können. Da sie oft am Wochenende über Nacht bei uns bleibt, ist dann auch für alles Zeit. Ein riesiges Geschenk. Und einen Kita-Platz für die Große haben wir jetzt auch in Aussicht.

Ich habe in dieser Zeit viel gelernt. Zum einen eine gewisse Akzeptanz. Egal, wie sehr ich mich abstrample, manchmal ist es anstrengend und nicht nur alles eitel Sonnenschein. Ich kann niemanden dazu kriegen, uns gerne zu helfen und ich kann nicht von heute auf morgen das ganze System ändern. Zum anderen habe ich mittlerweile einige Strategien, um mir den Druck zu nehmen und etwas Leichtigkeit zurück zu gewinnen.

Was meine Strategien genau sind, werde ich euch im nächsten Artikel erzählen.


Eure Julia aus der guten Kinderstube


P.S.: Auch die wunderbare Frida von 2KindChaos hat über ihren AP-Weg geschrieben. Schaut doch mal rüber.

Freitag, 21. Juli 2017

Freitagslieblinge vom 21.7.17

Nachdem ich letzte Woche keine Zeit gefunden habe, meine Freitagslieblinge zu verbloggen, freue ich mich diese Woche umso mehr darüber. Die Idee von Anna, berlinmittmom, bringt mich wirklich dazu, Momente zu sammeln, wahrzunehmen und meine Woche noch mal im positiven Licht Revue passieren zu lassen.

Mein Lieblingsmoment für mich waren die Flüge nach Berlin und zurück. Ich war dort zum letzten Seminarwochenende meiner Ausbildung zur bindungs- und beziehungsorientierten Eltern- und Familienberaterin. Das Wochenende selbst war voll, schön, anstrengend, herausfordernd und mit einem kleinen Abschied verbunden. Wenn solch intensive Zeiten ein Ende nehmen, schwingt immer auch etwas Wehmut mit. Doch über den Wolken war ich ganz bei mir und meinen Gedanken und Gefühlen.



































Dem kann ich auch gleich meine Inspiration der Woche anschließen. Meine Ausbildung und vor allem die Frauen, die mir dort begegnet sind und denen ich mich jetzt auf wunderbare Weise verbunden fühle, haben so viel in mir bewegt und angestoßen, dass es noch lange nachhallen wird. Das Bild dafür und für unsere gemeinsame Zeit ist "Ins Wasser fällt ein Stein". So trägt jeder von uns von nun an mit einem Stein und unserer Arbeit Bindung in die Welt hinaus.













Mein Lieblingsessen in dieser Woche habe ich nicht fotografiert. Ganz wunderbare Menschen haben extra für mich Sushi gemacht, das so toll geschmeckt hat. Also kommt an dieser Stelle ein Bild von einer anderen Mahlzeit, die vor allem wegen der Gesellschaft so besonders für mich war.


































Der schönste Moment mit den Kindern war als ich endlich wieder zuhause war. Vier ganze Tage, so lange waren wir getrennt und ich gebe zu, dass ich sie unheimlich vermisst habe. Sie dann am nächsten Tag wieder beim Spielen beobachten zu können, hat mir echt gut getan.


































Mein Lieblingsbuch der Woche ist Alles Inklusive von Mareice Kaiser, in dem sie aus dem Leben mit ihrer behinderten Tochter schreibt. Das ist ein Buch zum Lachen, Weinen, wütend werden, mitfühlen und Liebe spüren. Ich kann es wirklich jedem von Herzen empfehlen.


































Jetzt starten wir ins Wochenende. Ich habe morgen mein zwanzigjähriges Abiturtreffen - und das wo ich doch erst 29 bin, komisch. Dann steht noch ein wenig Arbeit an, Hausarbeit und natürlich viel Zeit mit meiner Familie. Wie war eure Woche so?

Eure Julia aus der guten Kinderstube



Dienstag, 18. Juli 2017

Die Brüste und das Stillen

Meine Frau stillt. Sie stillt meinen Sohn seit 20 Monaten. Sie stillt aber auch meine Tochter. Diese ist 4,5 Jahre alt. DAS nenne ich Langzeitstillen. Wenn ich Mütter auf dem Spielplatz treffe, nein ich sehe sie viel mehr denn unterhalten tut man sich selten, fallen dann solche Sätze wie „ Ich stille ja auch lange, meine Tochter ist jetzt über 8 Monate alt…“. Da denke ich mir: „Wenn ihr wüsstet..“ Ich könnte jetzt gleich für Schnappatmung sorgen. 
















Dass die Perle unser Kind wie empfohlen sechs Monate komplett stillt war irgendwie klar und das habe ich überhaupt nicht in Frage gestellt, da es auch ganz unkompliziert funktionierte. Daraus wurden dann irgendwie zwei, drei und mehr Jahre und doch habe ich mir nie wirklich so viel Gedanken dazu gemacht. So ist das halt mit Kindern. Die werden halt gestillt. 

Wer es noch nicht weiß, die WHO (Weltgesundheitsorganisation) empfiehlt, ein Baby in den ersten sechs Lebensmonaten voll zu stillen. Es bekommt also nur Muttermilch. Kein Butterbrot, kein Kuchen. Mit Einführung der Beikost soll das Stillen weiterhin bis zum vollendeten zweiten (!) Lebensjahr und sogar darüber hinaus praktiziert werden. Soviel dazu.

Es gab Momente, beim Männerstammtisch oder in kleiner Runde unter jungen und frischgebackenen Vätern, bei denen der ein oder andere Vater euphorisch von der Flaschennahrung sprach. "Soviel einfacher.", sagten sie dann. „Man kann als Mann auch einen Teil dazu beitragen“. Sie meinten wahrscheinlich die Bindungsentwicklung und nicht das nächtliche Aufstehen.


































Denn eigentlich wurde damit nur bezweckt, dass das Kind schnellstmöglich in sein eigenes Bettchen ausquartiert wurde und man wieder zur alten Illusion des „Paar-sein“ zurückkehren konnte.

Oder man konnte mit der Flaschennahrung den wie auch immer gearteten Babysitter ins Haus holen. Die eigentlich als „gut“ intendierte aktive Teilhabe an der Elternschaft war demnach nur ein vorgeschobener Grund. Man(n) wollte entweder die Brüste der Dame für sich haben oder aber so eine Art Gleichstand bei der Bindungsarbeit herstellen.

Aus eigener Erfahrung kann ich sagen: Es gab und gibt Zeiten da bin ich echt eifersüchtig auf die Stillerei. Doch ich habe früh realisiert, dass mir daraus kein wesentlicher Nachteil bei der Bindungsarbeit widerfährt und dies keine Ausrede für fehlende Bildung ist.

Vielleicht kennt ihr Harry Harlow. Er war Verhaltensforscher und Psychologe. Bekannt geworden ist er mit seinem Experiment über die Mutter-Kind-Bindung bei Resus-Äffchen. Er setzte Affenkinder ohne Mutter in einen Käfig (gemein ich weiß..). Darin waren zwei Affenatrappen. Ein Affenmodel aus blankem Draht mit Nahrung und ein Affenmodel mit bespanntem Stoff. Das Affenkind befand sich nur zur Nahrungsaufnahme am blanken Affen, ansonsten kuschelte es sich an den Stoff-Affen. Ihr merkt also worauf ich hinaus will. Bindung zum Kind erfolgt zwar auch über das Stillen aber nicht nur.

Des Weiteren habe ich schmerzlich realisiert, dass wir, die Gesellschaft, die Brüste einer Frau zum sexualisierten Objekt machen (wie eigentlich alles an einer Frau) und zwar von Anfang an. Brüste sind immer sexuell konotiert. Das finde ich nicht gut. Kinder werden nicht lange und schon gar nicht in der Öffentlichkeit gestillt, nur weil das zu Aufregung führt. Menschen fühlen ich durch den Anblick einer stillenden Frau belästigst, verschämt, was auch immer. 

Das tun sie, meines Erachtens, weil sie mit Sexualität ein Problem haben. Überall finden wir Nackheit, wie selbstverständlich, aber ein an der Brust trinkendes Kind? Verdammte Scheiße, dass geht aber nicht! Wir haben es es so genormt. Ist das nicht traurig. Brüste sind als erstes Mal Nahrungsquelle. Die Muttermilch ist das Beste was man einem Kind geben kann, auch wenn es uns die Nahrungsmittelindustrie ganz anders erzählt.

Letzten Endes sollte jeder Mutter frei (!) für sich entscheiden können, wie, wo und wie lange sie ihr Kind stillen möchte. Hier würde ich mir sehr viel mehr Akzeptanz sowohl von Frauen als auch vor allem von Männern/Vätern wünschen und auch mal einer stillenden Mutter beizustehen, wenn negative Kommentare im Raum stehen.

Lasst et krachen
Max



Mittwoch, 12. Juli 2017

Die neue gute Kinderstube

Als ich anfing zu bloggen, war es mir ein großes Bedürfnis, meine Gedanken zu ordnen und in Austausch mit anderen Menschen zu kommen. Bei erstem hat mir das Schreiben schon immer gut geholfen, letzteres hat irgendwie nur so halb hingehauen in den letzten zweieinhalb Jahren.

Denn Leser, und die braucht es zum Austausch ja irgendwie, bekommt ein Blog nur, wenn man regelmäßig bloggt, sich konsequent um die Social Media Kanäle kümmert und auch das SEO (Optimierung für Suchmaschinen) nicht aus dem Blick verliert. Da hatte ich manchmal das Gefühl, ich muss eine Marketingexpertin werden, um Menschen zu erreichen. Das hat mich in der Vergangenheit richtig entmutigt.

Nun ja, und dann ist da mein restliches Leben und das hat immer Vorrang. Meine Kinder, mein Mann, meine Ausbildung, Freunde, Familie, all das hindert mich daran, mich so regelmäßig um die gute Kinderstube zu kümmern, wie es mir und ihr gut täte.  Ich war, vor allem seit mein Sohn auf der Welt ist, oft so erschöpft, dass ich einfach nicht schreiben konnte, selbst wenn die Zeit mal da war.

Ein neuer Start


Also habe ich mir Gedanken gemacht. Will ich die gute Kinderstube schließen? Ist es nicht sowieso besser, nicht mehr so persönlich zu schreiben, wenn ich jetzt als Familienberaterin arbeite? Und überhaupt, mit Bloggertreffen und Networking entstehen für dieses Hobby auch Kosten, die gar nicht so gering sind.


















Als ich mit meinem Mann darüber sprach, war ihm sofort klar, dass mir die gute Kinderstube unheimlich fehlen würde und recht hat er. Die gute Kinderstube, das ist schließlich meine Vision. In dieser Vision gibt es die gute Kinderstube online und im echten Leben als Treffpunkt für Familien, mit Kursen, Begegnung, Beratung und viel Verbindung. Ich habe etwas zu sagen, etwas beizutragen zum Bild von Familie und Elternschaft in unserer Gesellschaft - ein kleines Teilchen im Mosaik. Ich will bindungs- und beziehungsorientiertes Familienleben zeigen, einen Weg, unseren Weg, und Mut machen, sich neue Wege zu suchen, die ganz individuell zu jeder Familie passen.

Was wird denn nun neu?


Als erstes bekommt mein Mann hier einen Raum, in dem er Beiträge veröffentlichen kann (letzten Freitag hat er ja bereits gestartet). Das macht für uns einfach so viel Sinn, denn wir Leben "unsere gute Kinderstube" ja gemeinsam, sind gemeinsam Eltern, Liebespaar und entwickeln uns auf unserem Weg weiter. Er hat oft einen anderen Blick auf Themen und es macht uns Spaß, das zu beleuchten.

Als nächster Schritt bekommt die Kinderstube eine eigene Domain und ein neues Design. Das wird sicher noch dauern, denn leider finde ich den Umzug gar nicht so einfach, vor allem, weil ich keine Grafikerin bin und mich in diesem Bereich sehr schwer tue. Doch steter Tropfen und so... ihr werdet es irgendwann erleben.

Kooperationen schließe ich von jetzt an auch nicht mehr kategorisch aus. Auf Bloggerkonferenzen habe ich so viele nette Kooperationspartner kennengelernt und auch auf anderen Blogs sehe ich immer wieder Verlosungen oder Beiträge, die für mich so viel Mehrwert bieten. Das würde ich hier auch gerne für euch einführen. Ich lasse mich überraschen, was da so kommt und verspreche euch, dass wir uns auf nichts einlassen, was nicht passt.

Ich bin gespannt


Ja, ich bin aufgeregt. Ich versuche, mir nicht zu viel Druck zu machen, es weiterhin leicht zu sehen und einfach die Energie, die gerade in mir steckt zu nutzen. Auch wenn ich nicht viele regelmäßige Leser habe und nie ein sehr großer Blog sein werde - mir ist die gute Kinderstube ein Herzensprojekt, das es mir wert ist, nicht einfach aufzuhören. Schließlich bin ich doch

eure Julia aus der guten Kinderstube




Freitag, 7. Juli 2017

Freitagslieblinge vom 7.7.17

Heute gibt es eine Premiere in der guten Kinderstube. Mein Mann Max wird ab sofort eine kuschelige Ecke in der guten Kinderstube bewohnen und mit mir gemeinsam den Blog mit mehr Leben füllen.
Als Start hat er sich die schöne Aktion von Anna von berlinmittemom.com ausgesucht: Die Freitagslieblinge.

Los geht´s!

































…mein Lieblingsbuch der Woche. Eigentlich ist es schon seit Wochen mein Lieblingsbuch, denn ohne Buch in meiner Arbeitstasche verlasse ich nicht das Haus. Da ich viel unterwegs bin, hilft mir ein Buch die Zeit in Bus und Bahn zu überbrücken. Aktuell findet sich Moskau um Mitternacht von Sally McGrane in meiner Tasche. Ich liebe Thriller. Dies ist ein Spionage-Thriller und bis jetzt gefällt er mir sehr, sehr gut!


































Mein Lieblingsessen für diese Woche ist ein wundervolles Spaghettieis. Der ein oder andere mag es schon mitbekommen haben, aber in einer Eisdiele bestelle ich nichts anderes. Da die Temperaturen bei uns im Moment eher zu Kaltem einladen, diese Woche also das Eis.


































Mein Lieblingsmoment nur für mich hatte ich die Tage an einem lauen Abend. Ich brachte das Auto meiner Mutter, welches ich mir geliehen hatte, zurück und lief ganz alleine in meine Musik vertieft, nach Hause. Das war einfach sehr schön, denn viel zu oft läuft man unbewusst die Straßen entlang.


































Meinen Lieblingsmoment mit den Kindern hatte ich heute! Wir sind im Moment sehr viel zu Fuß und mit dem Fahrrad unterwegs. In der Stadt haben sich meine Beiden an die Hand genommen und sind einfach drauf los. Der Kleine hat der Großen die Richtung gezeigt und da beide im Moment auch sehr viel am Streiten sind, freue ich mich besonders über solche Momente indem die Liebe zwischen den beiden aufpoppt.




Meine Inspiration der Woche war und ist immer noch @fraeulein_tessa mit ihrem „Stillbild“. Teresa Bücker schreibt für EditionF über Frauen, Feminismus und weitere gesellschaftliche Themen. Ich persönlich finde ihren Stil sehr erfrischend und inspirierend. Ja, ich als Mann befasse mich mit Feminismus, denn dieser geht uns alle an!

Das waren meine Freitagslieblinge. Ich wünsche allen ein schönes und sonniges Wochenende. Kommenden Freitag lest ihr Julias Freitagslieblinge!

Lasst et krachen,

Max